Neuer Stall im Bau: Adorfer Bio-Pionier investiert

Die Agrargenossenschaft Oberes Vogtland stemmt derzeit ein Bauprojekt. Das Unternehmen setzt damit einen Erfolgsweg fort, der 1996 mit einer Grundsatzentscheidung eingeschlagen wurde.

Adorf.

Noch grasen die Kühe der Agrargenossenschaft Oberes Vogtland Adorf (Agova) auf saftigen Wiesen. Fast wie Almen wirken die Flächen oberhalb der Stadt in Richtung Sorge. Dass es den Tieren hier gut geht, ist augenfällig. Wenn in wenigen Tagen die Stallsaison beginnt, sollen sich auch hier die Bedingungen noch einmal verbessern. Derzeit ist ein neuer Stall im Bau, der Platz für 80 Jungrinder schaffen soll. "Die Jungrinder wollen wir auslagern", sagt Tino Wunderlich, Geschäftsführer der Agova. Damit wird in den drei bestehenden Ställen mehr Platz. Der neue Stall soll noch im November fertig werden. Rund 200.000 Euro gibt der Landwirtschaftsbetrieb dafür aus. Es ist die größte Investition seit 2011. Die Mutterkuhherde zählt insgesamt 600 Köpfe. In zehn Herden weiden die Tiere an den Hängen des Obervogtlands.

Der Stallbau und das damit verbundene Mehr an Tierwohl passt zur Agova. Denn die hat sich ökologisches Wirtschaften auf ihre Fahnen geschrieben. 1996 war das Unternehmen der erste landwirtschaftliche Biobetrieb im Vogtland. "Damals waren wir noch Außenseiter", erinnert sich Tino Wunderlich. "Doch es war der Schritt in die richtige Richtung." Mittlerweile sind mehrere Betriebe im Vogtland grün unterwegs, auch größere. Mit 16 Mitarbeitern und einer Betriebsfläche von 1145 Hektar gehören die Adorfer zu den Kleinen der Branche.

Je zur Hälfte werden die Flächen als Grünland und Ackerland genutzt. Angebaut werden Kleegras, Hafer, Dinkel, Senf und Winterroggen. Hafer wird beispielsweise in die Rubin-Mühle nach Oberlosa geliefert. Auch die Mühle Straßberg ist als Biobetrieb ein Geschäftspartner der Obervogtländer, die kurze Transportwege schätzen. Die Trockenheit in diesem und im vorigen Jahr schlägt sich auch in Adorf in gesunkenen Erträgen nieder. Die Anpassungsfähigkeit eines Dinkel kommt den Landwirten dabei entgegen. "Dinkel passt sich an, der Standort hier ist ideal", sagt Tino Wunderlich. Weil die Biobranche Dinkel liebt, sei er zudem gut vermarktbar. Die Agova hat deshalb vor vier Jahren eine eigene Dinkelschälanlage angeschafft.

Den in der Landwirtschaft verbreiteten Mangel an Fachpersonal spürt der Adorfer Betrieb bislang nicht. Als Erfolgsrezept beschreibt Tino Wunderlich dabei die enge Zusammenarbeit mit der Adorfer Zentralschule. Schüler erleben den Betrieb beim Praktikum oder in den Ferien. "Dabei springt auch immer mal ein Lehrling mit raus", sagt er. Es sei wichtig Mitarbeiter zu finden, die ortsnah wohnen. Gerade in Erntezeiten, wenn schnell und unkonventionell gearbeitet werden müsse, sei die Nähe zum Unternehmen elementar, so Wunderlich.

700 Verpächter haben der Agova Land zur Verfügung gestellt. Die Flächen befinden sich neben Adorf und Ortsteilen in Bad Elster, Bad Brambach und Schönberg. Neben der Landwirtschaft verfügt das Unternehmen mit Winterdienst und Grünlandpflege über ein weiteres Standbein. Wunderlich: "Die Technik ist schließlich vorhanden."

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