Modellbau Roth aus Theuma: Airbus fliegt auf Präzision

"Jedes der Flugzeuge hat irgendein Teil von uns eingebaut", sagt Matthias Temper. Dem Geschäftsführer und seinem Team gehen die Ideen nicht aus. Ein Loblied auf den Mittelstand.

Theuma.

Riesenteile, ultraleichte oder solche aus widerstandsfähigem Material: Das Erfolgsgeheimnis von Modellbau Roth ist die Flexibilität. Auch was die Maßtoleranzen anbelangt. Manchmal reicht eine Millimetergenauigkeit, manchmal muss es der hundertste Teil davon sein.

Dieser Unterschied ist mit bloßem Auge natürlich nicht zu erkennen. Der empfindliche Tastsensor der modernen 3-D-Messmaschine ist dem Menschen da voraus. Der Apparat gehört zu der Vielzahl an Spezialtechnik, die die Firma braucht, um deutschlandweit den Markt bedienen zu können.


"Es braucht auch qualifiziertes Personal", so Matthias Temper. Er ist seit fünf Jahren Geschäftsführer, und er ist sicher, ohne seine kreativen, verlässlichen Mitarbeiter wäre ein Jahresumsatz von 2,5 Millionen Euro nicht möglich. Anfangs, 1991 war das, hielten zwei Mitarbeiter die Firma am Laufen. Heute arbeiten 28Männer und vier Frauen im Betrieb an der Lottengrüner Straße. "Wir sind ein familiäres Unternehmen", sagt Prokuristin Katrin Gruner. Der Chef stimmt ihr zu.

Temper (44), gebürtiger Auerbacher, hat den Beruf des Modellbauers von der Pike auf gelernt. Was genau das ist? Ein Modellbauer stellt Modelle von Gegenständen her, die später industriell in Massen produziert werden. Anhand seiner Modelle entstehen Schablonen und Gussformen für die Serienfertigung. Von Beginn an ist Temper im Betrieb, sein Ausbilder war Bernd Roth, der Mann, dem die Theumaer Firma ihren Namen verdankt. Gegründet hatte der das stark expandierte Unternehmen einst in einer früheren kleinen Spulerei.

Einen besseren Job? Den kann sich Temper nicht vorstellen. Weshalb er das so empfindet, hört sich an wie ein Loblied auf den Mittelstand. "Wir schätzen es, wenn sich unsere Leute individuell einbringen, mit Ideen auf uns zukommen, stets dazulernen wollen", so Temper. Er steht auf Erfindungsreichtum und Improvisationstalent, bastelt selbst gern auf hohem Niveau. Wenn er mehr Zeit hätte, würde er gern ein eigenes Endprodukt fertigen, sagt er. Derzeit laufe ein Forschungsprojekt zum Thema E-Mobilität. Ansonsten sei die Firma ja vor allem Dienstleister.

Weil das Sitzen am Schreibtisch, Konstruieren und Planen nicht alles sei, ziehen die Theumaer Modellbauer auch mal den Blaumann an und schweißen oder fräsen. Temper ist überzeugt davon, dass Arbeit Spaß machen muss, und sagt: "Harmonie, Respekt und Wertschätzung, das sind hier wichtige Themen."

Nicht nur für den größten europäischen Flugzeughersteller Airbus ist die Firma ein regelmäßiger Partner. "Jedes der Flugzeuge hat irgendein Bauteil von uns", freut sich Temper. Auch Automobilchampions wie VW oder BMW gehören zu den Kunden von Modellbau Roth. Für Bugatti liefern die Tüftler ebenfalls Prototypen. Das Pfund der Theumaer ist, dass sie auch enorm große Teile bearbeiten können, nachdem sie aus den Grobformen aus Holz oder Kunststoff herausgelöst werden. Drei Meter Länge sind keine Seltenheit. Es seien auch schon Elf-Meter-Objekte auf riesige Sattelschlepper verladen worden.

Erst im Vorjahr wurde ein Fünf-Achs-Fräsbearbeitungszentrum angeschafft, sagt Temper. Im Takt von etwa fünf Jahren investiere das Unternehmen, nicht nur in seinen Maschinenpark, sondern auch neue Gebäude sind am Firmensitz entstanden: Fertigungshallen sowie Büro- und Sozialräume.

In Theuma hat der Name Roth einen guten Klang. Die meisten Arbeitnehmer kommen aus dem Dorf oder aus der Nähe. Deshalb habe man sich auch nicht lange bitten lassen, am Festumzug zur 750-Jahr-Feier teilzunehmen. "Wir haben 200 Gläser Sekt von unserem Festwagen runtergereicht", erinnert sich Katrin Gruner. Das war der, an dem eine Rakete Marke Eigenbau befestigt war - eine Anspielung auf die Raumfahrtindustrie, bei der das Unternehmen mitmischt. Das gleiche witzige Geschoss war beim Jubiläums-Seifenkistenrennen dabei.

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