Pilzesammeln: Was erlaubt ist und was nicht

Es ist Schwammezeit im Vogtland und manche Glückspilze schleppen ordentlich was nach Hause. Doch gibt es dafür eigentlich Grenzen?

Oelsnitz/Klingenthal.

Die einen staunen, andere sind neidisch und wiederum andere werfen die Frage nach den Spielregeln auf: Wenn Vogtländer öffentlich ihr Pilzglück feiern, dann gibt es mitunter ein großes Echo. Bei der Frage nach Erlaubtem schwirren manchmal sogar Gewichtsangaben durch soziale Netzwerke. Welche Regel gilt?

Als Erstes: Konkrete Gewichtsangaben, die nicht überschritten werden dürfen, lassen sich in deutschen Gesetzen nicht finden. Karin Bernhardt vom Landesamt für Umwelt und Geologie erklärt, dass es in der Natur zuallererst maßvoll zugehen sollte. "Der gepflückte Blumenstrauß für den Küchentisch ist nicht zu beanstanden", sagt sie. "Genauso wenig wie ein Körbchen Pilze für ein schönes Familienabendbrot." Für diese Faustregeln gibt es verschiedene gesetzliche Grundlagen. Eine davon ist das Sächsische Waldgesetz. Dort heißt es im Paragraf 14 unter "Aneignung von Waldfrüchten, Blumen und Kräutern": "Wild wachsende Blumen, Gräser und Farne können für den persönlichen Bedarf (Handstrauß) entnommen werden. Entsprechendes gilt für das Entnehmen von Leseholz, Pilzen, Kräutern, Moosen, Beeren und anderen Wildfrüchten." Dieses Gesetz korrespondiert mit dem Bundesnaturschutzgesetz und der Bundesartenschutzverordnung. Das Bundesnaturschutzgesetz besagt, dass jedermann wild lebende Pilze pfleglich entnehmen und sich aneignen darf - nach der Bundesartenschutzverordnung allerdings nur in geringen Mengen zum eigenen Bedarf. Was ist eine geringe Menge? "Als geringe Menge gilt, was für ein bis zwei Mahlzeiten ausreicht. Bei maximal acht Personen am Tisch und pro Tag bezogen, ergibt das ein bis zwei Kilogramm pro Kopf", sagen die Pilzberater Lothar Roth aus Adorf und Sandra Heymann aus Muldenhammer.

Speisepilz ist dabei jedoch nicht gleich Speisepilz. Nach der Bundesartenschutzverordnung sind einige der beliebtesten Pilze besonders geschützt. Dazu zählen etwa Pfifferlinge, Birkenpilze und Rotkappen, alle Arten von Morcheln sowie der Steinpilz. Dass sie nur "in geringen Mengen gesammelt" werden dürfen, hebt Karin Bernhardt vom Landesamt besonders hervor. Verstöße können dabei auch geahndet werden. Zuständig dafür sei der Landkreis. In Baden-Württemberg gab es beispielsweise im Vorjahr einen Fall, der Schlagzeilen machte. Hier hatten zwei Rentner 19 Kilogramm Steinpilze gesammelt. Ein Zeuge rief die Polizei. Laut Medienberichten hatten sie daraufhin 1700 Euro Strafe zu zahlen. Jeder der beiden durfte nur ein Kilo Steinpilze behalten.

Dass im Vogtland Pilzmengen gefunden werden können, die Strafen nach sich ziehen können, glaubt Pilzberaterin Ilse Scholz aus Auerbach nicht. Ihr sei auch kein Fall einer Strafzahlung im Vogtland bekannt. "Und ich mache das Ganze schon seit 1960", sagt sie.

Wo Pilze gar nicht gesammelt werden dürfen: in Nationalparks, Naturschutzgebieten und in der Nähe von Naturdenkmalen.

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