Oelsnitzer Sportstättenplanung: Ärger schwappt in den Stadtrat

Abgeordnete kritisieren die Kommunikationspolitik von OB Mario Horn (CDU). Der hatte Mühe, die Gemüter zu beruhigen.

Oelsnitz.

Mit Wut im Bauch betrat der Oelsnitzer AfD-Stadtrat und Landtagsabgeordnete Ulrich Lupart die Stadtratssitzung am Mittwochabend in der Sporthalle Oelsnitz. "Die Stadträte wurden von OB Horn in die Pfanne gehauen", schimpfte der 68-Jährige. Grund waren Aussagen von Mario Horn (CDU) gegenüber "Freie Presse" zur Oelsnitzer Sportstättenplanung. Diese hatte vor allem wegen Maßnahmenempfehlungen des beauftragten Büros Fugmann aus Falkenstein, bei den Sportstätten abzuspecken, für Diskussionen, Fragen und Unmut bei Vertretern der Sportvereine gesorgt.

Die Sportstättenleitplanung sei kein Dogma, betonte Lupart. Doch der OB habe es so dargestellt, als hätten die "dummen Stadträte es durchgewunken". Dabei habe der OB als 23. auch dafür die Hand gehoben, erinnerte Lupart, der auch zweiter Vizebürgermeister ist. Drei Jahre habe der Plan gedauert und gekostet - "die Summe möchte ich lieber nicht sagen", so Lupart. "Und dann stellt der OB fest, was von den Empfehlungen nicht kommt. Da habe ich mich sehr geärgert darüber. Sie sollten sich genau überlegen, was sie über ihren Stadtrat in der Zeitung sagen", empfahl er dem Stadtoberhaupt.

Björn Fläschendräger (Freie Oelsnitzer Bürgerschaft) kritisierte Horn ebenfalls. Pressegespräch oder Pressemitteilung zum Sportstättenkonzept wären aus seiner Sicht wichtig gewesen. "Dann wären Nachfragen der Presse unnötig gewesen und aufkommende Fragen hätten gleich beantwortet werden können", sagte er. "Die gesamte Sportstättenplanung lag der Presse vor", entgegnete der OB. Dabei unterschlug er, dass es allein das Verdienst von Hauptamtsleiter Hannes Schulz war, dass die "Freie Presse" auf Anfrage am Tag nach dem einstimmigen Stadtratsbeschluss die Präsentation zum Sportstättenkonzept erhielt - nicht das Konzept selbst. Andere Medienvertreter hatten dazu viele Wochen nach dem Stadtratsbeschluss nichts erhalten. In den Presse-Unterlagen zur Stadtratssitzung am 6. Mai hatte das - wie in Oelsnitz fast jede Anlage zu Stadtratsbeschlüssen - gefehlt.

Sachgebietsleiter Rico Nieckels erläuterte den Werdegang des Konzepts. Es liege allein in der Hand des Stadtrats, was zu den Sportstätten wann, wie unter Maßgabe der nötigen Gelder beschlossen werde. Nach seinen Worten seien alle Vereine im Vorfeld zu den Sportstätten angeschrieben worden. "Leider sind die detaillierten Fragebogen nicht von allen abgegeben worden", bedauert Nieckels. Nach seinen Worten gab es zudem Vororttermine und Gespräche mit Vereinsvertretern, so weit möglich. "Wir müssen uns das jetzt in Ruhe anschauen. Es ist ganz wichtig, mit den Betroffenen zu sprechen, damit Entscheidungen für alle Beteiligten nachvollziehbar seien", sagte Nieckels. "Für Ruhe, Verständnis, Klarheit", will OB Horn nun sorgen. Zu den Sportstätten sagte er: "Wir haben aktuell überhaupt nix vor. Uns ist das Ehrenamt wichtig".


Kommentar: OB gibt ein klägliches Bild ab

Es ist einfach nur traurig, wie in Oelsnitz ein so wichtiges Thema wie die Zukunft der Sportstätten im Streit zerbröselt. OB Mario Horn verhält sich ungeschickt und gibt ein klägliches Bild ab. Hinterher so tun, als stehe er über den Dingen und zugleich den aufgeschreckten Vereinsvertretern erklären, dass die vorgeschlagenen Maßnahmen ja sowieso nicht kommen, ist keine Leistung. Es ist viel mehr ein Misstrauensbeweis gegen die Stadträte, die eigene Verwaltung und das Büro Fugmann als Ersteller des Konzepts. Dabei sind viele Fragen offen. Warum muss ein externes Büro, dessen Broterwerb die Planung von Sportanlagen ist, mit dem Konzept beauftragt werden, wenn es im eigenen Haus mit Sachgebietsleiter Rico Nieckels einen hoch befähigten Mitarbeiter dafür gibt? Was ist ein Papier wert, zu dem der OB später feststellt, "wir haben aktuell überhaupt nix vor"? Warum kann so ein Papier nicht öffentlich im Fachausschuss vorgestellt werden, bevor es beschlossen wird? Warum akzeptieren Stadträte, die zugleich Vereinsfunktionäre sind, so manch zweifelhafte Sentenz des Konzepts? "Das Ehrenamt ist uns wichtig", beeilte sich der OB am Mittwochabend öffentlich zu verkünden. Welchen Wert hat so ein Wort, wenn die gleiche Person zuvor für ein Papier die Hand hebt, das an mancher Stelle durch nachweislich falsche Aussagen das Ehrenamt mit Füßen tritt?

1Kommentare
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    Tauchsieder
    10.07.2020

    Wie lang lassen sich die Stadträte noch von ihm auf der Nase herumtanzen, der lässt doch kein Fettnäpfchen aus?