Olaf Böhme und sein Herz für Klingenthal

Mundharmonika live: Ein Markenzeichen des Klingenthaler Festivals sind die mehrtägigen Masterclass-Workshops. Einen leitet ein Wahl-Franke, den es seit Jahren ins Vogtland zieht.

Klingenthal.

Olaf Böhme weiß noch genau, wann er als 16-Jähriger von der Mundharmonikamusik infiziert wurde. "Das war auf einer Schul-Disco in Berlin. Zwischen Titeln von Deep Purple und was man damals so hörte, lief der ,Reichsbahnblues' von Stefan Distelmann und Bernd Kleinow. Ich denke, ich stand mit offenem Mund dabei. Das hat mich fasziniert. Ich wollte unbedingt auch eine Blues-Harp", erinnert sich der heute 54-Jährige.

Ein solches Instrument zu bekommen, war damals gar nicht so einfach. "In der Parallelklasse war ein Ungar. Der bot sich an, eine aus Ungarn mitzubringen." Bis es soweit war, behalf sich der junge Bursche mit einer Tremolo aus Klingenthal, und spielte erst einmal Volksmusik. Er stand quasi in der "musikalischen Warteschleife", was sich im Nachgang als positiver Effekt erwies, denn Olaf Böhme ist heute musikalisch äußerst vielseitig unterwegs.

Die Warteschleife dauerte ein gutes Jahr. "Damals gab es am Alexanderplatz das Geschäft ,Takt & Ton', da habe ich regelmäßig nach einer Blues-Harp gefragt. Die Verkäuferinnen kannten mich mit der Zeit und haben, wenn sie mich kommen sahen, schon abgewunken."

Irgendwann bekam er doch die Blues-Harp, auf die er wartete. Auch der Ungar hielt sein Versprechen und brachte ein Instrument mit. "200 Mark hat das mich damals gekostet. Da ging das ganze Geld drauf, das ich in der Ferienarbeit bei der Spargelernte verdient hatte. Aber ich war glücklich." Olaf Böhme erzählt die Geschichte so, als wäre sie gestern passiert. Man glaubt es ihm gerne, dass sie ihn geprägt hat.

Dabei ist er zwar ein Vollblut-, aber kein Berufsmusiker. Sein Geld verdient er als Art-Direktor eines Nürnberger IT-Unternehmens. 2000 war die Familie von Berlin nach Schwabach umgezogen. Die Mundharmonika ist aber sein Ding neben der Arbeit. Um in Klingenthal in dieser Woche wieder einen Master- class-Workshop zu halten, nimmt er sogar Urlaub. Sein Kurs war schon im Frühsommer ausgebucht, gleich 17 Teilnehmer hat er diesmal. In der Regel hält er vier Workshops pro Jahr, neben Klingenthal auch in Trossingen und Beilngries, meist begleitet vom Gitarristen Peter Pelzner. Dazu kommen diverse Kurse an der Volkshochschule.

Das Festival "Mundharmonika live" kennt er seit den Anfängen. "Bei der ersten Veranstaltung war ich Besucher. Dann habe ich einen Workshop bei Festival-Gründer Igor Flach belegt. Jetzt halte ich seit Jahren selbst Kurse." Klingenthal, so sagt er, gehöre sein musikalisches Herz. "Es ist vor allem der familiäre Charakter, der das Festival hier auszeichnet", macht er deutlich.

Die Vielseitigkeit der Mundharmonika fasziniert ihn noch immer, zumal er weiterhin ausgesprochen neugierig auf musikalische Anregungen ist. "Wir haben sogar im Urlaub in Dublin Straßenmusik gemacht. Das war einfach toll." Sein Repertoire reicht von klassischem Chicago-Blues, über Bluegrass, Country, Irish Folk, bis zu Folklore, Volksliedern und Evergreens.

Die Songkenntnis und seine Erfahrungen als Musiker flossen ein in das Buch "Das große Mundharmonika-Buch" ein, das 2016 erschien und bereits in der 2. Auflage vorliegt. "Hinter dem Projekt stecken drei Jahre Arbeit. Meine Idee war, den Lehr- und Hörteil in einem Buch zu vereinen, denn das gab es bisher noch nicht", zeigte er auf. 100 Songs - von Blues bis Volksmusik - sind darin enthalten, mit den entsprechenden Anleitungen, wie man sie spielt. "Bei einem Fachbuch spricht man ab 10.000 verkauften Exemplaren. Die Zahl möchte ich gern erreichen", bekennt er. Und er arbeitet schon an einem neuen Buch. Seit gestern ist er erst einmal Kursleiter beim Festival "Mundharmonika live". Mal sehen, welche Anregungen er diesmal mit nach Hause nimmt.

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