Start der Ermittlungen zum Großbrand verzögert sich

Die Anzahl der verletzten Feuerwehrleute ist auf 32 gestiegen. Kontaminiertes Löschwasser und Chemikalien wurden aufgefangen. Boden- und Pflanzenanalysen laufen noch.

Reichenbach/Heinsdorfergrund.

Weder zur Brandursache noch zum Ausmaß der Gefahr für die Bevölkerung gibt es knapp zwei Wochen nach dem Großbrand in der FirmaGalvanotechnische Oberflächen (GTO) im Industriegebiet an der A 72 bei Reichenbach neue Erkenntnisse. Die polizeilichen Ermittlungen vor Ort konnten bis jetzt noch nicht beginnen, erklärte Geschäftsführerin Katrin Möckel. Sie informierte mit weiteren Verantwortlichen zum aktuellen Stand.

Die Brandursache: In der komplett zerstörten Halle 1, in der zwei Galvanikanlagen standen, befinden sich nach Möckels Worten noch immer Restchemikalien. Eine Brandsanierungsfirma soll diese bergen und entsorgen, damit Ende der Woche die Ermittlungsarbeiten beginnen können. Möckel erklärte, alles zu tun, damit die Brandursache schnell gefunden werden könne. An Spekulationen beteilige sie sich nicht.


Ohne auf den konkreten Fall einzugehen, verwies Tobias Pohl, Umweltamtsleiter des Vogtlandkreises, auf eine Statistik der Versicherer: Demnach gebe es pro Jahr in Deutschland 50 bis 70 Galvano-Brände, darunter zehn bis 20 in der Größe wie bei GTO. In der Mehrzahl der Fälle sei Überhitzung, zum Beispiel durch einen nicht funktionierenden Trafo, die Brandursache.

Halle 1 habe, anders als die später gebaute Halle 2, keine automatische Brandmeldeanlage, erklärte Katrin Möckel. Das war 2004 noch nicht vorgeschrieben. Mitarbeiter hätten selbst die Feuerwehr alarmiert. Froh sei sie, dass alle Mitarbeiter rechtzeitig in Sicherheit gebracht wurden.

Die Feuerwehrleute: Firmenchefin Möckel hoffe, dass die Einsatzkräfte keine bleibenden Schäden zurückbehalten. Die Anzahl der verletzten Feuerwehrleute stieg bis Montag von 28 auf 32 an. Sie mussten wegen thermischer Überbelastung, Atemwegsreizung durch toxische Gase und auch Rauchgasvergiftungen medizinisch versorgt werden. Bei einigen traten erst Tage später Atembeschwerden und Schmerzen im Brustbereich auf. Sie mussten daraufhin stationär behandelt oder medizinisch betreut werden.

Die Chemikalien: Dank der Pläne, die es für jedes Objekt im Industriegebiet gibt, habe die Feuerwehr gewusst, wo sich die Löschwasserentnahmestelle befindet und welche gefährlichen Stoffe es in der Firma gibt, so Einsatzleiter Falk Reinhold, Gemeindewehrleiter von Heinsdorfergrund. Allerdings sei unbekannt gewesen, in welchen Mengen. Möckel sprach von Salzsäure, Salpetersäure, Natronlauge und verschiedenen technischen Materialien. Das Gesamtvolumen der Chemikalien habe 300 Kubikmeter betragen.

Die Messungen: Ergebnisse der Luftmessung vom Brandtag zeigen laut Tobias Pohl, dass in der Rauchwolke Bestandteile gefunden wurden, die sonst bei einem Plastebrand auftreten. Zudem habe es auffällig hohe Salzsäuregehalte am Brandort gegeben. Da Ergebnisse der Boden- und Pflanzenproben sowie einer Eier- und einer Obstprobe noch ausstünden, gelten die Handlungsempfehlungen vom 27. Juni für Schönbrunn, Waldkirchen und Lengenfeld zum Umgang mit Gartenfrüchten, Futterpflanzen, Fütterung und Weidehaltung von Tieren, Imkerei sowie Sandkästen vorerst weiter. Aktuell hat GTO rund 150 Mitarbeiter am Standort. Alle würden bezahlt. Ein Viertel davon arbeite aktuell im Werk Döbeln. In Halle 2 laufe wieder der Probebetrieb.

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