Neue Notdienste für Apotheker: Patienten müssen weiter fahren

Seit Jahresbeginn müssen vogtländische Apotheken eine veränderte Richtlinie beachten. Das hat Folgen für die Kunden, die Medikamente benötigen.

Oelsnitz/Klingenthal.

Fehlt da nicht was? War bislang beim Notdienstplan der vogtländischen Apotheken säuberlich zwischen Reichenbach und Auerbach getrennt, steht da jetzt nur noch Göltzschtal. "Ich finde das verwirrend", so eine Reichenbacherin beim Lesertelefon der "Freien Presse".

Womöglich war nicht nur sie irritiert. Auch in anderen Teilen des Vogtlands hat sich bei den Apotheken-Notdiensten einiges geändert. "Seit diesem Jahr gilt in Sachsen eine veränderte Richtlinie", begründet dies Franziska Thiele, Mitarbeiterin bei der sächsischen Landesapothekenkammer in Dresden. Bislang durften außerhalb der Öffnungszeiten höchstens 20 Kilometer zwischen einer Apotheke und der nächsten diensthabenden Notdienstapotheke liegen. Jetzt sind es 29 Kilometer. Thiele: "Wir haben Bezirke zusammengelegt, in denen sich die Apotheken untereinander mit Diensten ablösen."

Dies war nach Einschätzung von Constanze Süßdorf-Schönstein auch dringend notwendig. Die Inhaberin der Marktapotheke in Oelsnitz schreibt die Dienstpläne für den neu geschaffenen Bezirk Oberes Vogtland. "Die Apotheken in Klingenthal-Schöneck hatten 60 Dienste im Jahr", sagt sie. "Einfach deswegen, weil es dort so wenige Apotheken gibt. Das war für die Mitarbeiter eine enorme Belastung."

Kommt diese Belastung stattdessen jetzt auf die Kunden zu? Süßdorf-Schönstein geht nicht davon aus. "Wir haben im Vorfeld intensiv mit Senioren darüber gesprochen, was aus deren Sicht zumutbar ist", sagt die Apothekerin. "Außerdem sind Kunden ja nicht verpflichtet, die Notdienstapotheke in dem Bezirk zu nutzen, in dem sie wohnen." Sprich: Wer in Oelsnitz wohnt, kann statt nach Markneukirchen genausogut nach Plauen fahren. Da hat nämlich in jedem Fall was offen.

Das liegt an der Notdienstplanung im Bezirk nebenan. "Bei uns haben stets zwei Apotheken Dienst, eine davon immer im Stadtgebiet von Plauen", sagt Gregor Melle, Inhaber der Westend-Apotheke. "Es muss also keiner nachts von Plauen bis Pausa fahren." Melle schreibt die Dienstpläne für den Bezirk Plauen. An dessen Zuschnitt wurde nichts geändert.

Dies sieht rund um Reichenbach und Auerbach anders aus. Dort gibt es jetzt nur noch einen Bezirk. Er trägt den Namen Göltzschtal. Die entsprechenden Dienstpläne schreibt Ulrich Stahn, Inhaber der Stadtapotheke Lengenfeld sowie einiger weiterer Apotheken. Trotz der Zusammenlegung glaubt er nicht, dass auf die Kunden große Belastungen zukommen. "Am Wochenende bleibt es ja bei zwei Notdiensten - einer im Bereich Auerbach, einer im Bereich Reichenbach." Unter der Woche gebe es in den Nachtstunden zwar nur eine diensthabende Apotheke. Aber dann sei die Nachfrage erfahrungsgemäß sehr gering.

Das kann Daniel Mädler nur bestätigen. Der Inhaber der Löwen-Apotheke in Ellefeld hat die neue Richtlinie ausgearbeitet, die jetzt die Notdienste der Apotheken regelt. "Die Nachfrage unter der Woche geht gegen Null", sagt er. "Das war übrigens auch der Grund für die Änderung."

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