Seit 30 Jahren: Musik verbindet Partnerstädte immer wieder neu

Bürgermeister Antonius Wiesemann wird zum Jubiläum am heutigen Dienstag als Gast die Festrede im Klingenthaler Stadtrat halten. Zum Gelingen der Partnerschaft haben viele Bürger beider Städte beigetragen.

Klingenthal/Neuenrade.

Wie doch die Zeit vergeht. Mit selbst gebackenen Müsli-Riegeln hat sich Klingenthaler Thomas Ungethüm im Oktober 2015 auf seiner Radtour von Klingenthal nach Neuenrade gestärkt. Das muss eine wahre Powerkost gewesen sein, denn der damalige Stadtrat schaffte die mehr als 500 Kilometer in etwas mehr als 18 Stunden reiner Fahrzeit. "Eine tolle Fahrt", war sein Kommentar im Ziel. Begleitet hatte Ungethüm ein Team der TuS Neuenrade, dessen Mitglieder sich unterwegs auf dem Rad abwechselten, sowie CDU-Stadtrat Michael Schmidt sowie Leo Sandner im Auto.

Die Radtour war nicht nur einer der Höhepunkte zum damals 25-jährigen Jubiläum der Städtepartnerschaft, sie kann durchaus als geschichtsträchtig bezeichnet werden. Insgesamt rund 6000 Euro brachte die Tour an Spenden ein. Das Geld ging zur Hälfte an das Café B in Klingenthal und an ein Flüchtlingsprojekt in Neuenrade. Die Aktion "Hilf mit!", in der sich ehrenamtlich rund 40 Neuenrader engagieren, wurde damals zur Festveranstaltung am 3. Oktober mit dem alljährlich vergebenen Bürgerpreis geehrt. Klingenthals 1. stellvertretender Bürgermeister Gerhard Nöbel (CDU) und seine erst kürzlich verstorbene Frau Ursel trugen sich bei dieser Veranstaltung ins Goldene Buch ein - beide waren 2015 bereits zum 32. Mal in Neuenrade zu Gast gewesen.

Im Sommer 1990, noch in den letzten Wochen der DDR, besiegelten Neuenrade und Klingenthal eine Städtepartnerschaft, um die sich schon seit 1988 der damalige Neuenrader Bürgermeister Hans Schmerbeck bemüht hatte. Der Grund: Es waren Klingenthaler Harmonikabauer, die vor mehr als einem Jahrhundert als Fachkräfte vom Vogtland zur Arbeit ins Sauerland abwanderten - ohne dass dabei die Beziehungen zu den daheim gebliebenen Familien abbrachen.

Vielfältig waren und sind daher vor allem die Kontakte im Kultur- bereich. Schon seit 1991 stiftet Neuenrade jährlich einen Preis für den Internationalen Akkordeonwettbewerb. Das Klingenthaler Stadt- orchester gab 1994 sein erstes Konzert in Neuenrade und wurde 2019 wieder gefeiert. 2009 besuchten erstmals die Mitglieder vom Musikverein Affeln Klingenthal und gaben ein Konzert. Die Affelner waren dann auch 2016 mit dabei, als das Stadtorchester das 150-jährige Gründungsjubiläum feierte.

Für das Klingenthaler Festival "Mundharmonika live" hatte 2003 der inzwischen verstorbene Igor Flach musikalisch in Neuenrade geworben. 2010 luden die Akkordeonorchester Klingenthal und Neuenrade gemeinsam zu einem gemeinsamen Konzert ein. 2016 umrahmten die Musiker des Märkischen Handorgel-Ensembles in Klingenthal die 44. Auflage des Nachwuchswettbewerbs Kleinen Tage der Harmonika.

Im Juli 1996 erlebte ein Musikfest am Aschberg seine Premiere - mit jungen Musikern aus Klingenthal, Neuenrade und Graslitz/Kraslice, aus Moskau und Dinxperlo, damals die niederländische Partnerkommune von Neuenrade. Später kamen sogar Musiker aus Finnland dazu. Dieses Musikfest gab es bis 2001.

Dass die Städtepartnerschaft über drei Jahrzehnte hinweg Bestand hat, daran haben viele Bürger aus Klingenthal und Neuenrade Anteil. Der Filmemacher Claus Dunsch hat unzählige Höhepunkte in bewegten Bilder festgehalten - und auch in Neuenrade gezeigt. "Neuenrade - Gesichter einer kleinen Stadt", war der Titel des filmischen Porträts, das Dunsch drehte. Die Idee dazu hatte der damalige Bürgermeister Klaus Peter Sasse. Der Film hatte 2009 Premiere. Über Jahre hinweg verwandelte Dunsch beim Gertrüdchenmarkt das "Kittchen", wie das frühere Stadtgefängnis genannt wird, in ein gefragtes kleines Kino.

Aufmerksam geworden auf die Partnerstadt war Dunsch unter anderem durch die Familie Aufermann, über die er in Klingenthal für das Regionalfernsehen berichtete. 56 Mal hatten Gisela Aufermann und ihr inzwischen verstorbener Mann Manfred das Vogtland besucht und sich dabei in vielfältiger Weise engagiert, ehe sie 2004 von Neuenrade nach Zwota umzogen.

Geprägt haben die Partnerschaft auch Reiner Schneidenbach und Klaus Peter Sasse. Schneidenbach war von 1999 bis 2010 Bürgermeister in Klingenthal, Sasse von 1999 bis 2014 in Neuenrade. Wenn Sasse nach Klingenthal kam, sah er sich auch als ein Botschafter für die deutsche Einheit: "Die funktionierende Partnerschaft mit Klingenthal ist auch Werbung für die Akzeptanz der Wiedervereinigung".

2005, als Neuenrade 650 Jahre Stadtrecht feierte, war das Zwotaer Ziegengespann Carl und Claus mit Geschirrführer Georg Carsten Eibisch die Attraktion beim Festumzug mit über 1000 Mitwirkenden. Musikwinkelkönigin Sandra I. begleitete den Umzug auf einem der Festwagen.

Und der Klingenthaler Gastwirt und Stadtrat Carsten Förster (Pro Klingenthal) hatte seit 2002 insgesamt 13 Mal dafür gesorgt, dass Klingenthal und Zwota durch den damaligen Handel-, Gewerbe- und Tourismusverein beim Gertrüdchenmarkt mit kulinarischen Spezialitäten aus dem Vogtland vertreten waren.

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