Nach langer Lebensreise: Neue Heimat im Vogtland

Nach einer langen Odyssee durch Deutschland hat sich eine 78-Jährige in Bad Elster niedergelassen - der Kultur wegen.

Bad Elster.

Es stimmt: Einen alten Baum sollte man nicht umpflanzen, weil dann die Gefahr naheliegt, dass er keine neuen Wurzeln in die neue Erde schlägt oder schlagen kann. Über Menschen sagt man das auch - es sei denn, jemand fasst selbst den Entschluss für eine, für seine grundlegende Veränderung. Christa Schuhmann ist so ein Mensch.

Die nunmehr 78 Jahre ihres Lebens gleichen einer Odyssee, vor allem durch Deutschland. Sie erzählt: "Ich stamme aus Königsberg. Als Vollwaise wurde ich durch die Kriegswirren nach Ostdeutschland, in ein Auffanglager in der Nähe von Bernburg verschlagen, lebte dann bei Pflegeeltern und wurde von ihnen adoptiert. Nach der Grundschule hätte ich gerne Kunst in der Burg Giebichenstein studiert, aber sie meinten, ich soll einen ordentlichen Beruf lernen. Also wurde ich Textilfachverkäuferin." Christa Schuhmann heiratete, bekam zwei Kinder und entschied sich dann doch für Kunst. Sie legte in Berlin das Diplom als Musiklehrerin ab, arbeitete als Pionierleiterin und Hortnerin in Thüringen. "Ich bin als Sternzeichen ein Krebs, also ein Stimmungsmensch. In Thüringen wollte ich nicht ewig bleiben." Christa Schuhmann zog es 1987 in den Norden. Im damaligen Bezirkskabinett für Kulturarbeit Rostock war sie die Verantwortliche für Chöre. "Das hat mir viel Spaß gemacht.

Nach Wende kam aber leider der Schlussstrich. Ich wurde arbeitslos, nahm Anstellungen im Hotel- und Gaststättengewerbe auf Helgoland und von Bayern an. Da fühlte ich mich aber zunehmend mehr nicht wohl, kam mit der Mentalität überhaupt nicht klar und fragte mich: Christa, willst du hier dein Leben verbringen? Nein, deshalb bin ich 2008 nach Sellin auf Rügen umgezogen, weil ich dort vorher noch nicht war."

Wer weiß, wie es Christa Schuhmann ergangen wäre, hätte sie nicht einen Trumpf aus dem Kartenspiel ihres Lebens gezogen: Im vergangenen Jahr war sie für drei Wochen zur Kur in Bad Elster und traf eine Entscheidung: Hier will ich meinen Lebensabend verbringen. "Alles hat mir auf Anhieb gefallen: die Landschaft, die Ruhe, die Leute und vor allem die Kultur. So kannte ich das von Rügen nicht. Ich weiß, es klingt verrückt, aber noch während dieser drei Wochen habe ich meine alte Wohnung in Sellin gekündigt und mir eine neue in Bad Elster besorgt. Am 28. Dezember bin ich eingezogen. Das Zweite war ein Abonnent fürs Theater, in das ich mich auch sofort verliebt hatte."

Christa Schuhmann hat keine Verpflichtungen außer sich selbst gegenüber, keine Familie und keinen Partner, die sie hätte fragen oder zum Mitkommen überreden müssen. "Ich finde, dass man im Alter dort sein muss, wo man sich wohl und aufgehoben fühlt. In Bad Elster will ich einfach noch einmal starten. Ob ich meinen Entschluss bereue? Überhaupt nicht." Wer die agile und resolute 78-jährige Frau reden hört, dass sie jeden Morgen in den Wald geht und dort "jeden Weg und Steg" kennt, dass sie jeden Freitag nach Adorf zur Bank wandert, um ihre Geschäfte zu erledigen - "Das könnte ich auch mit Online-Banking machen, aber ich will mich doch bewegen!" - und sieht, wie ihr dabei die Zufriedenheit und Freude geradezu aus den Augen blitzt, hat keinen Zweifel. "Bad Elster ist meine letzte Station, das steht fest. Ich fühle mich nicht wie 78."

Als Rentnerin begann Christa Schuhmann richtig mit der Malerei. Kurse hatte sie schon zuvor mehrfach belegt. Zurzeit und noch bis Ende November sind Arbeiten von ihr im Rathaus zu sehen. In ihnen, vor allem Landschaften, Stillleben und Naturstudien als Aquarell oder Acryl widerspiegelt sich die Odyssee ihres Lebens: von der Steilküste bei Kap Arkona bis zum Rhododen-dronpark in Bad Elster.

Bewertung des Artikels: Ø 5 Sterne bei 1 Bewertung
0Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...