Neues Angebot: Bergknappen schaffen Stollen für Kinder

In Ausnahmezustand aufgrund der Coronapandemie haben sich Gert Müller und seine Mitstreiter nicht im Bergwerk vergraben, sondern Pläne geschmiedet, Hand angelegt, Überraschungen erlebt.

Plauen.

Kinder sind von den verordneten Einschränkungen des Lebens mit am stärksten betroffen. Das bekam im vorigen Jahr auch der Plauener Bergknappenverein zu spüren. Vereinschef Gert Müller blickt auf den Veranstaltungskalender 2020 und bilanziert: "50 Kindergeburtstage sind im Besucherbergwerk an der Reichsstraße ausgefallen." Makulatur sind längst auch die finanziellen Planungen des Vereins.

"Wir haben 7000 Euro Miese", resümiert der oberste Bergknappe. Wie die zustande kamen, kann er schnell erklären: "Seit dem 14. März war das Bergwerk fast durchgehend geschlossen." Die Einnahmen des Vereins betragen normalerweise um die 10.000 Euro jährlich. Im Vorjahr blieb es bei 1000 Euro. Anders als 2019, als 6309 Besucher im Alaunbergwerk an der Reichsstraße und dem Luftschutzmuseum an der Syrastraße zu verzeichnen waren, waren es 2020 nur 414. Die kamen bei Schlosshangführungen zustande.

Trotz des Verlustes werde der Verein 2021 noch über die Runden kommen, sagt Müller. Aber wiederholen dürfe sich eine solche Durststrecke möglichst nicht. Sollten die Corona-Beschränkungen in den nächsten Monaten endlich fallen, stehen die Aussichten für die Bergknappen nicht schlecht, an alte Beliebtheit und Resonanz anzuknüpfen. Für Veranstaltungen im Gräfkeller, dem ehemaligen Lagerraum des Likörherstellers im Schlosshang der Syrastraße, "haben wir bereits 40 Angebote", freut sich der oberste Bergknappe. Auch die im Vorjahr im ausgefallenen Kindergeburtstage sollen dann nachgeholt werden.

Bis es überall wieder so richtig losgeht, will der Verein noch einiges in Ordnung bringen. Im hinteren Teil des Gräfkellers regnet es herein: "Es ist Wasser, das durch den Felsen kommt", erklärt der Plauener. Das Wasser muss abgeleitet werden.

An der Brunnenstrecke im Bergwerk hat es einen Bruch gegeben. Zwei Multicar-Ladungen Schutt haben Vereinsmitglieder seit Anfang Januar bereits aus dem Stollen herausgeschafft. "Zu normalen Zeiten hätten wir dazu schließen müssen", erklärt der Vorsitzende, dass die Beschränkungen in diesem Falle eher nützlich als hinderlich waren. Die alte Lampenstube soll in den nächsten zwölf Monaten zu einer Schatzkammer umgestaltet werden.

Bereits hinter sich gebracht hat die 30 Mitglieder zählende Gemeinschaft den barrierefreien Ausbau der Anlage an der Reichsstraße, die Modernisierung der Elektroanlage und die Schaffung eines eigenen Stollens für Kinder - eben für die Kindergeburtstage. Dem Vergnügen unter Tage steht nicht mehr viel im Wege. Denn auch von oben gab es wieder grünes Licht: "Im November haben sich Bergbaubehörde, Oberbergamt und Grubenkontrolleur von der Sicherheit unseres Bergwerkes überzeugt", berichtet Gert Müller weiter. Ergebnis: Der Hauptbetriebsplan für das Alaunbergwerk "Ewiges Leben" direkt unter dem Stadtzentrum wurde aufgrund des guten Zustandes bis zum Jahr 2024 verlängert. Die Besucher können also kommen.

Zu einer ganz anderen Baustelle wurden die Bergknappen vor kurzem ins Westend gerufen. Beim Abriss der ehemaligen Plauener Gardine an der Louis-Ferdinand-Schönherr-Straße stießen die Arbeiter auf drei Luftschutztüren: "Die sind aus Beton, das ist etwas ganz Seltenes", so der Initiator des Luftschutzmuseums. Mithilfe schwerer Technik wurden die Türen geborgen. Sie erhalten einen neuen Platz in einem der fünf Keller im Schlosshang, die durch den Verein zugänglich gemacht worden sind. "Wer darüber etwas weiß, kann sich gern bei mir melden", hofft Müller auf Hinweise zu dem Fund und den Hintergründen. www.alaunbergwerk-plauen.de

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