Mitreißende Operetten-Premiere

Jacques Offenbachs Operette "Pariser Leben" in der Aufführung der Landesbühnen Sachsen berührte am Sonntagnachmittag die Besucher im ausverkauften König- Albert-Theater.

Bad Elster.

Vorab umriss Regisseur Christopher Tölle den Anspruch bildlich so: "Wir wollen keine Waschmaschine bauen, die perfekt funktioniert, sondern eine Operette auf die Bühne bringen, die die Herzen der Besucher berührt." Gemessen daran und am Applaus nach Soli und Duetten im Verlaufe der Aufführung und gleich gar am Ende der zweieinhalb Stunden, war es eine gelungene Premiere.

Jacques Offenbachs Operette "Pariser Leben" bedeutete nicht die erste Kooperation zwischen den Landesbühnen Sachsen und der Elbland Philharmonie Sachsen mit der Chursächsischen Veranstaltungs-Gesellschaft. Dieses Trio agiert - wie auch am Sonntag unter musikalischer Leitung von Karl Bernewitz - wie eine harmonische Ehe: Partner, die aufeinander eingehen und sich ergänzen. Opulent die Ausstattung von Stefan Wiel, pompös die Kostüme, Masken und Dekorationen - so stellt man sich das Leben im Paris vor 150 Jahren vor, als Offenbach seine Operette schrieb. Dass sie nun auch in Bad Elster zu erleben war, ist als Verneigung vor dem Komponisten zu sehen, der 1819 in Köln geboren wurde, 1880 in Paris starb und als "Vater" der modernen Operette als eigenständiges und anerkanntes Genre des Musiktheaters gilt.

Als Offenbach 1866 "Pariser Leben" schrieb, traf er damit natürlich den Nerv der Zeit. Der schwedische Baron von Gondremark reist mit seiner Frau Christine in die Stadt an der Seine, um sich dort Vergnügungen hinzugeben. Kreative Modeschöpfer, betörende Mannequins und diverse Lebenskünstler sorgen für manche emotionalen Verwicklungen und Verwirrungen in einer Welt der Bessergestellten. Ins Heute lässt sich das nur bedingt transportieren, mutet doch die Handlung dafür zu einfach an. Auf Tiefgang kam es Regisseur Christopher Tölle bei der Inszenierung auch nicht an, vermied er es doch bewusst, den Stoff zu modernisieren, gar zu verbrämen und dem heutigen Geschmack anzupassen. Die Herzen der meisten Besucher brachte die Premiere von "Pariser Leben" dennoch zum Schwingen, war sie eine kurzweilige Unterhaltung. Vor allem lag es an der Musik: leicht und schwungvoll - keine Strapaze für die Ohren. Auch lag es am Gesang und Spiel der Darsteller, allen voran Michael König als Baron von Gondremark, Kirsten Labonte als Handschuhmacherin Gabrielle und Andreas Petzoldt als feuriger Brasilianer Pompa di Matadores.

Und wie war es nun, das Leben in Paris vor 150 Jahren? Überbordend und liebestoll auf jeden Fall, verwirrend und dekadent. Zum Schluss sang der Chor wie ein Fazita "Atemlos, das ist das Pariser Leben".

Die nächste Aufführung von der Operette "Pariser Leben" wird am 15. März um 19.30 Uhr in Bad Elster gezeigt.

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...