Team tüftelt an klingendem Erlkönig

Die Klingenthaler Weltmeister-Akkordeon-Manufaktur arbeitet an der Entwicklung eines neuen Instruments. Dahinter steht eine internationale Truppe von Fachleuten.

Klingenthal.

Als junger Mann hatte Kimric Smythe mit B-52-Bombern zu tun, als Wartungstechniker der US-Air-Force. Danach studierte er Solar- und Industrietechnologie im kalifornischen Santa Cruz. 1997 gründete er Smythe's Akkordeon als Nebengeschäft und hatte für seine Kunden auch Weltmeister-Instrumente aus Klingenthal im Angebot. Der Sitz der Firma ist in Oakland, am früheren Standort des Musikhauses Menni-Ketti, das seit den 1930er-Jahren bestand. "Wir hatten allein in San Francisco einmal zehn Akkordeonhersteller. Jetzt gibt es in den USA keine mehr", erzählte er. In dieser Woche war Kimric Smythe in Klingenthal, um an der Entwicklung des neuen Akkordeon-Modells mitzuarbeiten.

Schon im Januar, auf der Musikmesse Namm-Show in Anaheim (USA), hatte die Weltmeister-Akkordeon-Manufaktur einen sogenannten Erlkönig dabei, der von Besuchern getestet werden konnte. Das Instrument soll vom Gewicht her leichter sein als herkömmliche Modelle und auch in der Spielbarkeit Vorteile aufweisen. Den Prototyp baute Manfred Neumann aus Pirmasens, der seit Jahrzehnten an der Weiterentwicklung des Akkordeons tüftelt. Zur Musikmesse in Frankfurt am Main hatten die Klingenthaler an ihrem Stand für all jene, die den Erlkönig angespielt haben, einen Fragebogen parat. Deren Feedback wird derzeit ausgewertet.

Torsten Kleditzsch

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Weltmeister-Geschäftsführer Frank Meltke hat für die Entwicklung des Instruments ein internationales Team geformt und dazu teilweise auch Fachleute zurückgeholt. "Kimric Smythe und Manfred Neumann sind irgendwann mal aus Klingenthal vergrault worden", meinte er. Er habe schon vor gut 20 Jahren Kontakte gehabt, bestätigte Smythe. Jetzt sind seine Erfahrungen um Materialien und Fertigungstechnologien wieder gefragt.

Mit zum Team gehören auch ein Designer aus Spanien, Akkordeon-Fachleute aus Russland, ebenso die Klingenthalerin Lisa Köhler, die derzeit ihre Meisterausbildung abschließen will, und natürlich der Klingenthaler Produktionsleiter Karl-Heinz Glaß.

Frank Meltke, der gebürtige Erzgebirger mit Erfahrungen aus Korea, Russland und den USA, legt viel Wert auf Teamarbeit - bei der Entwicklung wie bei der geplanten Fertigung. "Es soll ein Instrument sein, das die Manufaktur voranbringt, und auch Klingenthal wieder in der Musikwelt einen Namen gibt", stellt er klar. "Zur Herstellung brauchen wir das Know-how der Klingenthaler Beschäftigten", ergänzt Manfred Neumann.

An der Wand im Beratungszimmer der Manufaktur hängt für jeden sichtbar eine Übersicht, was bis zum geplanten Produktionsstart am 15. Oktober alles erledigt sein muss, bis hin zum Marketing. "Viele Maßnahmen müssen parallel laufen", sagt der Geschäftsführer. Schließlich liegen schon Bestellungen für das neue Akkordeon-Modell vor. In den nächsten Wochen sollen 12 bis 15 Prototypen zu weiteren Tests an Solisten gehen, aber auch an das Klingenthaler Akkordeonorchester. Dessen Einbeziehung ist Meltke ebenfalls sehr wichtig.

Und wie sieht Kimric Smythe die Zukunft des Akkordeons? "Nach einer Flaute in den 1970er- und 80er- Jahren ist das Instrument in den USA wieder sehr populär", lautet seine Antwort.

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