Nächtliche Tour durch die Stadt bringt Besucher zum Gruseln

650 Jahre Schöneck: Für das Jubiläum hat sich der Heimatverein etwas Besonderes einfallen lassen. Den Stoff dazu liefert die Stadtgeschichte.

Schöneck.

Am oberen Teil des heutigen Schönecker Friedhofsberges befand sich bis zum Stadtbrand 1856 das Gefängnis, offiziell als Fronfeste bezeichnet. Dort wartete 1698 die damals 15-jährige Marie Meyer auf ihre Hinrichtung. Sie war in einem skandalösen Prozess der Brandstiftung für schuldig befunden worden. Ihre Hinrichtung war das letzte in Schöneck vollstreckte Todesurteil. Die Autorin Wibke Martin aus Neustadt hatte die Geschichte recherchiert und 2015 im Buch "Das Halsgericht zu Schöneck" veröffentlicht.

Am Freitagabend wurde Marie Meyer wieder lebendig. Gemeinsam mit ihrem Scharfrichter stand sie auf einer Mauer und beklagte das an ihre begangene Unrecht. Am Himmer versteckte sich die Mondsichel immer mal wieder hinter Wolkenfetzen. Das gab dem Ganzen eine besondere Atmosphäre.

Zuhörer waren die 50 Teilnehmer der ersten Gruseltour, zu der der Schönecker Heimatverein eingeladen hatten. Alle Geschichten, die sie auf dem gut einstündigen Rundgang erfuhren, hatten sich einst in der Stadt zugetragen. "Die sind alle historisch belegt", bestätigte Ralf Edler, von dem die Idee für das Projekt ausging. Er hatte dazu in den Kirchenbüchern und Archiven recherchiert.

Es waren nicht nur Schreckensjahre des Dreißigjährigen Krieges (1618-1648), aus denen Morde und Verbrechen überliefert sind, auch in Friedenszeiten ereigneten sich menschliche Tragödien. Das 2018 erschienene Buch "Der Kindsmord zu Schöneck", für das ebenfalls Wibke Martin das Material recherchiert hatte, und das nach ihrem Tod von ihrem Ehemann Siegfried veröffentlicht wurde, gibt einen Einblick, wie der Alltag der Schönecker Einwohner vor gut 300 Jahren aussah.

Als ehrenamtlicher Nachtwächter führte Ralf Edler die Teilnehmer der Tour zu den historischen Orten, wo Mitglieder der Schönecker Theatertruppe das Geschehen manchmal lautstark, in jedem Fall aber spektakulär in Szene setzten. Mit dabei waren Frenzis Gottschalk, Cordula Zeidler, Kerstin Weinper, Claudia und Armin Bankert, Mario Meinel, Elias Knobiel und Nico Weller.

Termin: Die nächste Schönecker Gruseltour findet am 28. Februar statt, Beginn 19 Uhr.


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