Südafrikaner in Gettengrün: "Das war ein Segen für mich"

Owethu Mbulawa aus Südafrika hat einige Zeit bei Familie Knoche verbracht. Was hat den jungen Mann am meisten beeindruckt?

Gettengrün.

Der Winter hat uns bisher nur wenig Schnee gebracht und trotzdem schmeckt er kalt. Zumindest für Owethu Mbulawa, denn dass die Wiesen am Morgen mit Reif überzogen sind, er einen Pullover und eine Mütze brauchte, wenn er aus dem Haus ging, das kannte er bisher noch nicht. "Bei uns sind im Winter 15 Grad. Jetzt ist Sommer mit 30 Grad. Das ist mir lieber", sagt der 17-Jährige - und ein breites Lächeln lässt seine Zähne blitzen.

Owethu Mbulawa lebt in Südafrika, an der Ostküste, in der Nähe von Durban. Weihnachten und Jahreswechsel hat er bei Familie Knoche in Gettengrün verlebt. Und das kam so: Es gibt bei ihm daheim eine private Organisation, die sich um südafrikanisch-deutschen Austausch von Jugendlichen kümmert. "Wir haben einen Antrag gestellt und ich habe die Möglichkeit bekommen, nach Deutschland zu reisen." Ina Knoche aus Gettengrün wiederum erfuhr von einer Bekannten in Marienberg von dieser Organisation und erklärte sich nach Absprache mit der Familie bereit, einen Jugendlichen aufzunehmen. Mit einer Maßgabe: "Es sollte ein Junge sein, weil er mit unseren beiden Jungs bestimmt besser zurechtkommt."

Durch den gleichaltrigen Bertram und Benedikt (13) kam Owethu Mbulawa viel herum im Oberland. Er war mit ihnen im Gymnasium Markneukirchen und in der Evangelischen Oberschule Schöneck. Vieles was er dort sah und erlebte, war für ihn auch Neuland: "Bei uns tragen alle Schüler eine Uniform und die Lehrer sind viel strenger mit uns. Wir dürfen die Schule über Mittag auch nicht verlassen. Hier ist es anders und geht locker zu. Das hat mir gefallen." Bertram und Benedikt erfuhren im Gegenzug, dass man in Südafrika eine Aufnahmeprüfung bestehen muss, um die Mittelklasse einer staatlichen Schule besuchen zu können, und Owethu im Unterricht viel mit Hilfe eines Computers lernt, dafür nicht so viele Hefter, Arbeitsblätter und Bücher hat wie sie.

Für den jungen Südafrikaner war es ein besonderes, ein unvergessliches Erlebnis, wie seine Gastfamilie in Gettengrüner das Weihnachtsfest vorbereitet und gefeiert hat. "Einen Baum und die Wohnung schmücken und Geschenke für jeden, das gibt es bei uns nicht. Wir gehen in die Kirche, beten, singen Lieder. Das ist hier ja auch so. Aber Heiligabend ein Krippenspiel oder vorher einen Weihnachtsmarkt - das habe ich noch nie erlebt." Nicht so groß war der Unterschied zu Silvester. "Wir haben zusammen mit Freunden in Markneukirchen gefeiert. Das hat Owethu gefallen, denn bei ihm gehen um Mitternacht auch alle auf die Straßen und es gibt dann Knallerei", erzählt Bertram.

Auch wenn Owethu manchmal großes Heimweh hatte, wenn er mit seiner Mutter telefonierte, bereut er seine Reise nach Gettengrün nicht: "Das war ein Segen für mich und ich werde alle Eindrücke nicht vergessen." Dazu gehören allerdings nicht nur hiesige Gepflogenheiten rund um das Jahresende. Ina Knoche ist auch ein bisschen stolz darauf: "Wir haben uns viel über die Umwelt unterhalten. Ich denke, dass es ihm den Kopf geöffnet hat für den Klimawandel. Von Mülltrennung hatte Owethu bisher noch nichts gehört und musste sich bei uns erst daran gewöhnen. Und wer Greta Thunberg ist, weiß er jetzt auch..."

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