Spitzenmusiker als Eisbrecher

Fremdes Land, eine kleine Stadt, lauter unbekannte Menschen: Der Horror für den Künstler-Nachwuchs? Nicht in Markneukirchen!

Markneukirchen.

Mit Speck fängt man Mäuse, mit Blech fängt man Streicher: Die Blechbläser des einheimischen Stadtorchesters hatten am Donnerstag zur Eröffnung des 52. Internationalen Instrumentalwettbewerbs Markneukirchen rasch ein paar Groupies mehr. Hatten sie doch voller Inbrunst "Horch, was kommt von draußen rein" angestimmt, Jubel kassiert - und sich einmal mehr als Eisbrecher bewährt. Und das im Zusammenspiel mit Wettbewerbschefin Carola Schlegel, Wettbewerbspräsident Julius Berger, Bürgermeister Andreas Rubner und vielen Fleißigen in zweiter Reihe, ohne die die hochkarätige Konkurrenz ins Chaos laufen würde.

Horch, was kommt von draußen rein - im Jahr Markneukirchner Wettbewerbsjahr 2017 heißt das: 97 Teilnehmer zwischen 15 und 31 Jahren aus 32 Ländern. Von den ursprünglich zugelassenen 179 jungen Bratschern und Bassspielern ist etwas mehr als die Hälfte - 58 im Fach Viola, 39 im Fach Kontrabass - tatsächlich ins Vogtland gereist. Für viele ist es Neuland, nicht so für die Jury, zumal die Fachvorsitzenden: Thomas Selditz (Viola) und Frithjof-Martin Grabner (Kontrabass) sind Markneukirchen-Preisträger, dem rumänischen Bassisten Dorin Marc, zum wiederholten Mal Juror, gelang dies sogar zweimal. Viele kennen sich, viele gar bestens - so hatte der Wettbewerbsauftakt im Foyer etwas vom Beginn einer Familienfeier.


Dass in diese Familie auch aufgenommen wird, wer als Eleve in Markneukirchen aufschlägt, daran lassen die Organisatoren keinen Zweifel. Eine illustre Familie mit sehr kurzem Draht zu Spitzeninstrumenten: Die lagen auf der Theke der Musikhallen-Garderobe zum Begutachten aus, gut sichtbar, freilich eher am Rand. Es darf auch die Frage erlaubt sein, ob der Zugang zum Klo der Musikhalle der richtige Platz ist, wenn der einheimische Meister Ekkard Seidl erstmals in seinem Instrumentenbauerleben drei ausgefallene Violen d'Amore präsentiert. Die im Auftrag gerade erst fertig gewordenen Unikate mit edlen Verzierungen würden andernorts wohl eher in pompöser Inszenierung gefeiert.

Andererseits hat der Wettbewerb den Vorteil, allzu Staatsmännisches abgeschüttelt zu haben - große Reden, Gratulationsorgien, das allzu sichtbare Bemühen um Selbsterhöhung. Nicht nötig: Der Wettbewerb ist erstklassig, die Preisgelder nach Erhöhung auf insgesamt 31.000 Euro zumindest konkurrenzfähig, die Jury erlesen. Der Cellist Julius Berger, Präsident des Wettbewerbs für Streichinstrumente, fasste das Besondere in einer kleinen, sehr klugen Rede zusammen: Musik bringt Licht in eine Welt, die mit schlechten Nachrichten gefüllt und in der eine Art düsterer Klang der Grundton ist. Wo Musik ist, ist Hoffnung - und Treffen, Austausch, Nähe: Zu Gleichaltrigen, vor allem aber zu Gleichgesinnten - auch wenn das Aufzählen der Meriten der Juroren bis zum nächsten Morgen gedauert hätte, wie Berger in "my very bad english" meinte. Manchmal reichen wenige Worte, um alles zu sagen, so wie bei einer prominenten Bass- Jurorin: "Barbara Sanderling ist eine Legende. Danke, dass Sie da sind."

Der Wettbewerb läuft in drei Auswahlprüfungen und einer Finalrunde mit Orchester bis 13. Mai. Die Prüfungen finden täglich bis Dienstag ab 9 Uhr in Musikhalle (Viola) und im Alten Schloss Erlbach (Kontrabass) stand. Sie sind öffentlich.

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