Mit Windbeuteln fing es an: Plaback besteht seit 70 Jahren

Honigscheiben und Baisertorten, hergestellt nach originalen DDR-Rezepten, sind noch heute das täglich Brot einer der größten Bäckereien der Region. Ein Oberfranke behält den Überblick.

Plauen.

Ob Hitze oder Schnee - bei der Plauener Backwaren GmbH Plaback geht das Licht nicht aus. An sieben Tagen die Woche, von montags bis sonntags und an Feiertagen, werden dort Brötchen gebacken. "Sie sind vielleicht etwas kleiner, dafür aber gleichbleibend gut", sagt Geschäftsführer Herbert Goller.

Von den Plaback-Backwaren wird behauptet, sie würden wie zu DDR-Zeiten schmecken. Das kann stimmen, denn gerade hat der Betrieb sein 70-Jahr-Jubiläum gefeiert. Alle Rezepturen stammen noch von 1950. "Und daran wird auch nichts verändert", sagt Oberfranke Goller, der seit Mai 1993 in Plauen mit an Bord ist. Als Chef behält er seit 2012 den Überblick über die rund 50 Kollegen, darunter zwei Lehrlinge. In Stoßzeiten, wie etwa zum Fasching oder zu Weihnachten, könnten es auch schon mal 70 Leute sein.

Als größte Bäckerei Plauens hat die Plaback freilich auch über die Grenzen der Region hinaus Kunden. "Um 1.30 Uhr starten morgens unsere ersten Touren in Richtung Dresden", so Goller. Dort würde übrigens der Plaback-Stollen besonders gern gegessen, berichtet der Bäckerei-Chef schmunzelnd. Schließlich sei die Landeshauptstadt auch wegen ihres Striezels bekannt. "Unserer schmeckt aber besser", sagt Goller selbstbewusst.

Bereits vor der Wende hatte das Unternehmen einen Ruf, was Konditoreiwaren wie etwa Honigscheiben oder Baisertorten anbelangt. Und der mehrschichtige Baumkuchen natürlich. Der wird bis heute produziert - ein Alleinstellungsmerkmal in der Region. Bis 1990 war die Plaback ein Volkseigener Betrieb (VEB) und auf Süßzeug spezialisiert. Tausende von Windbeuteln und Sahnetorten wurden hergestellt. Nach der Wende stand die Frage: Aufgeben oder weitermachen? Die Erfolgsgeschichte begann.

Die Redewendung, dass etwas "wie geschnitten Brot" geht, bekommt im Fall der Plaback eine neue Bedeutung. Bis zu 1500 geschnittener, entrindeter Natursauerteig-Brote pro Tag für viele Senioren- und Pflegeeinrichtungen werden bereitgestellt. Möglich macht das moderne Technik. Bis 2012 sei alles komplett saniert worden, so Goller, der sich als Vogtländer beschreibt. "Ich verbringe den Großteil meines Lebens hier", sagt der 59-Jährige.


Vom VEB zum Platzhirsch in Plauen: Plaback in Zahlen

Am 30. Januar 1950 entstand der Volkseigene Betrieb (VEB). Als Konditoreibetrieb entwickelte sich die Firma dann nach eigenen Angaben von einem volkseigenen Betrieb zu einem Kombinat-geleiteten Betrieb.

Nach der Wende übernahm die Treuhand den Betrieb. Gisela Gerisch wurde bis 2006 geschäftsführende Gesellschafterin. Ihre Nachfolge traten Wolfgang Braß und 2012 Herbert Goller an.

Vier Filialen werden von der Plaback in Plauen betrieben - in den Kolonnaden, im Elster- und im Plauen-Park sowie im Café Traube an der Annenstraße, der ehemaligen Bäckerei Gruber. Weitere Geschäfte sind laut Geschäftsführer Goller in Planung. Ebenso existieren Verkaufsmobile. "Unsere Kunden sagen, wir sind ein richtiger Platzhirsch", sagt der Chef.

20.000 Pfannkuchen backen die Plaback-Konditoren in jedem Jahr allein für den Rosenmontag und Faschingsdienstag. Hinzu kommen noch Spritzringe und Apfel-Quarkis.

Zig Sorten an Kuchen sind im Plaback-Angebot, unter anderem aus

Hefe-, Mürbe-, Rühr-, Blätter- und Brandteig. Und oft mit viel Frucht. Die lässt man sich bei der Plaback gleich palettenweise in Konservendosen anliefern.

Mehrmals in der Woche holen Mitarbeiter der Plauener Tafel übrig gebliebene Backwaren für Sozialschwache ab - eine Idee Gollers. (sasch)


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