Neue Museumsräume rücken Industriekultur ins Blickfeld

Die Harmonikaindustrie leistete einen wichtigen Beitrag zur Industrialisierung der Region. Im Museum Klingenthal kann man dem jetzt bis in Detail auf dem Grund gehen.

Klingenthal.

Wenn einst Sanitätsrat Dr. Giers zu seinen Patienten in Klingenthal und Umgebung unterwegs war, dann meist mit der Pferdekutsche. Heute ist sein Haus ein Museum, und der ehemalige Pferdestall beherbergt Maschinen, die ein Zeitgenosse von Giers erfunden hat: Julius Berthold (1845-1934).

Jener Berthold führte von Klingenthal aus den Musikinstrumentenbau in der ganzen Welt in eine neue Dimension - die von ihm erfundenen Maschinen ermöglichten den Übergang vom Handwerk zur industriellen Fertigung.


Wenn 2020 Sachsen das Jahr der Industriekultur begeht, kommt man an Klingenthal und der 1829 begründeten Harmonikaindustrie nicht vorbei. Der Freistaat unterstützt deshalb die Erweiterung des Klingenthaler Museums mit fast 82.000 Euro. Weitere 20.000 Euro flossen vom Kulturraum Vogtland-Zwickau. Die Eigenmittel von rund 62.000 Euro finanzierte die Stadt aus dem Nachlass von Malermeister Kern (1937-2006), wie Bürgermeister Thomas Hennig (CDU) am gestrigen Freitag bei der offiziellen Wiedereröffnung erläuterte. Das Anlass passte zum Jubiläum 100 Jahre Stadtrecht, in dessen Zeichen Klingenthal 2019 steht.

Im 1995 eröffneten Museum wurde die Ausstellungsfläche um rund 120 Quadratmeter erweitert. Neu gestaltet ist die Fassade, erneuert die Heizung und optimiert die Dämmung. Ein Teil der neuen Räume ist bereits länger für Besucher zugänglich - darunter die Entwicklung in der DDR mit den Klingenthaler Harmonikawerken.

Neben der Industriegeschichte im ehemaligen Pferdestall kann Museumsmitarbeiterin Xenia Brunner nun den Gästen aber auch ein sogenanntes Verlegerzimmer präsentieren - die Musikinstrumente sollten schließlich in alle Welt verkauft werden, andererseits musste ein großer Teil der Materialien weltweit eingekauft werden. Zu den Zulieferern gehörten selbst Stahlwerke im oberschlesischen Breslau.

Die Maschinen von Berthold sind übrigens teilweise noch heute funktionstüchtig. Die Stanze, die Michael Konrad von der Mundharmonika-Manufaktur C. A. Seydel Söhne beim Rundgang vorstellte, stammt aus dem Zeit um 1880, die war bei Seydel bis 2015 in Betrieb!

Zufrieden mit den neuen Ausstellungsräumen zeigte sich auch Manfred Gäbler, der Vorsitzende des Museumsvereins. Er verfolgte einst die Idee, im ehemaligen Pferdestall ein Museums-Café einzurichten. "Aber mit der jetzigen sinnvollen Nutzung bin ich vollkommen versöhnt", machte er deutlich.

Geöffnet ist das Museum zum Stadtfest am Samstag und Sonntag von 13 bis 17 Uhr.

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