Neuer Museumschef stellt Forderungen

"Es fehlt eindeutig am politischen Willen. Wir brauchen definitiv den großen Wurf": Klare Worte von Stefan Hindtsche, seit kurzem Direktor in Markneukirchen. Der 39-Jährige will auch vieles selbst anpacken.

Markneukirchen.

Mit der Vorrede hält er sich gar nicht erst auf: Stefan Hindtsche, neuer Direktor des Musikinstrumenten-Museums Markneukirchen, drängt auf eine Grundsatzentscheidung zu einem der ältesten und umfangreichsten Museen seiner Art weltweit. Zwar ist das Haus in der Stadt immer wieder Thema. Aber Hindtsche will die klare Ansage, wo und wie Kommunalpolitik, Verwaltung, Bürger die Zukunft des Museums sehen - um Planungssicherheit zu haben. "Es fehlt an der Vision, am großen Wurf. Den brauchen wir definitiv", sagt der 39-Jährige. Bisher gibt es nix Greifbares, auch nicht von Akteuren außerhalb der Stadt. "Es fehlt eindeutig am politischen Willen", betont Hindtsche.

Die Fakten: Der Bauzustand des Paulusschlössls als Museumsdomizil macht große Sorgen. Hindtsche ist heilfroh, dass diesen Winter kein Schnee auf die Dächer drückt und der Elektriker als Stammgast viele Probleme in den Griff bekam. Die Frage Neubau, Erweiterung, Sanierung des Museums - sie ist nicht beantwortet. Die Dauerausstellung ist von 1985. In die lange geplante Neugestaltung spielt die Baufrage rein. Beim Trafo-Projekt der Kulturstiftung des Bundes, von dem sich die Stadt Spielräume für inhaltliche Akzente im Museum erhoffte, schied Markneukirchen aus, bevor es das große Geld gab. Ein Architektenwettbewerb war Teil des Projekts. "Da ging es für mich aber um Neubauideen, die ich definitiv präferieren würde, nicht um die Neugestaltung der Ausstellung. Das Paulusschlössl ist als Ausstellungsort schön, für Museumsaufgaben wie Sammeln, Bewahren und Forschen nicht. Das Gebäude muss erhalten werden, unabhängig von der Museumsnutzung", zeigt Hindtsche die Grenzen des Baus auf. Er verweist auf den bisherigen Zeithorizont der Stadt beim Museum. "Realistisch ist 2023, wenn das Alte Schloss abgeschlossen ist", schätzt Hindtsche ein. Das bedeute für sein Haus auch: "Die Probleme werden wachsen."

Er wisse ja um die Museumsprobleme, holt Bürgermeister Andreas Rubner (parteilos) tief Luft. Zuschüsse von Sachsens Kunstministerium für das Trafo-Projekt seien weiter für Markneukirchen reserviert, erklärt er. Noch im Januar soll es Gespräche zu den Finanzen mit dem Kulturraum geben - und die Landesstelle für Museumswesen soll ins Boot. "Wir werden mit dem Bauamt einen Schlachtplan machen, wie es weitergeht. Der Architektenwettbewerb ist nicht vom Tisch." Ob er 2020 angepackt wird, "hängt aber davon ab, ob das Alte Schloss dieses Jahr kommt oder nicht", sagt Rubner.

Anpacken will Hindtsche dieses Jahr viel. Stichwort: mehr Veranstaltungen. Ziel ist eine pro Monat. Los ging es mit Spillfolk vergangenen Samstag. "Es geht um mehr Sichtbarkeit des Museums. Das ist mir ganz wichtig", so Hindtsche. Großen Rückenwind spürt er durch den Museumsförderverein, der einige neue, junge Mitglieder gewann und im Frühjahr wieder zum großen Arbeitseinsatz rufen wird. "Die Museumsnacht steht auf jeden Fall auch wieder an", verweist Hindtsche auf Gespräche mit dem Vogtländischen Freilichtmuseum für gemeinsame Angebote. In Kooperation mit der örtlichen Fachhochschule will das Museum in der Lehre aktiver werden und Studierenden Einblicke in den Instrumentenbau geben. Mit der Bauhaus-Uni Weimar ist ein Projekt geplant, in dem Studierende Bauschäden des Paulusschlössls analysieren und geeignete Maßnahmen vorschlagen. Die umfangreiche Dokumentation - das Museum hat mehr als 10.000 Einzelobjekte - soll dieses Jahr abgeschlossen werden.

Weiteres Ziel 2020: Einzelne Ausstellungsbereiche sollen neu gestaltet werden. Im Erdgeschoss durch mehr Medieneinsatz, um attraktiver für Besucher zu werden, die wegen Barrieren andere Bereiche nicht erreichen können. Im Klanggarten soll es mehr Möglichkeiten zum Instrumente-Ausprobieren geben. Hindtsche: "Kleine Stellschrauben, aber wir werden unsere eigenen Hausaufgaben machen." Er arbeitet als einziger im Museum in Vollzeit, weitere vier Mitarbeiter in Teilzeit.

Im Jahr 2019 besuchten knapp 16.000 Gäste das Museum. "Jahr für Jahr kommen etwa 1000 Gruppenreisende weniger. Busreisen sind einfach nicht mehr attraktiv", so der Museumsdirektor. Die Zahl der Einzelbesucher liege konstant bei 12.000 bis 13.000 im Jahr. 2007 gab es aber noch weit über 10.000 Gruppenreisende. "Da müssen wir ran. Wir werden keine Laufkundschaft haben", will der Museumschef, den Fokus der Tourismuswerbung noch stärker auf das Alleinstellungsmerkmal gelebter Musikinstrumentenbau richten. "Natur im Vogtland: schön. Aber das allein reicht nicht."


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