Neue Bücher zum Schmökern aus dem Vogtland

Thomas Weigel und Maren Schwarz nehmen ihre Leser mit auf die Insel Rügen - und das keineswegs zum Urlaub.

Muldenhammer/Rodewisch.

Es war 1988, als in der DDR der Defa-Film "Einer trage des anderen Last" in die Kinos kam. 1,2 Millionen Zuschauer sahen den im damaligen Westberlin preisgekrönten Streifen, in dessen Mittelpunkt ein junger Christ und ein Kommunist standen. Thomas Weigel baute den Film in sein Buch "Ausgangssperre Bausoldaten im Koloss von Prora" (Concepcion Seidel) ein.

Der Autor war einer von rund 15.000 jungen Männern, die zwischen 1964 und 1989 in der DDR als Bausoldaten einen Dienst ohne Waffe leisteten - in Prora auf Rügen. Weigel, der im Erzgebirge aufwuchs und heute in der Nähe von Kassel lebt, ist ein genauer Beobachter und begnadeter Erzähler. Er lässt mit dem Abstand von mehr als drei Jahrzehnten die 18 Monate Dienstzeit vom Herbst 1986 bis Frühjahr 1988 auf Rügen lebendig werden.

Auch wenn der Roman verfremdet, verdichtet, zuspitzt, Reales mit frei Erfundenem verknüpft - er zeigt mit dem Thema der Bausoldaten ein Stück DDR-Geschichte, das bislang kaum im Blickpunkt der Öffentlichkeit stand. Und da Weigel auch bei der Darstellung der Akteure auf Klischees verzichtet, ist man bei der Lektüre schnell gefesselt. Dabei stellt sich dann irgendwann die Frage, warum heute eigentlich niemand mehr über "Schwerter zu Pflugscharen" spricht, und Deutschland längst zu den führenden Rüstungsexporteuren gehört. Verleger Frieder Seidel aus Hammerbrücke war übrigens selbst Bausoldat.

Auch die vogtländische Krimi-Autorin Maren Schwarz entführt ihre Leser auf die Insel Rügen: "Inselsumpf" (Gmeiner-Verlag). Im neuen Fall stößt Rechtsmedizinerin Leona Pirell auf eine junge Frau ohne jegliche Erinnerungen, die scheinbar ein Kind zur Welt brachte, von dem jede Spur fehlt. Dass Pirell dabei einem Ring von Kinderhändlern auf die Spur kommt, liest sich ebenso spannend, wie bedrückend. Dessen führende Köpfe kennen im wahrsten Sinne des Wortes keine Grenzen, und haben enge Beziehungen bis in höchste Kreise von Politik und Justiz. Die junge Frau findet zwar ihr Baby und auch ihren georgischen Ehemann wieder, aber die Freude könnte nur von kurzer Dauer sein...

"Abschied von Sontamur" (Engelsdorfer Verlag Leipzig) heißt das neue Buch von Volker Müller aus Greiz. Im Mittelpunkt steht der ehemalige Wissenschaftler Hans Berg, der 2000 als 68-Jähriger mit seiner Frau Julia in das ererbte Haus in der Kleinstadt Sontamur zieht, gelegen im "Grünen Bergland". Bis zum 70. Lebensjahr begleitet der Leser den um Vergangenheitsbewältigung und Gegenwartsgestaltung Bemühten. Es spreche vieles dafür, einen der vielen "Mittelmäßigen" zur Hauptfigur des Buches zu machen, urteilt Frieder Spitzner von der vogtländischen Literaturgesellschaft "Julius Mosen", dem Volker Müller sein neues Buch im Besonderen gewidmet hat.

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