Oelsnitz: Erinnerung an eine einmalige Zeit

Die Besetzung einer SED-Kreisleitung gab es in der DDR nur hier. 30 Jahre später wollen Protagonisten von einst das an Nachgeborene weitergeben.

Oelsnitz.

An ein besonderes Ereignis wurde am Donnerstagabend in Oelsnitz erinnert: 30 Jahre Besetzung der SED-Kreisleitung. Am 30. Januar 1990 waren es rund 200 Leute, die Einlass in die als "Weiße Haus" bekannte Machtzentrale begehrten. Darunter viele aus Oelsnitzer Betrieben: "Eine Versammlung von Arbeitern vor der Zentrale einer Partei, die sich Arbeiterpartei nannte", sagt die damalige Vorsitzende der Bürgerinitiative Oelsnitz, Renate Wöllner. Viele, die damals aktiv waren, leben nicht mehr - ihrer von Altbürgermeister Kurt Reichel bis zum jüngst gestorbenen Eckardt Scharf wurde mit einer Schweigeminute gedacht. Andere wurden in ihren Hoffnungen enttäuscht, zogen sich zurück.

Aufschlussreich und bisweilen nachdenklich beleuchtete Renate Wöllner in einer Rede die Ereignisse 1990 und die Entwicklung seither. Mit ihr hatte Ulrich Lupart, damals ebenfalls in der Bürgerinitiative aktiv, an den historischen Ort, die heutige Sparkasse eingeladen. Damals musste diese sich das Haus mit der SED teilen, nun gibt sie der Erinnerung Raum. Die hat es in sich: Vielerorts wurden Stasi-Domizile besetzt, doch nur in Oelsnitz eine SED-Kreisleitung. Mit dem Ergebnis, dass die SED-PDS das Haus binnen weniger Tage komplett räumte. Diese Fakten weiterzugeben und immer wieder zu erzählen - das müsse sein, denn die Schar der Zeitzeugen von damals wird weiter schrumpfen: Diese Worte fielen am Donnerstag oft.

Oelsnitzer haben damals Geschichte geschrieben, meint OB Mario Horn (CDU). Damals schon aktiv dabei war Roland Quaas, später zehn Monate Stadtoberhaupt und am Donnerstag mit 84 Jahren als Gast besonders begrüßt. Stolz, Angst - vieles wurden zur Feierstunde lebendig. "Wenn wir nicht wiederkommen, geht ihr zur Oma" - das sagte Monika Müller ihren damals neun und zwölf Jahre alten Töchtern, bevor sie mit ihrem Mann Kurt zur Demo aufbrach. Da ist auch das Hochgefühl, miteinander ohne Lenkung von oben etwas Vernünftiges erreichen zu können, so Brunhilde Pflug, spätere Vizelandrätin von der SPD. Auch wenn diese besondere Stimmung verflogen sei: "Es waren wunderbare Jahre. Deshalb sind solche kleinen Veranstaltungen gut." Anknüpfen soll eine Ausstellung, die Lupart zum 30. Jahrestag der Einheit in Oelsnitz organisieren will.


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