Partnerschaft wächst wie die 2015 gepflanzte Winterlinde

Mit Antonius Wiesemann trug sich der Bürgermeister von Neuenrade in das Goldene Buch der Stadt Klingenthal ein. Und auch ein Alt-Bürgermeister war zum Jubiläum gekommen.

Klingenthal/Neuenrade.

Die Winterlinde, die 2015 Antonius Wiesemann, Thomas Hennig und Gerhard Nöbel zum 25-jährigen Jubiläum der Städtepartnerschaft am Klingenthaler Marktplatz gepflanzt haben, wächst und gedeiht. Das Stadtfest, das damals den Rahmen bot, musste in diesem Jahr wegen der Coronapandemie ausfallen. Zwei Busse mit Gästen aus Neuen- rade waren dazu erwartet worden. "Das Fest holen wir 2021 nach", kündigte Klingenthals Oberbürgermeister Thomas Hennig (CDU) an.

Das 30-jährige Jubiläum der Städtepartnerschaft kann 2020 wegen des Virus nur auf Schmalspur gefeiert werden. "Wir wissen auch noch nicht, ob wir in Neuenrade den traditionellen Bürgerempfang am 3. Oktober durchführen können", machte Bürgermeister Antonius Wiesemann deutlich. Er hielt am Dienstag im Klingenthaler Stadtrat eine Festrede, in der er das Geschehen der vergangenen drei Jahrzehnte Revue passieren ließ.

Gekommen war dazu ins Rathaus auch ein Mann, der 1990 bei der Unterzeichnung der Urkunden für die Städtepartnerschaft mit dabei war, und die Zusammenarbeit mit Neuenrade danach gut ein Jahrzehnt mit prägte - als Stadtrat und Bürgermeister: Günter Kunzmann. Erst vor wenigen Tagen beging er seinen 86. Geburtstag.

Bei der Kommunalwahl 1990 hatte Kunzmann als Spitzenkandidat der SPD die mit Abstand meisten Stimmen erhalten: 3494. Das Stadtparlament wählte aber Manfred Herold von der Bürgerinitiative zum Bürgermeister. Kunzmann blieb bis Ende 1992 Fraktionsvorsitzender. In seinem 2009 erschienen Buch "Wir waren das Volk" erinnerte er auch an die Unterstützung, die Klingenthal nach 1990 beim Aufbau der kommunalen Verwaltung aus Neuenrade erhalten hatte.

1994 dann zum Bürgermeister gewählt, gestaltete Kunzmann die Partnerschaft maßgeblich mit. Hans Schmerbeck, der Bürgermeister von Neuenrade und 1988 Initiator der Städtepartnerschaft, hatte seinerzeit einen Partnerschaftsrat ins Leben gerufen, um auch Klingenthal und das niederländische Dinxperlo enger miteinander verbunden. Daraus entstand auch das internationale Musikfest am Aschberg, das bis 2001 Bestand hatte. "Hans Schmerbeck war ein Visionär", würdigte Antonius Wiesemann in der Rede im Stadtrat jenen Mann, der 1999 nach 36 Amtsjahren in den Ruhestand getreten war. Günter Kunzmann, damals selbst nicht mehr im Amt, erhielt von Schmerbeck zu dessen Verabschiedung eine persönliche Einladung nach Neuenrade.

Auch wenn Kunzmann wegen der damals ständigen Streitereien im Stadtrat einmal den Ausspruch prägte, Klingenthal sei eine unregierbare Stadt - in seine Amtszeit fällt die Einweihung der Stadthalle und des Kunsteisstadions, die Rekonstruktion der Vogtlandschanzen, die Eröffnung des Museums und der Erhalt der Alten Schule als Erlebnisgastronomie - alles Vorhaben, die seit Jahren auf der Wunschliste viele Bürger standen.

Nicht alle Projekte hatten lange Bestand, am Ende seiner Amtszeit stand Klingenthal unter Zwangsverwaltung. "Mit der Feststellung der Jahresrechnung für das Haushaltjahr 1994 durch den Stadtrat im Januar 1996 wurde uns zum ersten mal bewusst, dass die Stadt von der Substanz lebt", schreibt er dazu in seinen Erinnerungen. Da konnte dann auch die Partnerstadt Neuenrade nicht helfen.

Dort musste man freilich auch nicht die Erfahrungen machen, wie es ist, innerhalb von zwei Jahren fast die Hälfte der Arbeitsplätze zu verlieren. Als Chef der Beschäftigungs- gesellschaft hatte Günter Kunzmann zwischen 1992 und 1994 zeitweise über 620 Mitarbeiter in Lohn und Brot. Auch das ist ein Grund, warum er 2010 den Bürgerpreis der Stadt Klingenthal erhielt.

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