Siedler halten seit 80 Jahren zusammen

Die Randsiedlung Bärenloh in Bad Elster begeht in diesen Tagen ein Jubiläum. Die Einwohner feiern - und erinnern an bewegte Zeiten.

Bad Elster.

80 Jahre Randsiedlung Bärenloh: Dieses Ereignis wurde am Wochenende in Bad Elster gefeiert. Unter den Gästen der Jubiläumsfeier im Waldcafé waren auch ehemalige Anwohner. Gemeinsam wurde so manches Ereignis aufgefrischt, Erinnerungen ausgetauscht und es gingen viele Fotos und Erinnerungsstücke von Hand zu Hand. Außerdem fanden Wettspiele und ein heimatliches Quiz große Beteiligung.

Gerne tüftelte auch Herta Dietz mit. Das Leben in der idyllisch gelegenen Siedlung hat sie sichtlich jung gehalten. Mit 96 Jahren ist sie die älteste Einwohnerin und durfte deshalb aus den Händen von Karin Watzula und Stephanie Krippner eine Ehrenurkunde entgegen nehmen. Sie waren es auch, die gemeinsam mit Ilona Ballauf, Renate Eilfeld, Silvia Undeutsch und Günther Quaas die Jubiläumsfeier vorbereitet und eine Festzeitung gestaltet haben, in der vieles über die Geschichte der Siedlung niedergeschrieben wurde. "Dafür haben viele unkompliziert Dokumente und Fotos aus dem Nachlass ihrer Familien zur Verfügung gestellt und wir sind darüber sehr dankbar", berichtet Karin Watzula. So konnte fast eine kleine Chronik erstellt werden. Ein Exemplar, versehen mit einem besonderen speziellen Siegel, nahm Bürgermeister Olaf Schlott (Unabhängige Bürgerschaft) für das Stadtarchiv in Empfang. Auch mit Herzlichkeit und Humor gestaltete Schaukästen und Vorgärten machen auf das Jubiläum aufmerksam.

Entstanden sind die ersten Siedlungshäuser in den Jahren von 1933 bis 1936. Erbaut wurden sie unter Leitung des örtlichen Architekten Johannes Höra und mit Eigenleistungen der künftigen Bewohner. Nach Fertigstellung der Wohnhäuser bekam jede Familie einen Vertrag, in dem die Rechte und Pflichten der Siedler geregelt wurden. Monatlich musste ein Mietzins von 13 Reichsmark gezahlt werden. Ermöglicht wurde auch eine Anwartschaft auf Übertragung zum Eigentum der Siedler. Ein solcher Antrag auf Übereignung konnte bei Einhaltung aller Vertragsbedingungen frühestens nach vier Jahren gestellt werden. Das regelte ein sogenannter Heimstättenvertrag. Die Siedler mussten dazu den Nachweis erbringen, dass eine Selbstversorgung gewährleistet ist. So war die Haltung von Nutztieren wie Hasen, Hühner, Ziegen und Schafen für die Ernährung der Familien notwendig. Aus mündlichen Überlieferungen ist bekannt, dass auf der Wiese hinter dem Anwesen der Familie Undeutsch als kulturelle Höhepunkte kleine Zirkusveranstaltungen stattfanden, indem sich die Kinder verkleideten und mit den Haustieren auch Kunststücke veranstalteten. Leider gingen die Jahre des Zweiten Weltkrieges auch an der Siedlergemeinschaft nicht spurlos vorbei. So hatten fünf Familien Väter und Söhne zu beklagen. Einen Stromanschluss erhielt die Siedlung in den Jahren 1959 bis 1961. Während sich früher in jedem Haus eine Waschküche mit Waschkessel und eine Küche mit Ofenheizung als einzige Feuerstelle im Haus befand, diente als Sanitäreinrichtung lediglich ein tragbarer Kübel. Dem Vernehmen nach hat so mancher Elsteraner das nicht nur belächelt, sondern auch mit derben Ausdruck unter anderen als "Sch...kübelsiedlung" bezeichnet. Dennoch haben sich alle Bewohner inmitten der Natur immer sehr wohl gefühlt.

In gemeinsamer Arbeit entstanden in den vergangenen Jahren unter anderen ein Feuerlöschteich, ein Wasserhäuschen, eine Antennenanlage und wurde der Weg nach Bad Elster befestigt. Im Lauf der vergangenen Jahrzehnte sind die meisten Häuser und Grundstücke in Familienbesitz geblieben, wurden liebevoll ausgebaut, erweitert und dem technischen Stand der Zeit angepasst. Eine kleines Manko blieb dennoch: Weil die Siedlung als Randgebiet zählt, dauerte es 80 Jahre, bis den Anwohnern ein Kanalanschluss an das zentrale Abwassersystem in Aussicht gestellt wurde. Er soll im nächsten Jahr realisiert werden. Über eines sind die Bewohner allerdings stolz: Egal zu welcher Zeit herrschet unter ihnen stets großer Zusammenhalt.

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