Pfarrer verfolgt eigene Predigt per Video

Mit einem Festgottesdienst sind neun Kirchgemeinden ins neue Christus-Kirchspiel gestartet. Auch in Reumtengrün lief das Multimedia-Event.

Reumtengrün/Auerbach.

Jetzt ist es offiziell: Neun evangelisch-lutherische Kirchgemeinden zwischen Schnarrtanne und Treuen bilden das Christus-Kirchspiel im Vogtland. Gefeiert wurde der Zusammenschluss am Sonntag mit Festgottesdiensten in den Kirchen aller beteiligten Gemeinden. Dazu gehört auch das Reumtengrüner Gotteshaus. Wie überall waren Veranstaltungen im herkömmlichen Sinne tabu. An deren Stelle rückten Videos vor kleinem Publikum.

50 Personen konnten den Reumtengrüner Gottesdienst vor Ort erleben. "Personen aus einem Haushalt dürfen eine Bank einnehmen. Ansonsten nur zwei bis drei Leute", erklärte Heinz Wüst die coronabedingte Sitzordnung. Er gehörte dem Vorbereitungsteam für den Video-Gottesdienst an und leitet ansonsten die Theatergruppe der Kirchgemeinde Rebesgrün/Reumtengrün. Auch zeitlich musste sich die sonntägliche Zusammenkunft im Rahmen bewegen: "Nach höchstens einer Stunde ist Schluss. Da gibt es genauso klare Regeln." Mitsingen war nicht erlaubt, summen schon.

Noch mehr Ungewöhnliches erlebte Johannes Kaufmann, Pfarrer der Kirchgemeinde. "Ich höre mir heute meine eigene Predigt an", sagte er. In seiner Funktion als Pfarramtsleiter im neuen Kirchspiel leitete Kaufmann das Vorbereitungsteam. Eigentlich sollte er in der vollen Auerbacher Sankt-Laurentius-Kirche sprechen. Die Großveranstaltung musste jedoch abgesagt werden. Jetzt also Video. Unter erschwerten Bedingungen ging ein Vierteljahr für dessen Produktion ins Land. Viele Gemeinden beteiligten sich an Einspiel-Elementen. Die Predigt musste genauso vorab aufgezeichnet werden wie die Einsegnungshandlung mit Superintendentin Ulrike Weyer. Das Zeremoniell diente der Bestellung des neuen Pfarramtsleiters.

Mediengestalterin Linda Martin-König vom Helfer-Onlineteam übernahm den Videodreh und sorgte dafür, dass die Einspielungen auch im Internet eine gute Figur machen. Viele der insgesamt 11.000 Kirchspiel-Gemeindeglieder verfolgten den Gottesdienst zu Hause mit. Mit digitalen Gottesdiensten als notwendige Ergänzung zu herkömmlichen ist man schon seit Ostern vertraut. "Die Leute nehmen das auch gut an", sagte Heinz Wüst. Als größte Herausforderung aktuell bezeichnete es Pfarrer Kaufmann, weiter Kontakt zur gesamten Gemeinde zu halten. "Nicht alle sind über das Internet und moderne Medien zu erreichen", sagte er.

Heinz Wüst kann dem zusätzlichen Aufwand auch positive Seiten abgewinnen: "So etwas tut Kirchgemeinden mal gut. Wir werden herausgefordert, vieles neu zu denken und uns mit dem Thema Vernetzung zu beschäftigen", berichtete er. Ein Video vom Festgottesdienst gibt es unter www.freiepresse.de/kirchspiel

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