Musikwinkel-Namensgeber starb heute vor 60 Jahren

Max Schmerler kennt man im Vogtland als Mundart- und Heimatdichter. Aber das ist nur ein kleiner Teil seines Schaffens.

Zwota/Dresden.

Der Satz aus einem Tonband-Interview von 1959: "Ich wollte Bauer werden, es hat aber bloß zum Lehrer gereicht", zeigt eigentlich schon, dass Max Schmerler ein Mann von Humor war. Der gebürtige Zwotaer, der ab 1898 als Lehrer in Dresden tätig war, ist in seiner Heimat neben vielen Geschichten vor allem durch das "Zwota-Lied" bekannt. Aktuell gehört René Goram, der Wirt vom Gasthof zum Walfisch, zu dessen bekanntesten Interpreten.

Was die Mundartschriftstellerei betrifft, so hat Max Schmerler viele Kollegen im Vogtland - und trotzdem nimmt der Zwotaer einen besonderen Platz ein. Ihm kam es nicht nur darauf an, lustige Geschichten und Anekdoten zu erzählen: "Sein besonderes Verdienst ist es, dass er der mundartlichen Lyrik einen tieferen Gedanken- und Gefühlsinhalt gab und damit zeigte, dass in der Mundart mannigfaltige Ausdrucksmöglichkeiten liegen, die bisher nur noch nicht genügend ausgeschöpft waren. Max Schmerler gehört zu den bedeutendsten Mundartdichtern des Vogtlandes, ja man kann ihn, besonders in Hinsicht auf seine Lyrik, den bedeutendsten nennen", heißt es im Nachwort zu seinem Buch "Ich waß an' schien Winkel". Es erschien 1957 im Friedrich Hofmeister Musikverlag Leipzig und erlebte drei Auflagen. Das Titelbild gestaltete Wolfgang Mattheuer.

Aber die Mundart war nur ein Thema für Schmerler. Nach dem ersten Mundartbüchlein von 1907 veröffentlichte er 1913 Geschichten aus dem Klingenthaler Raum in Hochdeutsch, die allein wegen der Darstellung des Musikinstrumentenbaus eine Neuauflage verdient hätten. Schmerler war es ja auch, der den Begriff Musikwinkel prägte.

Der Zwotaer, der 1899 in Morgenröthe-Rautenkranz seine Frau Constanze heiratete, und mit ihr in Dresden drei Kinder aufzog, war ein vielseitiger Mensch. Neben seiner Tätigkeit als Volksschullehrer zeigte er von 1904 bis 1934 zusätzlich verantwortlich für die Ausbildung von Dachdeckern, und wurde dafür zum Ehrenmitglied der Innung ernannt. Nach Kriegsende 1945 war in Dresden sein Wissen als Berufsschullehrer noch einmal gefragt. Erst im Februar 1952, inzwischen 78 Jahre alt, hörte er endgültig auf.

Selbst wer in Dresden und Umgebung unter Sprachfehlern litt, dem konnte mit einer Therapie bei Max Schmerler oft geholfen werden. Auch zu solchen Themen veröffentliche er Artikel in wissenschaftlichen Blättern. Manche Zeitgenossen verglichen ihn deshalb sogar mit Friedrich Dittes (1829-1896), dem Pädagogen und Schulreformer aus dem vogtländischen Irfersgrün. Max Schmerler starb heute vor 60 Jahren.

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