Spannende Entdeckungen auf den Spuren der Musikindustrie

Witzig und lehrreich: Am Dienstag fiel in Markneukirchen der Startschuss für eine neue touristische Attraktion: Bei einer Industriekultur-Rallye lässt sich die 350-jährige Geschichte und Bedeutung der Stadt als Zentrum des Musikinstrumentenbaus erkunden.

Markneukirchen.

Die "Gymikids" tänzeln ungeduldig wie Pferde vor dem Rennbeginn. Fabian Wild, Collin Stummeier, Felix Renner und Pascal Sandner wollen es unbedingt wissen: in einer Stunde möglichst viele Kilometer "schruppen" und dabei an möglichst vielen Stationen die richtige Antwort auf eine Frage finden - das bringt viele Punkte.

Während sich Fabian bestens auskennt mit einem GPS-Gerät, haben sich die drei anderen das Roadbook nebst Stadtkarte vorgeknöpft, um eine optimale und effektive Route auszutüfteln. Dann geht's los, denn schließlich drängt die Zeit. Als Team "Gymikids" machen sich die Vier auf Schusters Rappen durch ihre Heimatstadt, sammeln Kilometer und kommen mitunter ins Grübeln, weil ihnen an ihren ausgewählten Stationen Details abverlangt werden, die sie so bisher nicht wussten, weil sie noch nie darauf geachtet hatten. Zum Beispiel: "Wie viele &-Zeichen seht Ihr auf dem Wandbild?" Oder auch: "Was könnt Ihr hier laut Schild an der Wand kaufen?"

Pünktlich nach einer Stunde kommt das Quartett wieder ins Ziel: 4,9 Kilometer plus die richtigen Antworten ergeben 1065 Punkte. Damit haben Fabian, Collin, Felix und Pascal die Nase vorn vor den vier anderen Teams, die sich die Premiere der Stadtrallye Markneukirchen auch nicht entgehen lassen wollten. Schon vor dem Start jedoch hatten sie versichert, dass es ihnen nicht unbedingt darauf ankommt, die Besten zu sein: "Es geht um die Ehre und wir wollen etwas lernen. Diese Rallye ist eine tolle Sache."

Zwei Sätze, die exakt auf den Punkt bringen, was das Anliegen der Industriekultur-Rallye ist und von Erlebnispädagogin Sandy Hebel zusätzlich so begründet wird: "Markneukirchen ist seit mehr als 350 Jahren wirtschaftlich, kulturell, sozial und mental durch den Musikinstrumentenbau geprägt. Das hat nicht nur seine Spuren im Stadtbild, sondern auch in den Herzen der Menschen hinterlassen. Mit der Industriekultur-Rallye können sich Interessierte auf Spurensuche ins Gestern und Heute begeben." Und die Erlebnispädagogin aus Löbau tat es selbst, quasi als Selbstversuch und zur Vorbereitung des Projektes. Zwei Wochen war sie in Markneukirchen unterwegs, beriet sich mit Mitarbeitern des Musikinstrumentenmuseums, erhielt jegliche Hilfe und Unterstützung im Rathaus und von Enrico Weller und Manfred Meixner, um 54 markante Punkte und Gebäude in ein Roadbook aufzunehmen. "Es hätten noch viel mehr sein können. Es ist unglaublich, wie interessant Markneukirchen ist und was die Stadt zu bieten hat", sagt sie.

Für jede Station hat sich Sandy Hebel nach ihren umfangreichen Recherchen eine knifflige, witzige oder beim ersten Lesen abstrus scheinende Frage ausgedacht, die jedoch in jedem Falle unmittelbar mit der Station zu tun hat, sich aber nicht von "Onkel Google" beantworten lässt: "Welches Wort über dem Eingang ist mittels lilafarbener Röhren abgebildet?", "Was hält die Dame im Eingangsbereich in ihrer linken Hand?" oder "Wie viele Quadrate könnt Ihr auf dem silbernen Schild neben dem Eingang zählen?" Ergo: Man muss davorstehen, um zu wissen und im Roadbook notieren zu können, was Sache ist.

Industriekultur-Rallye ist ein Modellprojekt des Kulturraums Vogtland-Zwickau zum "Jahr der Industriekultur 2020". Die Projektverantwortliche Judith Eittinger: "Industriekultur ist in vielen Orten leider ein Nischenthema. Das wollen wir aufbrechen, die Beschäftigung damit beleben und anregen, sich für die Geschichte zu interessieren, Bestehendes sichtbar machen und Wissen vertiefen. Gleichzeitig ist es natürlich auch eine Werbung für den Ort." Nach der früheren Textilstadt Crimmitschau ist Markneukirchen der zweite Ort, der wegen seines Alleinstellungsmerkmals Musikinstrumentenbau für das Modellprojekt ausgewählt wurde. Wie Judith Eittinger sagte, sei auch Plauen ins Auge gefasst.

Die Stadtrallye durch Markneukirchen wird an jedem letzten Sonntag im Monat um 10.30 Uhr angeboten. Nächster Termin ist der 27. Oktober. Start und Ziel ist die Touristinformation im Gerber-Hans-Haus in Markneukirchen. Pro Team empfiehlt sich eine Zahl bis sechs Personen. GPS-Geräte werden zur Verfügung gestellt. Teilnehmen können Jugendliche und Erwachsene ab dem 14. Lebensjahr (Minderjährige nur in Begleitung der Eltern oder eines Erziehungsberechtigten). Einschließlich Einführung, Auswertung und Siegerehrung dauert die Stadtrallye circa drei Stunden. Die Teilnahme ist kostenlos. Um eine Voranmeldung in der Touristinformation, Ruf 037422 40775, wird gebeten.

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