Paket für's Kind: Warum ein Vater eine Vollmacht benötigt

Erst im dritten Anlauf konnte die Familie einer elfjährigen Auerbacherin deren Geburtstagsgeschenk in Empfang nehmen. Laut Vorschrift gilt tatsächlich: Was an der Haustür problemlos klappt, wird in der Postfiliale hochkompliziert.

Auerbach.

Dass ihr Geschenk solche Schwierigkeiten verursachen könnte, hatte sich die Tante aus Bayern wohl nicht im Traum vorstellen könne. Arglos adressierte die Frau das Paket mit dem Backset an ihre Nichte Sophia Beeckmann, die in dieser Woche ihren 11. Geburtstag feierte. Am Samstag, 1. Juni, wurde es ausgeliefert - Familie Beeckmann war gerade nicht zu Hause in Reumtengrün. Das Paket landete also in der Filiale an der Nicolaistraße. Am Montagvormittag startete Sophias Bruder Philipp, 19, den ersten Abholversuch mit entsprechendem Schein. "Er bekam das Paket nicht, weil er keine Vollmacht meiner Tochter vorlegen konnte", schildert Vater Frank Beeckmann.

Die Vollmacht einer Elfjährigen? Das kann nur ein Irrtum ein, dachte sich der Vater und machte sich kurz darauf auf den Weg ins Stadtzentrum. Natürlich ohne Tochter, schließlich sollte das Geschenk eine Überraschung sein. In der Postfiliale präsentierte er seinen Ausweis und den Reisepass der Tochter - doch auch ihm als Erziehungsberechtigten wurde das Paket verweigert. Der Vater fiel aus allen Wolken, doch der Mann hinterm Schalter verwies auf die Vorschriften: Entweder die Vollmacht - oder die Tochter holt das Paket selbst ab.


Der Vater rief die Mutter an, die wenig später samt Tochter in die Filiale kam. "Die Frau am Nachbarschalter gab uns dann das Paket - den Pass der Tochter wollte sie gar nicht sehen", wundert sich Frank Beeckmann. "Ich hätte mir auch ein Kind von der Straße ausleihen können." Er versteht das Ganze nicht: "Wieso wird den Eltern das Paket verweigert, während an der Haustür selbst der Nachbar dasselbe Paket bekommt?" Klingt komisch - ist aber so, sagt sinngemäß der sächsische Post-Pressesprecher Mattias Persson. "Bei Kindern ab acht benötigen Eltern entweder eine Vollmacht oder das Kind muss bei der Abholung der Sendung in der Postfiliale mit dabei sein. Weil die Eltern in dem Moment, in dem das Kind vor Ort dabei ist, die Funktion der Erziehungsberechtigten erfüllen, kann das Paket ausgehändigt werden." Rechtlicher Hintergrund: Kinder ab 8 seien "beschränkt geschäftsfähig".

An der eigenen Haustür brauchten Eltern dagegen grundsätzlich keine Vollmacht, um Pakete für ihre Kinder anzunehmen, so der Pressesprecher. Und auch dem Nachbar könne das Paket problemlos ausgehändigt werden. Dies sei eben eine andere rechtliche Situation als in der Filiale, sagt Persson. Und ergänzt: "Gesetzen muss man folgen - verstehen muss man sie nicht immer."

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...