Streit um Satireplakat: Wo hört der Spaß auf?

Wahlwerbung sorgt im Vogtland für Streit: Die Beteiligten: Die Kreisvorsitzende der Grünen, die auch den Runden Tisch gegen Rechts koordiniert, sowie ein Politiker der CDU. Es geht dabei auch um Grundsätzliches.

Plauen/Lottengrün.

Ein Wahlplakat hat in Sachsen eine hitzige Debatte um die Frage ausgelöst: Was ist im Wahlkampf erlaubt, und wo hört der Spaß auf? Das Plakat der Satirepartei Die Partei zeigt Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) nackt auf einer Wolke sitzend, während sich sein überlanger Penis einer Schlange gleich um ein CDU-Holzkreuz windet - garniert mit dem süffisanten Spruch "Aus langer Tradition". Die rechte untere Ecke des einem Barockgemälde ähnelnden Plakats rollt sich leicht nach oben und lässt unter dem CDU-Schriftzug die Urheber erkennen: Die Partei.

Jenes Plakat hat nun im Vogtland eine heftige Kontroverse ausgelöst. Die Plauener CDU ist außer sich, weil die Kreisvorsitzende der Grünen, Ulrike Liebscher aus Lottengrün, das Plakat auf ihrer Facebook-Seite mit einem "Gefällt mir" versehen und geteilt hat. Das sei "völlig daneben und unakzeptabel", erklärt Plauens CDU-Vize Jörg Schmidt in einem eigens anberaumten Pressegespräch mit Ortschef Frank Heidan und Stadtrat Tobias Kämpf. Den Ministerpräsidenten in solcher Pose zu zeigen, sei schon eine Zumutung. "Ein christliches Symbol wie das Kreuz mit einem Penis zu posten, ist aber noch eine größere Sauerei", sagt Schmidt. Er fordert von Ulrike Liebscher eine öffentliche Entschuldigung.


Der Zoff um das Wahlplakat ist offenbar jener berühmte Tropfen, der das Fass eines anderen Konfliktes überlaufen lässt. Die Kreischefin der Grünen steht in Diensten der evangelischen Kirche und ist auch Koordinatorin des Runden Tisches in Plauen. Die Union beklagt, dass linke Kräfte teils am Runden Tisch dominieren, die in der CDU den "Vorhof des Bösen" sehen. Eine weitere Teilnahme will die Union von der Klärung des Vorfalls abhängig machen. Tobias Kämpf: "Die Grünen werben um Verständnis für den Islam." Er fühle sich in seinem Glauben verletzt. Frank Heidan sieht eine "größere Verantwortung bei der Superintendentin" Ulrike Weyer.

Ulrike Liebscher bestätigt, dass sie im Internet auf das Plakat gestoßen ist und schauen wollte, wer es wie bewertet. Dass sie es teilte, tue ihr leid. "Das muss ein Versehen gewesen sein", erklärt sie. Den Inhalt löschte sie von ihrer Seite. "Es liegt mir fern, religiöse Gefühle zu verletzen." Die CDU sollte indes nicht Parteipolitik mit dem Runden Tisch vermengen, das sei dann Wahlkampf. "Der Kampf gegen Rechts sollte Konsens beim Runden Tisch sein", betont die Koordinatorin. Alles von der CDU bis zu den linken Gruppen am anderen Rand zusammenzuhalten, sei schwierig genug. Demos und Friedensgebete seien Wege, die zum gemeinsamen Ziel führen. "Das sollte auch im Interesse der CDU liegen", sagt Ulrike Liebscher. Sie werde beim Treffen des Runden Tisches am Freitagabend zu dem Vorfall Stellung beziehen.

Die Schöpfer des lästerlichen Plakates haben unterdessen erreicht, was sie wollten: Aufmerksamkeit auf vielen Ebenen. Die Partei vermeldet auf ihrer Homepage, sie habe "angesichts der drohenden Machtübernahme der AfD" der CDU das "an Geschmacklosigkeit nicht zu überbietende Plakat gewidmet". Die Partei müsse offenbar ihren "natürlichen Feind" stärken, heißt es.

Bewertung des Artikels: Ø 4.5 Sterne bei 2 Bewertungen
5Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 2
    0
    Blackadder
    09.08.2019

    @hinterfragt: Dafür einen Grünen von mir! Genauso ist es.

  • 8
    1
    Hinterfragt
    09.08.2019

    "...Das Plakat ist absolut geschmacklos..."

    Geschmacklos ist das Plakat der CDU, auf welchem der MP 1000 Polizisten verspricht.
    Das grenzt an "Massenverdummung".
    Erst werden in der ganzen Zeit in welcher die CDU regiert mehr als 1000 Stellen bei der Polizei abgebaut sowie Reviere geschlossen bzw. zusammengelegt und nun, wo die Felle wegzuschwimmen drohen, suggeriert man, wenn ihr mich wählt bekommt ihr 1000 zurück ...

  • 5
    1
    Blackadder
    09.08.2019

    Da finde ich aber so manches, was hier an den Laternen hängt, weitaus geschmackloser. Satire muss auch weh tun. Ich habe da kein Problem mit. Gerade in Sachsen kann jemand, der den Politikern den Spiegel vorhält, nicht so verkehrt sein.

    Alles Gute an DIE PARTEI !

  • 0
    9
    Distelblüte
    09.08.2019

    Das Plakat ist absolut geschmacklos. Etwa genau so sehr wie das Verlangen mancher Männer in der CDU, die mit der AfD liebäugeln. Die Satire-Partei hätte für ihren Affront allerdings nicht Herrn Kretschmer wählen sollen.

  • 3
    0
    ths1
    09.08.2019

    Na vielleicht ist Frau Liebscher ja auch nur mit der Maus ausgerutscht. Ging ja anderen Leuten auch schon so.



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