Stromklau für Kryptowährungen: Drei Festnahmen bei Durchsuchungen

Kryptogeld wird vor allem in Ländern geschürft, wo der Strom billig ist. In Klingenthal hob die Polizei jetzt eine Schürfanlage aus, deren Betreiber Strom für 220.000 Euro geklaut haben sollen.

Klingenthal.

Fünf Männer und eine Frau sollen zwei Jahre lang am Boom der Kryptowährungen verdient und den entscheidenden Kostenfaktor mit krimineller Energie umgangen haben. Beamte der Polizei, darunter des Mobilen Einsatzkommandos, außerdem Staatsanwälte und Steuerfahnder - 121 Personen insgesamt - durchsuchten acht Objekte im Zwickauer Raum und im Vogtland. In Klingenthal wurden sie fündig: Die Spezialisten entdeckten eine im Betrieb befindliche Computeranlage aus 49 Rechnern auf Industrieregalen, die illegal Strom unter Umgehung des Zählers bezog. Sie soll in den Räumen der früheren PGH Elektro (DDR-Produktionsgenossenschaft des Handwerks) untergebracht gewesen sein.

Der Schaden für den Energieversorger ist enorm. Laut Staatsanwaltschaft habe die Anlage so viel Strom wie 30 Haushalte verbraucht. Die Rechnerfarm war seit Anfang 2017 in Betrieb, womöglich durchgehend. Über zwei Jahre summierte sich der Schaden auf 220.000 Euro.


Kryptowährungen, die bekanntesten sind Bitcoin und Ethereum, existieren in verteilten Rechnernetzen. Ihr Kurs wird allein von der Nachfrage bestimmt - sie werden nicht ausgeprägt und besitzen keinen inneren Wert. Jede einzelne Transaktion wird im Rechnernetz verschlüsselt und vermerkt - je länger die Kette, desto größer der Rechenaufwand und letztlich auch der Energiebedarf. Schürfer oder "Miner" stellen Rechenkapazitäten für das Gesamtsystem zur Verfügung. Dafür erhalten sie einen Obolus in Kryptowährung. Nach Auskunft der Staatsanwaltschaft Zwickau wurden in Klingenthal "Bitcoins und anderes" geschürft. Ein Hinweis auf den hohen Stromverbrauch habe die Ermittler auf die Spur gebracht.

Die großen Kryptowährungsnetze werden heutzutage mit Hilfe von Computerfarmen realisiert, die meist in Ländern mit niedrigen Energiekosten stehen - vor allem in China, aber auch in Skandinavien. Andreas Ittner, Professor für Informatik und Verteilte Informationssysteme an der Hochschule Mittweida, sagte am Mittwoch, Stromklau im Zusammenhang mit Mining werde gelegentlich aus China berichtet: "Da stecken Angestellte von Kraftwerken heimlich ihre Rechner an." Die relativ hohen deutschen Strompreise führten dazu, dass Mining hierzulande kaum eine Rolle spiele. Es lohne sich einfach nicht.

Unter den 49 in Klingenthal gefundenen Computern waren 30 mit Spezialhardware für das Schürfen von Kryptowährungen ausgestattet. 80 Grafikkarten wurden in der Anlage verbaut. An den Ermittlungen waren Experten des 2014 am Landeskriminalamt gegründeten Cybercrime Competence Centers Sachsen (SN4C) beteiligt. mit tm

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