Schüler aus der Nähe von Berlin und sein Glück unter Tage

Das ungewöhnlichste Schulpraktikum des Vogtlands hat Philip Klein in der Grube Tannenberg absolviert. Wie es dazu kam.

Schneckenstein.

Die Mitschüler werden staunen und sich wundern, wenn sie von Philip Klein Begriffe wie "Arschleder" und Wasserseiche" zu hören bekommen, weil sie die vorher bestimmt noch nicht kannten. Der 14-Jährige kommt um sie aber einfach nicht herum, denn sie gehören zu seinem Bericht und einen Vortrag, die er in der Schule abliefern muss. In den letzten zwei Wochen hat Philip ein Praktikum im Besucherbergwerk "Grube Tannenberg" in Schneckenstein absolviert. Ungewöhnlich daran: Er kommt aus Zepernick, gelegen im tiefsten Brandenburg.

Warum entschloss sich so ein Junge für ein Praktikum in der "Grube Tannenberg"? Philip muss nicht lange überlegen: "Ich interessiere mich für Mineralien, sammle sogar ein bisschen." Als er und seine Eltern im Februar Urlaub im Oberland machten und an einem Tag absolut kein Loipenwetter war, besuchten sie die Grube in Schneckenstein. "Mir ist aufgefallen, dass der Junge anders ist als Gleichaltrige: Er stand vor den Vitrinen und schaute sich die ausgelegten Steine an, stellte Fragen - er war einfach sehr interessiert. Und Philip hat einen festen Händedruck. Für mich war das gleich bei der ersten Begegnung ein gutes Zeichen", erinnert sich Steffen Gerisch, der Leiter des Besucherbergwerkes. Nach der zweistündigen Führung durch das Stollenlabyrinth kam er mit Philip und seinen Eltern ins Gespräch, fragte fast beiläufig, ob der 14-Jährige nicht Interesse an einem Praktikum hätte. Kurze Absprache mit den Eltern - Philip hatte Interesse. So einfach war es allerdings nicht, dass Philip schließlich auch konnte, denn die Bildungsstrukturen in Brandenburg und Sachsen sind unterschiedlich. Vater Klein klemmte sich im Sinne seines Sohnes dahinter, bis die Schule in Zepernick grünes Licht gab.

Vom ersten Tag an war Philip in den Tagesablauf und Betrieb im Besucherbergwerk integriert. Er bekam von Steffen Gerisch Vertrauen und auch Verantwortung: Er fuchste sich ein ins Kassensystem, beschäftigte sich mit dem Mineralienzentrum. Und die Krönung: Er wurde für Führungen eingesetzt. Steffen Gerisch: "Philip sollte hier nicht nur klassische Praktikantenarbeit erledigen, sondern das Leben bei uns kennen lernen. Als Einrichtung haben wir doch auch einen Bildungsauftrag. Zwei, drei Mal hat er Führungen mit seinem Opa und mit seinem Vater getestet. Es klappte wunderbar. Philip hat sich richtig reingekniet und belesen, immer wieder gefragt, uns bei Führungen beobachtet und auf den Mund geschaut. Ich habe bestimmt schon viel erlebt in den letzten Jahren, aber so ein Interesse bei einem Praktikanten nur selten."

Dem 14-Jährigen lief es runter wie Öl, wenn er nach den Führungen von den Besuchern ein Daumen-Hoch bekam. Er selbst merkte, wie er von Mal zu Mal selbstbewusster wurde: "Das war für mich wie eine Prüfung und noch besser, weil ich in der Zeit selbst viel gelernt habe, weil mir das Spaß gemacht hat."

Das Praktikum ist vorbei und Steffen Gerisch lässt Philip nur schweren Herzens nach Hause fahren. Wenn es passt, möchte der Neu-Bergführer im nächsten Sommer zur Ferienarbeit wieder ins Vogtland kommen.

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