Nobelpreisträger will Reichenbach sehen

"Freie Presse" hatte vom Stolperstein für Elisabeth Beutler in Reichenbach berichtet. Nun meldete sich ihr Urenkel Bruce Alan Beutler. Der Nobelpreisträger interessiert sich für seine Wurzeln.

Reichenbach.

Seit der Veröffentlichung des Beitrages in der "Freien Presse" über den fehlerhaften Stolperstein für Elisabeth Beutler sowie über ihren Urenkel, den Nobelpreisträger Bruce Alan Beutler, ist viel geschehen: Der im US-Bundesstaat Texas lebende Mediziner hat sich auf eine E-Mail gemeldet. Er schrieb: "Als ich aufwuchs, kannte ich Reichenbach als einen Ort, an dem meine Familie vor dem Krieg eine Textilfabrik hatte." Details seien ihm nicht bekannt. Mehr wisse eventuell sein Onkel Frederick, der Sohn des in Reichenbach 1891 geboren Alfred D. Beutler und Enkel von Elisabeth.

Bruce Alan Beutler freute sich, von den Sächsischen Israelfreunden und ihrem Bildungs- und Begegnungszentrum in Reichenbach sowie der Städtepartnerschaft mit Ma'alot-Tarshiha zu hören: "Es ist ermutigend zu wissen, dass in diesen Zeiten, während Israel als ganze Nation verunglimpft wird, wie das jüdische Volk damals, als es staatenlos war, es Menschen gibt, die versuchen, Brücken des Verstehens und der Toleranz zu bauen", teilte er per E-Mail mit. Falls er in der Nähe sei, werde er Reichenbach besuchen. Gleichzeitig interessiert sich Bruce Alan Beutler für die Frau, deren Schicksal auf dem Stolperstein seiner Urgroßmutter verewigt ist. Er fragte an, ob es diese Elisabeth tatsächlich gab und ob sie hingerichtet wurde, oder ob es sich nur um ein Missverständnis zum Schicksal seiner Urgroßmutter handelt.


Über eine Nachfrage bei der Gedenkstätte Deutscher Widerstand, die das Archiv der Hinrichtungsstätte Plötzensee verwaltet, wurde die Frau identifiziert, deren Schicksal mit dem von Elisabeth Beutler in mehreren Dokumenten "verschmolzen" wurde. Die Reichenbacherin Elisabeth Beutler, geborene Finder, wurde 1866 im heutigen Polen geboren und wanderte 1936 in die USA aus, wo sie 1954 starb.

Bei der 1944 in Plötzensee ermordeten Frau handelt es sich um Liesbeth Beutler, geborene Arndt, geboren 1901 in Berlin, verhaftet am 26. November 1943 in Märkischheide bei Vetschau. Sie wurde vom Volksgerichtshof wegen "Wehrkraftzersetzung" und "Feindbegünstigung" zum Tode verurteilt und am 11. August in Plötzensee hingerichtet. Was Liesbeth Beutler, die keine Jüdin war, vorgeworfen wurde, ist vergleichsweise banal. Sie hatte geäußert, der "Führer sei schuld am Kriege, so viel Blut wie er habe keiner an den Fingern" und ähnliche Dinge. Sowohl Anklage und Urteil als auch die Daten zu ihrer Person sind im Bundesarchiv vorhanden.

Dazu hat eben jene Sabine Hildebrandt geforscht, die die Dokumentation zur Familie Beutler erstellt und auf den Widerspruch bei Elisabeth Beutler aufmerksam gemacht hat. Das beim Bundesarchiv angesiedelte Online-Gedenkbuch "Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945" gibt für die Reichenbacher Elisabeth Beutler das Todesdatum von Liesbeth Beutler an. Die Korrektur des Gedenkbuches wurde beantragt. Stolperstein-Künstler Günter Demnig antwortete auf die Frage, wie mit dem fehlerhaften Steine verfahren werden kann: "Selbstverständlich ein neuer Stein!"

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