Retter am Hang: Bergwacht muss immer häufiger ausrücken

Seit vier Jahrzehnten sind die Helfer in Schöneck bei Unfällen für andere da. Dieses Jubiläum wurde am Samstag gefeiert. Dabei konnte man auch erfahren, warum Verletzungen heute mitunter schwerer enden als noch vor Jahren.

Schöneck.

Wenn Freizeitsportler verunglücken, sind die Mitglieder der Bergwacht Retter in der Not. Seit 40 Jahren ist sie in Schöneck aktiv. Verändert hat sich über die vier Jahrzehnte einiges. Nicht nur die Bedingungen bei Rettungseinsätzen verbesserten sich, auch das Einsatzgebiet habe sich erweitert und verändert, wie Bergwacht-Leiter Jörg Neidhardt beim Tag der offenen Tür in Schöneck erklärte.

Konzentrierten sich die Retter anfangs nur im Winter auf das Skigebiet Hohe Reuth in Schöneck, gehören mittlerweile zum Einsatzradius die Loipe bei Grünbach, der Skihang in Erlbach, die 38 Kilometer lange Ortsloipe bei Schöneck sowie das örtliche Mountainbike-Streckennetz mit der Bikewelt im Sommer. Auch der Alte Söll, der seit letztem Jahr als Kletterfelsen erklommen werden kann, zählt jetzt dazu. Wie Jörg Neidhardt sagte, habe man sich vom reinen Winterrettungsdienst zu einem ganzjährigen Rettungsdienst entwickelt - insbesondere seit vor zehn Jahren die Bikewelt entstanden ist. Dadurch haben sich auch die jährlichen Einsätze erhöht. "Wir haben in den vergangenen Jahren steigende Zahlen der Rettungseinsätze verzeichnet. Letztes Jahr hatten wir insgesamt 66 Hilfeleistungen inklusive der Bikewelt", so der Bergwacht-Leiter. Dass Menschen verunglücken, liege nicht zwingend an der Unvernunft der Winter- und Bikesportler. "Im Gegenteil, die meisten Leute gehen die Pisten mit einem guten Bewusstsein an und sind entsprechend ausgerüstet. Im Winter ist es öfters der Kunstschnee, der zu Unfällen führt. Er ist härter und anders verdichtet, dadurch kann man härter stürzen, als im weicheren Naturschnee. Wenn man da keinen Helm trägt, kann es zu erheblichen Kopfverletzungen kommen", erklärt Jörg Neidhardt. Wie er berichtet, kam es vergangenes Jahr in der Bike- und in der Skiwelt zu jeweils einen Hubschraubereinsatz in Folge von gravierenden Sportverletzungen. In dieser Wintersaison mussten die Bergretter bis jetzt 26-mal Hilfe leisten.

Im Jahr 1979 mit acht Ehrenamtlichen gestartet, zählt die Bergwacht heute 36 Mitglieder, inklusive 14 Kinder. Seit 30 Jahren ist Jörg Neidhardt als Bergretter dabei. Besonders in Erinnerung geblieben ist ihm die Hilfeleistung außerhalb des Vogtlands in Döbeln, Bad Schandau und Wehlen beim Jahrhunderthochwasser im August 2002, als die Bergwacht mit zu Hilfe gerufen wurde. "Diese Ausnahmesituation werde ich nie vergessen. Ich habe alle bürokratischen Dinge ausgehebelt, sodass wir schnell und direkt helfen konnten", erinnert er sich. Mit Sachspenden wie Eimern, Schaufeln, Kleidung und Sanitär-Artikel konnten wir viel bewirken, denn die Leute hatten ihr ganzes Hab und Gut verloren. Die Dankbarkeit, die uns entgegengebracht wurde, werde ich nicht vergessen."

Die Bergwacht hat sich im Laufe der Zeit immer weiterentwickelt. Zu Beginn war sie in einem Bauernhof an der Hohen Reuth untergebracht und ab 1984 in einem kleinen Haus am Skihang gleich daneben. Vor zwölf Jahren erfolgte der Umzug in die jetzige Bergrettungsstation mit Küche und Schulungsraum, direkt gegenüber vom Ifa-Hotel. Zwei Krankentransporter, zwei Quads und ein neuer Motorschlitten erleichtern die Rettungsarbeiten.

Von solchen Hilfsmitteln konnten Christina Schumann (73) und Helmuth Kaiser (75) 1979 nur träumen. Sie zählen zu den Gründungsmitgliedern der Bergwacht. "Früher mussten wir die Leute mit reiner Muskelkraft retten. Wir hatten damals nur ein Rettungsbrett mit Seilen zur Verfügung, mit dem wir die Verletzten aus dem Schnee transportierten. Bis auf einen Schlepplift, mit dem wir den Transport nach oben bewerkstelligen konnten, lief alles ohne Technik ab", erinnert sich Helmuth Kaiser. Unfälle, die einem im Gedächtnis geblieben sind, gab es damals auch. Christina Schumann denkt zurück: "Als hier noch Ski-Alpin gefahren werden konnte, hatte sich eine Slalom-Stange durch den Körper einer Frau gebohrt. Das vergisst man nicht. Auch manche Rettungsaktionen waren körperlich so anstrengend, dass man sich danach sogar übergeben musste." Beide sind ihrem Ehrenamt bis heute treu geblieben und helfen in der Erstversorgung mit. "Wir machen das aus Leidenschaft. Hinzu kommt, dass das gesamte Team der Bergwacht gut miteinander harmoniert. Es macht uns Spaß", so Christina Schumann.

Die Harmonie war beim Tag der offenen Tür spürbar. Jeder brachte sich ein.

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