Neue Regeln bei Kita-Beiträgen: Patchwork-Familien benachteiligt

Ein wenig beachteter Satz in der neuen Verwaltungsrichtlinie des Kreises kann teuer werden, wenn nicht alle Geschwisterkinder eines Haushalts die selben Eltern haben.

Oelsnitz/Klingenthal.

Daniela Gruner (40) fiel aus allen Wolken, als sie vor ein paar Tagen den Gebührenbescheid der Kita für ihre jüngste Tochter Emma (2) erhielt: Pro Monat soll sie für die Kleine den vollen Satz von 211 Euro bezahlen. Dabei ist Emma ihr zweites Kind, das eine vogtländische Kita besucht - Sohn Nils (7) wird nachmittags im Hort betreut. Für das erste Geschwisterkind gibt es eigentlich 40 Prozent Ermäßigung. "Das entspricht 80 Euro - für mich sehr viel Geld", sagt die Rodewischerin. Noch im April war ihr dieser Rabatt auch zugesagt worden. Jetzt nicht mehr. "In der Kita waren die Verantwortlichen selbst überrascht", schildert Daniela Gruner. "Doch aus dem Landratsamt hieß es, dass sei jetzt eben so."

Zum 1. Juli ist, weitgehend unbeachtet, eine neue Verwaltungsrichtlinie des Vogtlandkreises in Kraft getreten. In der stehen nach wie vor die Ermäßigungen für Geschwisterkinder. Allerdings heißt es nun: "Für die Gewährung von Absenkungen in Bezug auf die Anzahl der Kinder sind nur die Kinder zu zählen, die dieselben Eltern/Adoptiveltern haben." Emma hat aber nicht den selben Vater wie Daniela Gruners erste drei Kinder - deshalb gilt sie quasi als Einzelkind, der volle Beitrag wird fällig. Die Rodewischerin empfindet das als "Frechheit": "Es ist unfair und nicht nachvollziehbar, dass zwischen Geschwistern solche Unterschiede gemacht werden. Ist das eine Strafe für Patchwork-Familien?" Offenbar gehe es dem Kreis darum, Geld zu sparen. Denn in der Richtlinie ist geregelt, wer die Differenz zum vollen Beitrag zahlen müsste: das Amt für Jugend und Soziales des Vogtlandkreises. Heißt im Klartext: Von jedem verweigerten Rabatt profitiert direkt die Kreiskasse.

Der Falkensteiner Stadtrat Jens Uhlmann (Die Linke) spricht von Abzocke. "Dem Kreis steht das Wasser bis zum Hals, er spart an jeder Ecke", meint er. "Aber muss man das Geld unbedingt dort abgreifen, wo es sowieso am dünnsten ist?" Uhlmann hatte bereits im April im Falkensteiner Stadtrat auf diesen Punkt hingewiesen, der nun für alle vogtländischen Kitas gilt. Er beklagt "pure Ungerechtigkeit gegenüber Patchwork-Familien" und "einen Verstoß gegen die Gleichbehandlung von ehelichen und unehelichen Kindern". Er kenne in Falkenstein mehrere Betroffene: "Da macht bloß keiner den Mund auf, weil es sowieso schwer ist, den gewünschten Kita-Platz zu bekommen."

Linken-Kreischefin Janina Pfau kannte das Problem bisher nicht, will dazu nun aber im Landratsamt Auskunft verlangen. "Das ist eine klare Diskriminierung - es sind doch trotzdem die selben Kinder mit der selben Mama. Und Patchwork-Familien sind inzwischen eher der Normalfall."

Die Anfrage der "Freien Presse" an das Landratsamt blieb bisher unbeantwortet. Im Nachbarkreis Zwickau gilt übrigens beim Thema Kita-Rabatt: "Eltern sind die leiblichen Eltern, Adoptiveltern und die Personen, die in einer Hausgemeinschaft zusammenleben und gemeinsam für Betreuung und Erziehung der Kinder sorgen."

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