Reise in den Musikwinkel

Das Festival "Mundharmonika live" fällt in diesem Jahr aus. Dafür erscheint ein lesenswertes Buch eines Festivalsteilnehmers.

Klingenthal/Berlin.

2019 war Herbert Quelle, der frühere Generalkonsul in Chicago (USA) als Teilnehmer beim Klingenthaler Festival "Mundharmonika live". In diesem Jahr fällt das Festival wegen der Coronapandemie aus, dafür erscheint aus seiner Feder ein neues Buch über die Mundharmonika, in der auch Klingenthal einen gebührenden Platz einnimmt. Es ist eine fiktive Reise des 70-jährigen aus Deutschland stammenden Collegeprofessors Walter und des 25-jährigen Afroamerikaners James, der von seinem Großvater eine Mundharmoniksammlung geerbt hat. Schließlich wurden aus Deutschland rund 250 Millionen dieser Instrumente in die USA geliefert, die meisten aus Trossingen und Klingenthal.

Die Tour der beiden Fans der Mundharmonika führt von Frankfurt am Main über Stuttgart, Trossingen, Klingenthal und Weimar nach Berlin. Dabei geht es unterwegs nicht nur um die Musik, sondern auch um Geschichte und Gegenwart der deutsch-amerikanischen Beziehungen. Dazu kann Herbert Quelle aus seiner beruflichen Erfahrung als Diplomat natürlich Hintergrundwissen einbringen.

Für das Buch hat er zudem Akten der US-Konsularagentur in Markneukirchen ausgewertet, die von 1893 bis 1916 bestand. 32 Bände voller Dokumente sind im US- Nationalarchiv College Park, Maryland aufbewahrt. Interessant ist auch, welche Strategie der Klingenthaler Konkurrent Hohner in Trossingen einst bei seinem USA-Geschäft verfolgte. Das bringt der Autor auf ebenso unterhaltsame wie informative Weise rüber, und liefert damit zudem noch aktuelle Bezüge zur Gegenwart.

Klingenthal ist mit der Manufaktur Seydel, dem Harmonikamuseum Zwota und Ferienhotel Mühlleithen gut vertreten. Darüber freut sich der regionalen Leser zusätzlich.

Dass der Collegeprofessor Walter am Ende des Buches von einem Faustschlag zu Boden geht und schwer verletzt wird, hat auch mit dem Buchtitel zu tun: Ihm ist wichtig, dass es nicht nur in der Musik, sondern auch im Alltag keinen falschen Zungenschlag geben darf.

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