Protest gegen Autolärm löst sich leise auf

Die wichtigste Straße des Vogtlands feiert Jubiläum. Viele Menschen leben mit ihr. "Freie Presse" stellt sie vor. Heute: Ursula Hiebl, die gegen Lärm kämpfte.

Plauen.

Wenn man von Ursula Hiebls Terrasse nur ein paar Schritte um ihr Haus herumgeht, kann man die Autobahn sehen. Die große Brücke unweit der Abfahrt Plauen-Ost durchschneidet das Tal mit dem Ortsteil Sorga, hinter der Lärmschutzwand zeichnen sich Autos ab.

Viel schlimmer für Hiebl und ihre Nachbarn ist freilich: Man kann die A72 auch hören. Und zwar ziemlich deutlich. "Das liegt vor allem daran, dass die Lärmschutzwand nicht hoch genug für die Lkw ist", sagt die Plauenerin. "Und am Straßenbelag."

Lärmmessung, Ausbreitung von Schall, Dezibel-Tabellen, Flüsterasphalt - die studierte Chemie-Ingenieurin weiß über diese Dinge bestens Bescheid. Viele Jahre stand sie in vorderster Front bei der Bürgerinitiative für Lärmschutz an der A72. Bundesweit bekannt wurde der Kampf 2010, als die Sorgaer mit einer Protestfahrt die Autobahn zwischen den Anschlussstellen Plauen-Süd und Plauen-Ost lahmlegten. Es war der Höhepunkt ihres jahrelangen Kampfs um besseren Lärmschutz.

Aufmerksamkeit hatten sie. Gebracht hat sie Ursula Hiebl und den anderen Sorgaern wenig. Die Lärmschutzwand ist immer noch zu niedrig, Flüsterasphalt gibt es nach wie vor nur auf einem Teilstück von 500Metern. "Wir haben in viele freundliche Gesichter geschaut", erinnert sie sich. "Es kam nur nichts dabei raus." Landtagsabgeordnete und viele andere Politiker versicherten den Sorgaern stets aufs Neue ihrer Solidarität. Verständnis und Mitgefühl, wohin auch immer sie blickten. Doch an den zuständigen Ämtern sei dies einfach abgeprallt. Alle Energie verpuffte quasi in einem großen schwarzen Loch.

Irgendwann schlief das Engagement bei den meisten deshalb ein. Der harte Kern von rund acht Personen löste die Bürgerinitiative dann vor einigen Jahren auf - kaum jemand bekam es mit. "Irgendwann resigniert man einfach", sagt Ursula Hiebl heute. "Es ist ein Kampf gegen Windmühlenflügel." Verbittert klingt sie nicht dabei. Höchstens ein bisschen enttäuscht. "Ein bisschen was erreicht haben wir ja ", sagt sie. Der Flüsterasphalt auf der Friesenbachtalbrücke bringe definitiv etwas. "Und das Klackern ist weg", ergänzt sie. Das nervige Geräusch im Sekundentakt war entstanden, wenn Autos von der Straße auf die Brücke gefahren sind. Eine technisch ausgefeiltere Konstruktion verbindet jetzt Straße und Brücke, ohne dass die Fahrzeuge quälende Geräusche verursachen.

Mit dem Rest der Lärmbelästigung lebt Ursula Hiebl irgendwie. "Obwohl es zurzeit so heiß ist, müssen wir unsere Schlafzimmerfenster nachts zumachen", berichtet sie. Nachdem die Kinder schon angekündigt haben, das Haus in Sorga nicht übernehmen zu wollen, wird die Familie es wohl irgendwann verkaufen. Hiebl: "Der Preis wird so toll wohl nicht werden. Bei dem Krach!"

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