So viel Schnee in einer Nacht wie seit zehn Jahren nicht mehr

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Tief Tristan schneite das Vogtland in der Nacht zum Montag kräftig ein. Das hatte Folgen für das öffentliche Leben.

THW hilft auf der Autobahn: Im Zuständigkeitsbereich der Polizeidirektion Zwickau kam es zu etlichen Unfällen und Verkehrsbehinderungen. Aufgrund liegen gebliebener Lkw und Pkw staute es sich zeitweise kilometerlang auf der Autobahn 72. "Erst durch das eingesetzte Technische Hilfswerk und den Winterräumdienst konnte die Fahrbahn wieder freigeräumt werden", sagte Polizeisprecherin Karolin Hemp. 25 Verkehrsunfälle nahm die Polizei bis 11 Uhr entgegen. Verletzte habe es nicht gegeben. Laut einem Sprecher der Rettungsleitstelle seien kaum mehr Unfälle registriert worden als sonst auch. Die Rettungsleitstelle selbst habe vorgebeugt und das Personal aufgestockt.

Unterricht nur eingeschränkt: An vielen Schulen im Vogtland fand der Präsenzunterricht für die Abschlussklassen nicht statt. Zum Teil fiel der Unterricht aus, andere Einrichtungen setzten aufs Online-Lernen. Für einige angehenden Abiturienten fiel das für Montag angesetzte Vor-Abitur aus - diese Prüfung gilt als Generalprobe für die eigentlichen Abiprüfungen im Frühjahr. Am Oelsnitzer Julius-Mosen-Gymnasium etwa wurde das Probe-Abitur auf Donnerstag verschoben. In den Berufsschulen blieben viele Schüler dem Unterricht fern: "In manchen Klassen an unseren Standorten Klingenthal, Reichenbach und Rodewisch waren weniger als die Hälfte der Schüler da", so Tasso Börner, Direktor des BSZ Vogtland. Man habe entschieden, am heutigen Dienstag später zu beginnen.

Abfallentsorgung ausgesetzt: Aufgrund der Schneemengen blieben die Sammeltouren der Entsorgungsfahrzeuge am Montag aus. "Dies betrifft die Restabfallbehälter, Papiertonnen und Biotonnen. Auch die Abholung der Gelben Säcke kann nicht wie geplant stattfinden", so Kreissprecher Uwe Heinl. Sobald sich die Wetterlage bessere, werde alles nachgeholt - voraussichtlich analog der Feiertagsregelungen.

Bahnstrecke gesperrt: Die Strecke zwischen Gera und Weischlitz (RB4) war am Montag gesperrt. "Zudem gibt es aufgrund von Straßensperrungen Probleme für das Personal von Winterdienst und Betrieb, zu den Einsatzstellen zu kommen", so ein Sprecher. Aufgrund der Straßenbedingungen sei es bei Zugausfällen nicht möglich, einen Ersatzverkehr mit Bussen einzurichten.

Oelsnitz: Auf Chaos folgt Pragmatismus: Chaotische Verhältnisse teilten "Freie Presse"-Leser am Montagmorgen von der B 92-Umfahrung in Oelsnitz mit. Am Anstieg Görnitzer Weg kamen Fahrzeuge nicht weiter, sie stauten sich, sodass auch für den nachfolgenden Winterdienst und Linienbusse, die als Privilegierte die beschränkte Durchfahrt auf der Bundesstraße haben, kein Durchkommen war. Zwei Fahrzeuge rutschten nach "Freie Presse"-Informationen in den Seitengraben und wurden wieder herausgehoben. Gegen 6 Uhr wurde die vorhandene Schranke zur B 92 in Richtung Tanzermühle geöffnet, um den Verkehr abfließen zu lassen, teilte Hannes Schulz, Hauptamtsleiter im Rathaus. Dies wurde auch mit dem Landesamt für Straßenbau und Verkehr so 7.30 Uhr abgesprochen. Ein Nutzer schloss die Schranke indes wieder. Komme erneut so eine Situation, muss gemeinsam mit der Straßenbaubehörde organisiert werden, dass die Schranke außer Betrieb bleibt, so Schulz. Nachdem am Montag sieben Fahrzeuge mit Personal im Schichtbetrieb räumten, werden Nacharbeiten den Winterdienst bis mindestens Freitag beschäftigen, sagt der Amtsleiter. Bis Montagnachmittag gab es laut Schulz 24 Hinweise und Beschwerden von Bürger zum Winterdienst. Im ständigen Kontakt der Verwaltung mit Bauhof und beauftragten Dienstleister konnten teils Abhilfe geschaffen werden, teils in der Kürze der Zeit noch nicht. Das Parken in der Innenstadt ist durch die Schneefälle stark eingeschränkt. Die Stadt hat vorübergehend die Parkplätze am Elstergarten und am Jahnteich freigeschoben, die als Ausweich genutzt werden können. Schulze appellierte an Anlieger, ihren Winterdienstpflichten unverzüglich nachzukommen. Im Laufe der Woche werde dies kontrolliert, betonte er.

So viel Schnee fiel: Der Taltitzer Meteorologe Werner Friedel notierte am Montag eine Niederschlagsmenge von 18 Litern pro Quadratmeter. Die Neuschneemenge in der Nacht zu Montag betrug an seiner Messstation im mittleren Vogtland 23 Zentimeter. Einen vergleichbar große Menge gab es zuletzt vor mehr als zehn Jahren, mit 24 Zentimeter vom Heiligabend zum ersten Weihnachtsfeiertag 2010, so Friedel. Die Advents- und Weihnachtszeit 2010 war im mittleren Vogtland die schneereichste seit mehr als 70 Jahren. Extrem viel Neuschnee mit ähnlichen Mengen gab es zudem im Februar 2013.

Eine Niederschlagsmenge von 22,4 Litern errechnete das Ombrometer auf dem Kamerun bei Klingenthal für die Nacht zum Montag - das waren gut 25 Zentimeter Neuschnee. Derartige ergiebige Schneefälle hatte es am Aschberg zuletzt im Januar 2019 gegeben, allerdings nur oberhalb der Höhenlage von etwa 500 Metern. Die Wetterstation Morgenröthe-Rautenkranz meldete damals am 10. Januar 2019 eine Schneehöhe von über einen Meter. Das Landratsamt sperrte seinerzeit die Wälder wegen Schneebruchgefahr. Die Klingenthaler Feuerwehr musste innerhalb von vier Tagen wegen Schneebruch zu 30 Einsätze ausrücken. (hagr/tm/nd)

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