Neuer Chef für den Kurort gesucht

Am 9. September wählt Sachsens südlichste Gemeinde einen neuen ehrenamtlichen Bürgermeister. Zur Wahl stellen sich Jürgen Lenk (CDU) sowie die Einzelkandidaten Torsten Schnurre und Maik Schüller.

Bad Brambach.

Die Bad Brambacher haben die Wahl: Am Sonntag in einer Woche, am 9. September, können sie abstimmen, wer künftig die Geschicke des knapp 2000 Einwohner zählenden Kurortes und seiner Ortsteile leitet. Gesucht wird der Nachfolger von Helmut Wolfram (CDU, 65), der Ende Juli nach 28 Jahren im Amt aus Altersgründen aufgehört hat. Um den Chefsessel im Rathaus bewerben sich Jürgen Lenk (CDU) sowie die Einzelkandidaten Torsten Schnurre und Maik Schüller. Sollte am 9. September keiner der Bewerber die erforderliche absolute Mehrheit der Stimmen erhalten, gjbt es am 30. September eine zweite Wahlrunde. Dann genügt die einfache Mehrheit. Wahlberechtigt sind 1592 Bad Brambacher. Wahllokale gibt es im Rathaus, im Nebengebäude der Sparkasse und in Raun; zudem ist Briefwahl möglich. Um die Kandidaten und ihre Ideen für Bad Brambach im direkten Vergleich kennenzulernen, veranstaltet die "Freie Presse" morgen ab 18.30 Uhr ein Bürgerforum in der Festhalle Bad Brambach. Bürger können Fragen stellen, der Eintritt ist frei.

 


Jürgen Lenk: Mit Bürgern ins Gespräch kommen

Der 43-Jährige geht für die CDU ins Rennen und bringt Erfahrung in der Kommunalpolitik als Gemeinderat mit.

Die CDU stellt seit Jahren die große Mehrheit der Bad Brambacher Gemeinderäte - ohne dass die meisten von ihnen Parteimitglieder sind. Seit dem Frühjahr gibt es einen Abgeordneten mehr mit dem Unions-Parteibuch: Jürgen Lenk (43), aktuell Mitglied im Gemeinderat, trat ein und wurde Anfang Mai als Kandidat der CDU für die Bürgermeisterwahl auserkoren. Für ihn sei es als Fraktionsmitglied schlüssig, auch für die Union anzutreten - und Kontakte zu Abgeordneten bis hin zum Ministerpräsidenten könnten dem Kurort nur helfen, schätzt der Vater von zwei Kindern ein, der als Steuerfachangestellter im Heimatort arbeitet.

Bei seinen Überlegungen, wohin Bad Brambach in den kommenden zehn, zwölf Jahren steuert, will der CDU-Kandidat gern die Bürger mit ins Boot holen. "Bisher sind die Einwohner bei Entscheidungen nicht gefragt worden. Ich stelle mir Arbeitsgruppen aus Bürgern, Räten und Mitarbeitern der Verwaltung vor", sagt Lenk. Ein Entwicklungskonzept, wo sich der Kurort 2030 sieht, ist aus seiner Sicht nötig.

Einige Probleme seien zu bewältigen. Um den kommunalen Wohnraum attraktiver zu gestalten, Sanierungsrückstau und den hohen Leerstand anzugehen, müsste aus Lenks Sicht externer Sachverstand her. Im Punkt Ärzteversorgung hält es der Bad Brambacher für die realistischste Variante, dass ein Mediziner im Kurort eine Zweitpraxis an mehreren Tagen in der Woche frequentiert. Mit dem berufsbedingten Blick für Zahlen will Lenk die Finanzsituation des Kurortes durch "sinnvolles Sparen" verbessern. So könnten die Freiräume für freiwillige Aufgaben, wie den Erwerb des gesamten Badareals und seinen Ausbau zum Freizeit- und Erholungszentrum, geschaffen werden, meint Lenk.

Mit Staatsbädern und Tourismusverband müsse die Gemeinde wieder einen engeren Faden spinnen, um neben klassischen Kurgästen auch neue Klientel zu erschließen. Und Lenk bekennt sich zur Bad Brambacher Selbstständigkeit. "Sonst hätte ich mich nicht aufstellen lassen als Bürgermeister." (hagr)

 


Torsten Schnurre: Der Blick von außen soll helfen

Der 35-Jährige tritt als Einzelkandidat an. Das FDP-Mitglied hat schon seit dem Frühjahr intensiv Wahlkampf geführt.

