Schollheim lebt in Oelsnitz auf

Eine Party in der Katharinenkirche huldigte einen legendären Tanzsaal. Manche reisten dafür von weither an.

Oelsnitz.

Die sogenannte Schollheim-Revival-Party in der ausverkauften Oelsnitzer Katharinenkirche hat in der Samstagnacht alle Erwartungen übertroffen. Die Veranstaltung war als Hommage an den 1990 abgerissenen kleinen, aber legendären Tanzsaal im damaligen Geschwister-Scholl-Heim gedacht. Heute steht an seiner Stelle der Drogeriemarkt Müller.

"Ich bin unheimlich zufrieden", frohlockte Organisator Frank Burkhardt. "Wir wollten ja jedem Gast einen Sitzplatz anbieten. Mehr davon wären auch nicht vorhanden gewesen." Viele der rund 200 Besucher hätten noch am Abend den Wunsch nach einer zweiten Auflage an ihn herangetragen. Burkhardt: "Es kann gut sein, dass wir die Party nächstes Jahr wiederholen."

Für die Musik sorgte neben den Cozy Old Men mit Wolfgang Strobel ein Diskotheker, der früher oft im Schollheim auflegte. Auch er hatte so manche Erinnerung parat: "Da gab es die berühmte langsame Tanzrunde. Dafür wurde das Licht gelöscht und eine UV-Lampe eingeschaltet. Danach waren viele Hände plötzlich ganz woanders!"

Apropos woanders: So mancher mittlerweile im "Exil" lebende, frühere Oelsnitzer war extra für die Veranstaltung wieder in die alte Heimat gereist. Den Vogel schoss dabei Birgit Heisig ab. Die Fotografin, die nach der Wende unter ihrem damaligen Nachnamen Eckert ein Geschäft in der Bahnhofstraße betrieben hatte und heute im Allgäu lebt, orderte im Vorfeld 60 Eintrittskarten für Freunde und Bekannte. "Einfach schön, so viele bekannte Gesichter wiederzusehen", freute sie sich. Auch zahlreiche Mitglieder des damaligen Jugendclubs hatten sich bei diesem Wiedersehen viel zu erzählen. "Es kann sich heute wohl kaum einer vorstellen, dass wir das damals alles praktisch für nass organisiert haben", lachte Dieter Dölling. "Uns blieben nach dem Wochenende nur die Einnahmen der Garderobe. Das hat gerade mal für eine Runde Getränke gereicht."

Und dabei waren damals die Preise mit 90 Pfennig für ein großes Bier oder 1,76 Mark für einen Cola-Wodka im 140 Sitzplätze bietenden Club mehr als moderat. "Natürlich waren da meist viel mehr Leute drin", verrät Dölling. "Erst wenn der Erich und der Bernd von der Bar sich beschwert haben, dass sie keine Gläser mehr hatten, mussten wir am Einlass dann doch den einen oder anderen mal etwas warten lassen." Oft seien die Gäste zwischen Schollheim und Gewerkschaftshaus, wo meist zeitgleich eine Band spielte, hin und her gewechselt.

"Wenn man bedenkt, was früher in Oelsnitz los war", erinnerte sich die einstige Clubchefin Heike Teichmann. "Da konnte man von Mittwoch bis Samstag jeden Tag weggehen: Schollheim, Gewerkschaftshaus, Kreiskulturhaus und die Freundschaft in Untermarxgrün hatten ständig Veranstaltungen. Dagegen ist die Stadt heute mausetot."

Das traf zumindest am Samstagabend nicht zu. Die Katharinenkirche wurde gerockt, bis halb zwölf tatsächlich die Sicherungen rausflogen. Danach ging die Party trotzdem bis gegen zwei Uhr weiter...

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