Sind die Ortsteile fünftes Rad am Wagen?

OB-Wahl Oelsnitz: Bürger in eingemeindeten Dörfern fühlen sich abgehängt oder als Bittsteller - so hieß es beim Bürger- forum der "Freien Presse". Was sagen die vier OB-Bewerber zum Thema?

Taltitz.

Fast eine Stunde lief das Forum der "Freien Presse" zur OB-Wahl in Oelsnitz am 17. März, als Thomas Stüber als Erster im Saal die Frage loswerden konnte, die ihm unter den Nägeln brannte. "Wie können die Anliegen der Bürger in den Ortsteilen besser berücksichtigt werden. Wir sind das fünfte Rad am Wagen", beklagte der Taltitzer.

In die gleiche Kerbe schlug später Willy Schmidt, Ortschaftsrat in Taltitz. Er wollte, dass Anliegen des Ortschaftsrats schneller umgesetzt werden, sprach sich für kürzere Dienstwege und eine Beteiligung der gewählten Ortsvertreter aus. "Es ist nie was passiert oder wenig", beschrieb er eine spärliche Kommunikation und dass Bürger in den Dörfern sich oft als Bittsteller in der Stadt fühlten.

Die vier Bewerber für den Chefsessel im Oelsnitzer Rathaus reagierten unterschiedlich auf die Kritik. OB Mario Horn (CDU) verwies auf jährlich 10.000 Euro Budget pro Ortsteil und geplante Vorhaben in Platzgestaltung in Taltitz, Bürgerhaus Oberhermsgrün und Teich in Hartmannsgrün. "Wir müssen die Ortsteile auf jeden Fall mitnehmen", betonte René Buze, Kandidat der Liberalen unabhängigen Bürger. Er sprach sich aber auch dafür aus, dass mancher aus den Dörfern selber aktiver den Weg ins Rathaus suchen müsse. "Von manchen Ortsteilen sind Ortsvorsteher Jahre nicht bei den Stadtratssitzungen gewesen - eine größere Beteiligung der Bürger bei den Sitzungen würde ich mir ohnehin wünschen. Wenn wir von Bürgern keine Mitteilung kriegen, können wir es auch nicht wissen", ermunterte er Bürger zum Mittun.

"Viel Frust" hat Frieder Wunderlich gespürt, der bei einigen Wahlkampfveranstaltungen in Ortsteilen dabei war. "Die Leute hingen durch, da ist maßlose Enttäuschung", sagte er - sie fühlten sich abgehängt. Dass Einwohner der Dörfer genauso dazugehören, "muss in den Köpfen ankommen", sieht er Nachholbedarf in der Verwaltung. Eine "gestörte Kommunikation" zwischen Rathaus und Dörfern machte der parteilose Einzelkandidat Andreas Bukschat aus. "Sie sind wirklich das fünfte Rad am Wagen." Er schlug Bürgersprechstunden des OB in den Ortsteilen vor, um exakte Punkte direkt mitzunehmen. Robert Reißner, Kandidat der Linken, empfahl, sich vorher zusammenzusetzen und Projekte zu besprechen. Liege das Kind erst mal im Brunnen, sei es zu spät. So ging es den Taltitzern jüngst mit der Ausnahme für die Erweiterung der Firma Allgaier. Die kann unter anderem die Begrünung der Fassade weglassen - die ist im Bebauungsplan eigentlich vorgesehen. "Von der Übermacht im Stadtrat durchgewunken", konstatierte Schmidt - mit dem Anblick der Firmenbauten müssten indes die Taltitzer leben.


Kommentar: Hier gehtviel mehr

Der war noch nie bei uns, sagten Stadträte im "Freie Presse"-Forum auf die Wortmeldung von Willy Schmidt. Selber Schuld, dass sich nichts dreht? Weit gefehlt! In Stadtrat und Verwaltung in Oelsnitz hält sich die Meinung, wer ein Problem hat, der soll nur kommen. Das reicht nicht. Es ist nicht schwer, Angebote zu machen. Hier geht viel mehr. Warum tagt der Stadtrat nicht mal im Dorf? Auch könnte Ortsvorstehern Raum eingeräumt werden, im Rat über ihre Arbeit und Sorgen im Ort zu berichten.

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