Neue Gedenkplatte für Eichigter Mahnmal

64 Gefallene des Zweiten Weltkrieges sind namentlich verewigt. Wie der Spagat gelang, nicht die Heldenrhetorik zu fördern.

Eichigt.

Das Denkmal für die Gefallenen der Ersten Weltkrieges in Eichigt ist jetzt durch eine große Platte ergänzt worden, auf der 64 Tote aus Eichigt des Zweiten Weltkrieges verzeichnet sind. Die Arbeit aus der Oelsnitzer Steinmetz-Fachwerkstatt Ballmann wurde ohne Feier verlegt. Indes soll nach der kalten Jahreszeit an einem Samstagvormittag die Gelegenheit geschaffen werden, dass Bürger das Denkmal aufsuchen und sich informieren, so Bürgermeister Christoph Stölzel (parteilos) gegenüber "Freie Presse".

Bislang existierte für den Zweiten Weltkrieg kein Gedenkstein, sondern nur eine Namensliste, die im Online-Ahnenforscherprojekt Gefallenendenkmäler als Beitrag von Alexander Broich aus Halle an der Saale abgerufen werden kann. Die wichtigen Zuarbeiten dafür hat der Eichigter Heimatforscher Herbert Strobel geleistet - genauso wie jetzt für die Gedenkplatte. Der 93-Jährige half Bürgermeister Stölzel auch bei einer anderen Frage aus der Patsche. Denn eines wollte das ehrenamtliche Gemeindeoberhaupt auf gar keinen Fall: Mit einem neuen Gedenkstein Heldenverehrung betreiben. Daher ist auf der Platte auch nichts Derartiges zu lesen, sondern die Aufschrift "Was ein Krieg anrichten kann", gefolgt von den alphabetisch geordneten Namen der Gefallenen. So werde den Toten Referenz erwiesen, aber auch ein anderer Umstand nicht ausgeblendet, nämlich das viele freiwillig in den Krieg gezogen und nicht wenige Soldaten auch zu Tätern geworden seien, betont Stölzel. Mit Herbert Strobel ist er sich einig, dass mit der gewählten Inschrift deutlich ist, was es für Familien in Eichigt bedeutet hat, wenn der Mann, Bruder oder Vater mit jungen Jahren nicht mehr von den Gefechtshandlungen in seine vogtländische Heimat zurückgekehrt ist. Das namentliche Gedenken - unter anderem von Gemeinderat Falk Geigenmüller (Bürger für Eichigt) angeregt - war in den Jahren zuvor "wegen der Vielzahl Gefallener" nicht ein konkretes Thema gewesen.

Seinen Platz gefunden hat die neue Platte zu Füßen des Denkmals für die Eichigter Toten des Ersten Weltkrieges. Hier sind neben Jahreszahlen, Eisernem Kreuz und der zentralen Aufschrift "Unser Dank" auch die Namen von 30 Männern vermerkt, die zwischen 1914 und 1922 im Krieg oder an den Folgen erlittener Verletzungen gestorben sind. Der behauene Block mit stufenförmigem Sockel steht in der Dorfstraße neben dem Teich und gegenüber dem Kraußschen Gasthof, heute Bürgerhaus - nachdem das Denkmal einige Jahrzehnte oberhalb des ehemaligen Jugendheims stand und zuletzt bis vor sechs Jahren den alten Standort am Feuerwehrgerätehaus hatte. Gegenüber des großen Denkmals steht ein Gedenkstein für Johann Georg Todt, der mit 22 Jahren als einziger Sohn seiner Eltern im deutsch-französischen Krieg gefallen ist. www.denkmalprojekt.org

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