Spurensuche mit der Mundharmonika

Ab heute steht Klingenthal wieder im Zeichen des Festivals "Mundharmonika live". Seit 1829 werden die Instrumente in der Stadt gebaut. Und noch immer gibt es offene Fragen.

Klingenthal.

Mit Gründungsjahr 1847 ist die Klingenthaler Manufaktur C. A. Seydel Söhne heute der älteste Mundharmonikahersteller weltweit. Knapp ein Jahrzehnt nach Insolvenz und Neustart spielen die Klingenthal in der Champions- League der Mundharmonika.

Seit 1829 werden die kleinen Instrumente in Klingenthal gebaut. Einst gab es dafür weit über 100 Firmen. Das ist Geschichte. Wer im Stadtbild nach musikalischen Spuren sucht, wird nur noch selten fündig. Beispielsweise am Haus Auerbacher Straße 204. Der Schriftzug "Franz E. Glass, Harmonikafabrik" erinnert an eine 1868 gegründete Firma, deren Ende wahrscheinlich im Zweiten Weltkrieg liegt. Geblieben ist neben dem Schriftzug am Haus die Schutzmarke, die eine Windmühle darstellt.

In den vergangenen Jahren aus dem Klingenthaler Stadtbild verschwunden sind die Firmengebäude von A. A. Schlott (Obere Marktstraße) und Schlossmeinel (Bahnhofstraße). Das Gebäude der ehemaligen Fabrik Max Spranger an der Auerbacher Straße ist eine Ruine. Leer stehen an der Auerbacher Straße die Gebäude der ehemaligen Firma Schunk, die Mundharmonikas der Marke "Burgtor" fertigten. Zuletzt hatte dort der VEB Fahrzeugelektrik seinen Sitz.

Die einstige Fabrik von Gustav Spranger an der Markneukirchner Straße ist heute ein Objekt der Kirchlichen Sozialstation für betreutes Wohnen. Scheinbar vor dem Abriss steht das Wohngebäude der Firma Hess an der Auerbacher Straße. Teilweise zu Wohnungen umgebaut ist das Firmengebäude von F. A. Spranger an der Poststraße/Ecke Hohe Straße. Wegen Einsturzgefahr vor dem Abriss steht selbst das historische Produktionsgebäude von C. A. Seydel, zuletzt genutzt als Blues-Factory. Ein Wohnhaus ist die ehemalige Friedel-Fabrik an der Zollstraße. Mundharmonikas von Reinhold Friedel werden derzeit auf Auktionen im Internet mit bis zu 175 US-Dollar gehandelt.

Wer sich in Klingenthal über die Mundharmonika und ihre Geschichte informieren will, dem sei dasMusik- und Wintersportmuseum Dr. Giers-Haus und das Harmonikamuseum Zwota empfohlen. Keine endgültige Auskunft bekommen wird man dort aber auf die Frage, was es mit Mundharmonikas aus Markneukirchen auf sich hat.

Mindestens 18 Handelsfirmen aus der Klingenthaler Nachbarstadt boten die kleinen Instrumente an, elf davon mit eigener Schutzmarke, wie Martin Häffner vom Deutschen Harmonikamuseum in Trossingen recherchierte - so B. A. Pfretzschner, Adolf Dürrschmidt, Paulus & Kruse oder Paul Stark. Die Informationen dazu stammen meist aus den Jahren zwischen 1890 und 1905, als mit Mundharmonikas gute Geschäfte zu machen waren. Die Firma Gebr. Schuster erneuerte ihr Mundharmonika-Schutzeichen, das einen Stier darstellt, 1927, als es noch einmal einen Boom gab. Die Händler scheinen aber ihre Instrumente aus Klingenthal oder Zwota bezogen zu haben. Stichhaltige Belege, dass auch in Markneukirchen Mundharmonikas gebaut wurden, gibt es laut dem Historiker Dr. Enrico Weller bislang jedenfalls nicht.

Der musikalische Auftakt für das Festival "Mundharmonika live" erfolgt morgen im Ferienhotel Zwotatal mit der Gruppe Tres Gitanos. Beginn ist 20 Uhr.


Festival-Premiere für Chile

Pünktlich zur neuen Auflage des Klingenthaler Festivals "Mundharmonika live" gibt es ein Musiker-Interview in der Reihe "Seydel overtons" . Gesprächspartner von PT Gazell ist diesmal der Chilene Cristian Inostroza, der am Wochenende erstmals in Klingenthal erwartet wird. Der sogenannte Seydel-Endoser wird am Samstag gemeinsam mit Jose Miguel Carrasco und dem Animato-Quartett aus Polen das Gala-Konzert in der Aula des Schulzentrums gestalten und bei der Live-Nacht im "Postillion" zu erleben sein. Inostroza spielt seit 1984 Mundharmonika. 2013 war er neben Auftritten in den USA erstmals zu Konzerten in Europa unterwegs gewesen - in der Tschechischen Republik und Italien. In der Reihe "Seydel overtons" lässt PT Gazell regelmäßig namhafte Mundharmonika-Solisten über ihre Musik und sich selbst plaudern. Bislang sind sechs der geplanten 14 Folgen erschienen. (tm)

www.seydel1847.de

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