Naturtheater mit glänzender Bilanz

Vor dem letzten Wochenende der Freiluftsaison in Bad Elster werten die Verantwortlichen schon einmal die Besucherzahlen aus. Diese geben Rückenwind für die letzte Investitionsrunde. Auch ein besonderes Bonbon für Kinder liegt in der Schublade.

Bad Elster.

Der Ausbau des Naturtheaters Bad Elster auf 1500 Plätze zahlt sich aus: Die Freilichtbühne mit mobilem Dach hat in der am 7. September endenden Saison ein Drittel mehr Tickets als 2018 verkauft: 20.000 nach 15.000 im Vorjahr. "Das ist ein deutlicher Zugewinn. Unsere Prognose, dass wir mit der Erweiterung und Aufwertung punkten, hat sich bewahrheitet", sagt Florian Merz, geschäftsführender Intendant der Chursächsischen Philharmonie. Mit einem Besucherschnitt von mehr als 1000 Besuchern ist Sachsens älteste Naturbühne endgültig die zweite große Säule der Kultur neben dem König-Albert-Theater. "Wir können beide jetzt trennen. Das Naturtheater ist keine Außenstelle und das König-Albert-Theater nicht dessen Schlechtwettervariante. Ein eigenständiges Planen ist möglich", so Merz. Gleichzeitig gibt es keine Besucherdelle im 450 Leute fassenden König-Albert-Theater. "Unsere Zahlen liegen derzeit 10 bis 15 Prozent über denen von 2018", betont Florian Merz.

Mit 1500 statt zuvor 1000 Plätzen ist das Naturtheater zwölf Jahre nach seiner Wiedereröffnung in einer neuen Liga angekommen. Das belegen unter anderem mehrere ausverkaufte Termine - allen voran das Sommerkonzert mit Angelo Kelly & Family. Diese wurde gleich wieder für 2020 verpflichtet - und die Resonanz auf das nächste Gastspiel war groß. Die Chursachsen verzeichneten nach Bekanntgabe des Termins am 9. August 2020 gleich 350 Karten-Orders, unter anderem auch aus Moskau, Brüssel und Genf, erzählt Chursachsen-Marketingdirektor Stephan Seitz. Neben sehr guter Resonanz bei Auftritten der Lochis, von Jürgen Drews oder der Kastelruther Spatzen setzte auch "Nabucco" einen Glanzpunkt: Die Aufführung mit 1300 Gästen zum Brunnenfest-Auftakt im Juni bedeutet einen Besucherrekord für eine Oper in Bad Elster, erklärt Florian Merz.


Das mobile Dach, dass sich in luftiger Höhe über den Besucherreihen wölbt, bliebt dieses Jahr ausgefahren. "Es war kein einziges Mal offen. Einmal haben wir es versucht. Da haben sich die Leute beschwert, dass die Sonne sie blendet", erklärt der Intendant.

Eine Baustelle wird das Theater zum wiederholten Mal nach der Saison. Es sei ein wichtiges Signal des Freistaates gewesen, nochmals 1,2 Millionen Euro in die Bühne zu investieren, sagt Merz. Zum Auftakt der Spielzeit am 21. Mai 2020 sollen die Arbeit endgültig beendet sein. Mit 600.000 Euro ist die Hälfte der Summe dieses Jahr schon investiert, so die Bauverantwortliche, Chursachsen-Verwaltungsdirektorin Heike Schlack. Großzügiges Pflaster statt knirschender Kiesel ist nicht nur angenehmer fürs Ohr, sondern auch ein großes Plus mit Blick auf Unfallvorsorge und Barrierefreiheit. Die Modellierung der Außenanlagen, Begrünung, Graniteinzeiler als Abgrenzung zu den Hangbereichen - mit den Gestaltungen wird nicht zuletzt ein großer Wunsch des Publikums erfüllt, auch wenn im trockenen Sommer 2019 noch nicht alles grünte. Dass der Wald zum Greifen nah ist, damit will Bad Elster noch mehr punkten - auch im Konzert anderer Freilichtbühnen, die auch investierten. "Ganz gut reicht nicht - und es fehlte einfach der letzte Pfiff", sieht Merz die erneute Investition als nötig an. Weitere 600.000 Euro werden ab September dort investiert, wo es die Besucher am wenigsten sehen, es aber besonders nötig ist: Im Backstage-Gebäude wird erneuert, entkernt, Trockenbauwände entfernt und insgesamt mehr Platz geschaffen. "Von außen sieht man nix", sagt Schlack - aber innen wird nun der Bau den neuesten Anforderungen angepasst. Eins ist auch für dieses Jahr in Sicht: Im Oktober zeichnet sich nach langem Rechtsstreit mit einer Baufirma seit der Wiedereröffnung eine Entscheidung ab.

Der wiedergewählte CDU-Landtagsabgeordnete Andreas Heinz macht sich unterdessen für ein Projekt stark, mit dem die Chursachsen das Waldpark-Ensemble mit Naturtheater, Waldquelle, Musikpavillon und Umfeld abrunden wollen. "Der Spielplatz muss kommen", sagt der 59-Jährige. Pläne dafür gibt es. Aus Sicht von Heike Schlack ist es realistisch, kommendes Jahr damit anzufangen. Die dafür ins Auge gefasste Summe ist stolz: Mit 300.000 Euro dürfte es der teuerste Spielplatz des Vogtlandes werden. Dank eines speziellen Förderprogramms würde er zu 100 Prozent aus Zuschüssen bezahlt und dafür kein Eigenanteil der Vogtländer fällig. Auch deshalb will Heinz nichts vom immer wieder beschworenen Ende der Leuchtturm-Politik in Sachsen wissen. "Wir müssen viel mehr Leuchttürme bauen. Nicht nur in Dresden und Leipzig, sondern in jeder Kommune. Bad Elster ist mit Leuchttürmen schon gut gesegnet", erklärt der Abgeordnete. Damit der Spielplatz am Naturtheater etwas besonders wird, soll die inzwischen fast im Wald verborgene und eingewachsene Kinderbühne aus der Entstehungszeit um 1911 wieder einbezogen werden. Dass Spielgeräte an dieser Stelle wichtig sind, steht für Merz außer Frage. Mit der zunehmenden Nachfrage nach Kinder- und Familienveranstaltungen auf der Freilichtbühne sei ein Spielplatz hier ein Muss - auch in Verbindung mit dem nahen Motorikpark und Waldlehrpfad. Bei den Kinder- und Familienabos gibt es mit 20 Prozent das stärkste Plus der Chursachsen-Aboreihe.

Bewertung des Artikels: Ø 5 Sterne bei 1 Bewertung
0Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...