Schuhplattler und starker Bass: Kanadier zurück im Vogtland

Vor 20 Jahren war André Huellstrung aus Edmonton Fremdsprachenassistent am Julius-Mosen-Gymnasium Oelsnitz. Der Kontakt riss nie ab - und jetzt gab es ein Wiedersehen.

Oelsnitz.

Es war kurz nach der Zeit von "So a Stückerl heile Welt" und "Über jedes Bacherl geht a Brückerl", als André Huellstrung aus Kanada bei Familie Hertel in Oelsnitz am Tisch saß, Kaffee trank und mit Stefanie plauderte. "Damals fand ich Volksmusik gut und mochte ihre Lieder", verrät der 49-Jährige. Ein Grund, deshalb nach dem Lehrerstudium Deutsch/Mathematik von Kanada nach Oelsnitz zu reisen? Nein, nur eine Erinnerung, denn mittlerweile hat er einen anderen Geschmack. Damals war 1994 und André Huellstrung arbeitete als Fremdsprachenassistent ein Jahr am Julius-Mosen-Gymnasium, gab Unterricht an der Volkshochschule, fuhr mit einem geliehenen Lada durch die Gegend. "Ich bin nach Deutschland wegen der Sprache gekommen und weil ich die Kultur kennen lernen wollte. Meine Eltern sind in den fünfziger Jahren von Düsseldorf nach Kanada ausgewandert."

Jetzt war André Huellstrung wieder in Oelsnitz. Allerdings auch nicht wegen der Hertels, sondern: "Eine meiner drei Töchter nimmt gerade in Berlin an einem Fremdsprachenwettbewerb teil, der vom Goethe-Institut ausgeschrieben wurde. Und wenn ich schon mal in Deutschland bin, dann muss ich doch auch nach Oelsnitz. Das ist doch klar" Mit seinem Freund Ralf Fengler, vor 20 Jahren am Gymnasium sein Lehrerkollege und durch regelmäßige Kontakte nach wie vor verbunden, besuchte er unter anderem die Schule und war überrascht, wie vieles sich hier verändert hat: "Besonders beeindruckt bin ich davon, dass die alte Turnhalle jetzt ein Sprach- und Kommunikationszentrum ist. Ich finde, das ist eine ganz tolle Sache." Am Freitagabend traf André Huellstrung in Marieney die Mitglieder des Julius-Mosen-Chores. Vor 20 Jahren hatte Ralf Fengler, damals wie heute der Leiter des seit mehr als 150 Jahre bestehenden Chores, ihn überredet und ermutigt, sich dem Chor anzuschließen: "André hatte einen sehr guten Bass. Dass er bei uns mitgemacht und natürlich bei Konzerten auch in Chorkleidung aufgetreten ist, war ein Bombenerfolg." Nicht nur als Sänger, "der Monty" verblüffte die Vogtländer auch als Schuhplattler: "Das habe ich bei uns zu Hause in Edmonton gelernt, wo viele Deutsche leben, die Traditionen wie Karnevalsclub, Skatverein, Schützenverein oder auch Tanzgruppe pflegen."

Christoph Ulrich

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Auch wenn André Huellstrung an der Highschool in Edmonton Hochdeutsch, Mathe und Naturwissenschaften unterrichtet - typisch vogtländische Begriffe wie "dahaam", "itze", "Schwamme" und "a weng" hatte er immer noch in petto. Zumindest, wenn er in Oelsnitz ist.

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