Serienmördern auf der Spur - auch im Vogtland

Hans Thiers, ehemaliger Kriminalist der Mord- kommission des Bezirkes Gera und Sachbuchautor, brachte mit seinen Kollegen 150 Mörder hinter Schloss und Riegel.

Plauen.

Am 8. Dezember 1983 kam eine junge Frau aus Zeulenroda mit Beschwerden in die Klinik. Im Laufe der Untersuchung stellten die Ärzte fest, dass die Patientin kurz zuvor eine Geburt hatte. Allerdings gab es kein Baby.

Hans Thiers von der Morduntersuchungskommission des damaligen Bezirkes Gera und seine Kollegen bekamen daher mit der Angelegenheit zu tun. Sie verhörten die junge Frau. In dessen Verlauf gab sie zu, zwei Tage zuvor auf der Toilette ihrer Wohnung ein Kind geboren, es dann mit Handtüchern erstickt und in einen Dauerbrandofen gesteckt zu haben.

Diese Geschichte berichtete der Sachbuchautor bei einer Veranstaltung der Plauener Thalia-Buchhandlung. Die Zeulenrodaerin gehört zu den Serienmördern der DDR, über die der 72-Jährige im Verlag von Michael Kirchschlager ein Buch veröffentlicht hat. Die Frau gehört deshalb zu den Serienmördern, weil sie nicht nur eines, sondern von 1975 bis 1983 sechs Neugeburten auf diese Art und Weise umgebracht hat. Gezeugt hat sie diese Kinder mit ihrem eigenen Vater. Der habe sie zunächst zum Sex gezwungen, blickte der Kriminalist auf die Ermittlungsergebnisse zurück. Später fand sie jedoch Gefallen daran.

"Ich habe 17 Jahre lang in der Morduntersuchungskommission gearbeitet und war zehn Jahre lang deren Chef", gewährte der Autor einen Blick in seine Laufbahn. "80 Prozent der Morde sind Beziehungstaten", erklärte er dem Publikum. 150 Mörder brachte der studierte Diplom-Kriminalist im Laufe seiner Tätigkeit hinter Schloss und Riegel. Die Aufklärungsquote sei zu DDR-Zeiten mit 98 Prozent sehr hoch gewesen. Die Einrichtung jener Morduntersuchungskommissionen in den DDR-Bezirken sieht der ehemalige Major als einen Grund für diese hohe Quote an. Denn darin arbeiteten Spezialisten, die sich ausschließlich mit Tötungsverbrechen auseinandersetzten.

Als Autor befasste sich der ehemalige Ermittler nach der Wende unter anderem auch mit Volker Eckert, der allein zwischen 2001 und 2006 mindestens sieben Prostituierte in mehreren europäischen Ländern ermordet hat. Der gebürtige Oelsnitzer war aber auch vorher schon aktiv. "Mit dem sogenannten Würger von Plauen hatte er nichts zu tun", erklärte Thiers.

Eckert würgte seine Opfer aber auch. In seinem Tagebuch fand die Polizei die Schilderung einer Tat aus dem Jahr 1974 in Plauen. "Er hat seine Schulfreundin erwürgt", berichtete der Kriminalist. Zu diesem Zeitpunkt war er 15 Jahre alt, das Opfer 14. Um das Verbrechen als Suizid zu tarnen, hing Eckert nach der Tat die Leiche auf. Dass die Kriminalpolizei nicht dahinter kam, habe ihn motiviert, weiter zu machen, begab sich Hans Thiers in die Psyche des Serienmörders. Er würgte zwei Frauen fast bis zur Bewusstlosigkeit. 1987 bekam er zwölf Jahre, konnte das Gefängnis aber nach der Wende 1994 schon wieder verlassen. 2007 saß er wegen der folgenden Morde an Prostituierten erneut hinter Gittern, wo er sich erhängte.

Hans Thiers verfasste bislang drei Bücher: "Mordfälle im Bezirk Gera I und II" und "Serienmörder der DDR". "Bei den aufgeführten Morden in den ersten beiden Büchern habe ich bei der Aufklärung der Tötungsverbrechen als Unter- suchungsführer gearbeitet, ab 1980 als Leiter die Verantwortung für die Aufklärung und Untersuchung dieser Verbrechen gehabt", informiert er. Auch für zahlreichen Fernsehsendungen agierte der ehemalige Polizist als Experte.

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