Palmen, Pfirsiche, Platanen: Die Gewinner des Hitze-Sommers

Subtropische Früchte und Pflanzen haben es im rauen Klima des oberen Vogtlandes normalerweise nicht leicht. Dieses Jahr ist das anders. Welche Beispiele kennen Sie?

Oelsnitz/Bad Elster.

Klaus Seifert aus Mühlhausen kann sich den Einkauf im Supermarkt sparen. In seinem Garten reifen zurzeit an drei Bäumen die herrlichsten Pfirsiche. "Einen Baum habe ich vor 20 Jahren in Kitzingen gekauft. Die anderen sind noch nicht so alt, sie tragen aber trotzdem schon sehr gut", freut sich der 77-Jährige und verrät noch, dass seine Frau mit dem Einkochen gar nicht hinterherkommt, weil auch Beerensträucher abgeerntet werden müssen.

So wie Klaus Seifert geht es derzeit so manchem Gartenfreund in der Region. Der Supersommer bringt eine reiche Obsternte hervor - und lässt zudem Früchte reifen, die es im rauen Klima des Oberlandes normalerweise eher schwer haben. Pfirsiche und Wein, wie er bei Klaus Seifert ebenfalls wächst, gehören eindeutig zu den Gewinnern dieses Sommers, der auf der anderen Seite auch so manche grüne Oase in eine braune Steppe verwandelt hat. Wer noch auf der Sonnenseite steht:

Platanen in Oelsnitz: Zehn Jahre stehen jetzt die mittlerweile 35 Jahre alten Platanen am Oelsnitzer Markt - und sie sehen prächtig aus. Der Stadtbaum des Südens entfaltet mit seinem Schatten spendenden Blätterdach in diesem Jahr seine volle Wirkung. Ein Selbstläufer sind die Platanen jedoch nicht, wie Korina Müller von der Stadtverwaltung auf Anfrage informiert. Dreimal wurden die 16 Bäume in diesem Sommer schon durch die Feuerwehr gegossen - zuletzt am Montag. "Wenn uns einer eingeht, ist das ganze Ensemble futsch", sagt die Grünflächenverantwortliche. "Das wollen wir auf keinen Fall riskieren." Weitere Gießaktionen für Stadtbäume gab es in Oelsnitz bislang nicht.

Palmen in Bad Elster: Keine Gewächse wecken mehr Süden-Sehnsucht als Palmen. Im oberen Vogtland sorgen sie unter anderem vor der Kunstwandelhalle in Bad Elster für mediterranes Flair. Der diesjährige Sommer bietet ihnen "Wärme, wie sie es gewöhnt sind", sagt Elke Sternitzky, Gartenbaumeisterin der Sächsischen Staatsbäder. Auch die blau blühenden Schmucklilien, wie sie am Badeplatz des Kurorts stehen, mögen die Wärme, sagt die Fachfrau. Wasser brauchen sie jedoch alle. Das Gießen gehört daher derzeit zu den Haupttätigkeiten des Gartenbauteams der Staatsbäder. Bis zu viermal in der Woche kommen sie reihum. "Noch stehen die Beete deshalb gut", sagt Sternitzky. Mehr Sorgen machen ihr Jungbäume und Büsche. Hier gibt es schon so manches braune Blatt. Bei der Gießwasserversorgung greifen die Gartenbauer im Staatsbad übrigens nach wie vor auf das Versorgungssystem mit den Teichen oberhalb der Parks zurück, wie es Gartenarchitekt Paul Schindel vor über 100 Jahren angelegt hat. "Fürs Gießen mussten wir deshalb bislang kein Leitungswasser verwenden", sagt Elke Sternitzky.

Die Klassiker im Garten: "Geranien halten die Hitze am besten aus", sagt Matthias Tröltzsch vom gleichnamigen Oelsnitzer Gartenbaubetrieb. "Auch Hängepetunien stehen gut", erklärt er. Gräser, Trend in vielen Gärten, trotzen ebenfalls der Hitze. Aber auch hier gilt: "Gegossen werden müssen sie alle", sagt der Unternehmer. "Sonst kann man es vergessen." Die anhaltende Hitze sorgt zudem dafür, dass derzeit kaum jemand pflanzt und es in der Gärtnerei entsprechend ruhig zugeht. Hitzegeschädigte Blumenkästen würden zudem oftmals nicht neu sommerlich bepflanzt, sondern schon herbstlich. (mit eso)

Leseraktion: Was gedeiht bei Ihnen in diesem Jahr durch die anhaltende Wärme besonders gut? Schicken Sie uns Ihre Hinweise an red.ovl@freiepresse.de. Tipps per Telefon unter Ruf 037421 56015441.

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