Als einziger der drei Bewerber um das Bürgermeisteramt in Bad Brambach ist Einzelkandidat Torsten Schnurre nicht im Kurort aufgewachsen. Vielmehr führte den 1983 in Oelsnitz geborenen Versicherungsfachmann die Liebe in die Südspitze Sachsens. Seit vergangenem Jahr ist er mit der Jugendfeuerwehrwartin Romy Schrögel verheiratet. Bad Brambach ist für den Vater von drei Söhnen Nebenwohnsitz - neben Erfurt, wohin es ihn durch die Ausbildung 2003 zog und wo er seit November vergangenen Jahres im Büro des Bundestagsabgeordneten Thomas L. Kemmerich arbeitet.

Den Blick von außen, von manchem als großer Nachteil seiner Kandidatur empfunden, kann Bad Brambach nur helfen, ist Schnurre überzeugt. Erfahrungen, die er andernorts sammelte, will er hier gern einbringen. Statt im Rathaus sitzend über Hürden zu klagen, die das Leben schwer machen, will er als Bürgermeister ein Netzwerk aufbauen, auf Kongressen oder Messen für Bad Brambach trommeln. Schnurre plädiert dafür, mehr auf die eigene Kraft zu vertrauen. "So lange ich von anderen abhängig bin, kann sich der Ort nicht entwickeln", so Schnurre. Für seine Kandidatur hat er frühzeitig Wahlkampf betrieben, eine Reihe öffentlicher Termine angeboten - ein Vorgeschmack darauf, dass er es auch im Amt nicht bei einer abwartenden Haltung belassen würde: Klappern gehört zum Handwerk.

Die Vorlagen, um Tore für Bad Brambach zu erzielen, stuft Schnurre als gut ein: Kita, Schule, Bad, gute Vereinsstruktur, Wehren, Wohnen zu bezahlbaren Preisen - alles vorhanden. Fünf Hauptpunkte nennt er, die er im Amt umsetzen will: Ärzte ansiedeln, die Ansiedlung von Firmen fördern, den Kurort in der Region und darüber hinaus vermarkten. Dazu kommen die Förderung von Vereinen und Organisationen im Kurort sowie das Einrichten einer regelmäßigen Bürgersprechstunde. Bad Brambach braucht Argumente für eine Eigenständigkeit, sagt der "absolute Gegner" einer Eingemeindung nach Bad Elster. Er will helfen, diese Argumente zu liefern. (hagr)

 


Maik Schüller: Kräfte der Leistungsträger bündeln

Der 39-Jährige bewirbt sich als Einzelkandidat um das Ehrenamt und hat genaue Vorstellungen, wo er die Hebel ansetzen würde.

Maik Schüller hat eine klare Vorstellung, worum es ihm geht, sollte er zum Bürgermeister von Bad Brambach gewählt werden, "Ich will mich bemühen, dass es vorwärts geht - dass es nicht nur jetzt lebenswert ist, sondern auch so bleibt", sagt der Vater von zwei Kindern, der seiner Heimat Bad Brambach in vielen Jahren bei der Bundeswehr die Treue gehalten hat. Derzeit ist der verbeamtete Berufssoldat in der Oberpfalz stationiert, aber das Ehrenamt Bürgermeister reizt ihn nicht erst seit gestern: Schon 2015 spielte er mit dem Gedanken, zu kandidieren, überlegte es sich zu spät - die Frist war um.

Um Bad Brambach voranzubringen, müssten Leistungsträger ihre Kräfte bündeln. Maik Schüller denkt da vor allem an einen engeren Kontakt zu den Sächsischen Staatsbädern. Ziel des Bäderbetriebes wie der Gemeinde müsse sein, den Kurort aufzupolieren - dazu gehörten intakte Wanderwege genauso wie eine leistungsfähige Infrastruktur mit Gastronomie und Einkaufsmöglichkeiten vor Ort, ist der Kandidat überzeugt. Um junge Familien im Ort zu halten, Baugrundstücke anzubieten, will er seinen Spielraum als Bürgermeister soweit als möglich ausnutzen. Dass er sein Ehrenamt besser mit einer Partei im Rücken ausüben könnte, glaubt Maik Schüller nicht. "Ich treffe die Entscheidungen im Sinne der Anwohner, zugunsten der Bad Brambacher und nicht im Sinne irgendeiner Partei", meint der Kandidat für den Chefposten, dass ein parteiunabhängiger Bewerber beim sich wandelnden Parteiengefüge in Sachsen durchaus ein Vorteil sein könnte.

Die immer wieder ins Gespräch gebrachte Kurort-Ehe von Bad Elster und Bad Brambach lehnt Maik Schüller strikt ab. "Bad Brambach muss autark bleiben", fordert er - und hat, als Soldat an klare Entscheidungsstrukturen gewöhnt, eine Idee, wie sich das Problem des fehlenden Hausarztes in Bad Brambach lösen lässt. Nach Gesprächen mit Medizinern kann er sich vorstellen, dass die Gemeinde einen Arzt durch Einrichtung einer Praxis für geraume Zeit an den Ort bindet. (hagr)

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...