Mühlental erhöht Beiträge stark

Das ist ein harter Schlag für Eltern: 50 Euro mehr im Monat in der Krippe, 29 Euro mehr im Kindergarten werden fällig. Warum das so ist - und was zur Wahrheit auch gehört.

Mühlental.

Eine drastische Anhebung der Beiträge für die Kinderbetreuung kommt auf die Eltern in der Gemeinde Mühlental zu. Nachdem die Tarife seit 2003 unverändert waren, kommt jetzt der große Sprung. Der Vollzeitplatz in der Krippe (neun Stunden wochentags) kostet Eltern künftig 200,31 Euro statt aktuell 150 Euro. Im Kindergarten steigt der Monatsbeitrag für die Vollzeitbetreuung von aktuell 92 Euro auf 121,51 Euro. Die Erhöhung beschloss der Gemeinderat am Donnerstagabend mehrheitlich. Sie gilt mit Bekanntgabe in der nächsten Ausgabe des Schönecker Anzeigers.

Genau erklärt hat Schönecks Kämmerin Gabi Bernhard, warum nun die erhebliche Mehrbelastung der Eltern nicht mehr zu vermeiden ist. Das Landratsamt hatte bereits voriges Jahr kritisiert, dass Mühlental die gesetzlich vorgeschriebenen Beiträge deutlich unterschreitet. Dieses Jahr kommt die miserable Finanzlage hinzu - der Kreis hat den Mühlentaler Haushalt 2018 zurückgewiesen, ein neuer wurde nicht beschlossen. Da war es vorbei mit den Spielräumen der Gemeinde.

"Leicht gemacht hat sich niemand die Sache. Es ist ein schwerer Schritt, es wurde nicht gleich dem Druck des Landkreises nachgegeben", sagt Schönecks Finanzfachfrau. Die leise Hoffnung, wie die Gemeinde Triebel im Streit um höhere Elternbeiträge gegen den Kreis zu obsiegen, ist zerstoben - da Triebel finanziell deutlich besser dasteht als Mühlental.

Am untersten Ende des gesetzlichen Spielraums liegt Mühlental auch künftig bei den Krippenbeiträgen. 20 Prozent ist der Mindestwert bei den Betriebskosten, der auf die Eltern umzulegen ist. Im Kindergarten (Spanne 20 bis 30 Prozent) liegt der nun fest gelegte Prozentsatz bei 25 Prozent. Mit den nun beschlossenen Beiträgen liegen die Mühlentaler Eltern im vogtlandweiten Vergleich immer noch nicht auf Spitzenplätzen. "Die Eltern hatten bisher das Glück, günstige Beiträge zu haben, wo andere lange schon mehr zahlen mussten", so Gabi Bernhard.

Weitaus größer als der monatliche Elternbeitrag für die Kinderbetreuung ist der Betrag, den die Gemeinde Mühlental pro Monat für einen Krippen- oder Kindergartenplatz aus eigener Tasche zahlt. Für den Krippenplatz sind es laut Gabi Bernhard im Monat 623 Euro - was bei acht Krippenkindern 2017 sich auf 59.000 Euro summierte. Für den Kindergartenplatz zahlt die Gemeinde pro Monat 186,76 Euro - im Jahr ist das eine Summe von 49.000 Euro. Bei kommunalen Ausgaben von 108.000 Euro fallen die 12.500 Euro, die Mühlental durch erhöhte Elternbeiträge im Jahr mehr einnimmt, wenig ins Gewicht, machte der stellvertretende Bürgermeister Karli Staer (Wählervereinigung Tirschendorf) aufmerksam. Diese Zusammenhänge müssten in der Diskussion und darüber hinaus generell in der Öffentlichkeit bekannt gemacht werden, so Gemeinderat Arnold Gläsel (Mühlentalfreunde). Ermäßigungen gibt es weiter für Geschwisterkinder und sozial Bedürftige, so die Kämmerin auf Frage der Abgeordneten Claudia Puggel (1. Hermsgrüner Traditionsverein).

Bad Brambach kann Kindergartenbeiträge ab 2019 senken - wie das sein könne, wollte Uwe Buschner (Wählervereinigung Unterwürschnitz) wissen. Dies habe mit dem Umstieg beim Gebührenmodell zu tun, sagte die Kämmerin. Während früher oft fixe Beiträge festgelegt wurden, gibt es nun mehr Kommunen, die Prozentsätze der Betriebskosten in ihre Satzungen schreiben. Als ein Vorteil dessen gilt, dass sich Entwicklungen etwa beim Personal (Tarifabschlüsse, Betreuungsschlüssel) so transparenter im Elternbeitrag abbilden - und ein Gebührenschock, wie in Mühlental geschehen, eher vermeiden lassen kann.

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