Musiker aus Kenia sucht Kontakt ins Vogtland

In seinem Heimatland ist der Musiker Eric Wainaina ein Star mit starkem sozialen Engagement. Nun plant er ein Projekt mit dem Musikwinkel.

Klingenthal.

Das sei echt lecker, meinte Eric Wainaina, als er im Gasthof zum Walfisch mit "Schladeregugs" auch die vogtländische Küche probierte. Der Musiker aus Kenia war aber nicht des Essens wegen ins Vogtland gekommen. Für das Gitarrenbau-Projekt, das er auf die Beine stellen will, suchte er den Kontakt zu Instrumentenbauern in Deutschland. Wie der Zufall spielte, traf er in der Botschaft in Nairobi mit Max Mehler einen Vogtländer. Dessen Vater Marco war viele Jahre Leiter der Klingenthaler Sparkasse-Filiale und Handballer beim HV 90.

Max Mehler vermittelte den Kontakt zu Karsten Meinel von der Berufs- und Berufsfachschule Klingenthal. Einen beruflichen Aufenthalt in Hamburg nutzte der Musiker aus Kenia zu einem Abstecher per Bahn nach Klingenthal.


Studiert hat Eric Wainaina am Berklee College of Music in Boston (USA), das er gleich in zwei verschiedenen Studiengängen abschloss: Songwriting und Aufnahmetechnik. Seine Musik ist eine Mischung aus kenianischen Benga-Rhythmen, ostafrikanischen Gitarren und moderner Popmusik. Der mit dem KORA All Africa Music Award ausgezeichnete Musiker ist vielseitig aktiv und engagiert sich in Heimatland auch auf sozialem Gebiet. Von ihm stammt beispielsweise die Musik zu dem 1996 vom United Nations Drogen-Kontrollprogramm in Auftrag gegebenen Video "Get in the Driver's Seat" (Nimm das Steuer in die Hand), das im Rahmen der Antidrogenkampagne in 20 Ländern lief.

Der Besuch in Klingenthal war für ihn eine Premiere. "Ich war fünf oder sechs Mal in Deutschland, meist in Berlin oder Hamburg", erzählte er. Mit Karsten Meinel, der ihm natürlich die Berufs- und Berufsfachschule zeigte und Klingenthal vorstellte, gab es einen ersten Austausch über die Möglichkeiten eines gemeinsamen Gitarrenbau-Projekts. Natürlich schaute Eric Wainaina auch im Zwotaer Harmonikamuseum vorbei, wo er sich als erster Besucher aus Kenia ins Gästebuch eintrug. "Die Tradition des Musikinstrumentenbaus im Vogtland ist faszinierend", zeigte er sich beeindruckt.

Dass der Musiker, der in wenigen Tagen 46 Jahre alt wird, als Kind in Nairobi seine ersten musikalischen Schritte mit einem Blüthner-Klavier aus Leipzig machte, überraschte selbst die Vogtländer. "Das Instrument gibt es noch. Ich hatte es zwar verkauft, als ich damals zum Studium ging, aber ich weiß, wer es hat, und möchte es gerne zurück- kaufen", erzählte er. Wenn Eric Wainaina am Klavier sitzt und singt, erinnert er an den jungen Elten John. "Klingenthal ist eine wunderbare Stadt", sagte er beim Abschied - mit der Hoffnung, das sein Gitarrenbauprojekt den Weg von der Vision zur Realität schafft.

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