Tom Pauls glänzt als Quasimodo

Das Schauspiel "Der Glöckner von Notre Dame" setzte am Samstag den Schlusspunkt unter die Saison im Naturtheater Bad Elster.

Bad Elster.

Die Aufführung der Landesbühnen Sachsen von "Der Glöckner von Notre Dame" als Schauspiel nach dem gleichnamigen Roman von Victor Hugo sorgte bei den 450 Besuchern für einen unterhaltsamen Abend. Das lag vor allem an den sehr guten schauspielerischen Leistungen aller Akteure: von Matthias Henkel als gefühlsverklemmter und neidischer Richter Frollo, Moritz Gabriel als liebestrunkener Hauptmann Phöbus bis hin zu Jürgen Haase als Zigeunerkönig Clopin und Holger Uwe Thews als von sich selbst am meisten beeindruckter Dichter Gringoire.

Großartig auch "Esmeralda" Huimann, die den Männern scharenweise den Kopf verdrehte und dafür bitter büßen muss. Und dann natürlich Tom Pauls. Wird er, der ansonsten unter anderem als Kunstfigur Ilse Bähnert die Lachmuskeln strapaziert, auch in einem ernsten Fach bestehen können? Ein dickes Ja. Wie er den von der Natur mit körperlichen Missbildungen bestraften und herzensguten Quasimodo spielte, schlurfend über die Bühne hinkte, mit nuschelnder Stimme sprach und letztlich zum emotionalen Helden des Stückes avancierte - das nötigt Hochachtung ab und wurde vom Publikum am Ende mit viel Beifall belohnt. Zumal er dank der Maskenbildnerin nicht ansatzweise wiederzuerkennen war.

Zweite Frage: Wie bekommt man das Paris von 1492 samt der monströsen Kathedrale Notre Dame auf eine Bühne? Durch Beschränkung auf das Wesentliche, was sehr gut gelöst wurde. Mehr Augenmerk wurde bei der Inszenierung dafür auf nicht aufgesetzte Bezüge zur Gegenwart gelegt. Überraschend beispielsweise der Einsatz von Sequenzen aus "Whole Lotta Love" von Led Zeppelin, "Born to be wild" von Steppenwolf, Herman van Veens "Wenn ich mir was wünschen dürfte", oder dem Beatles-Klassiker "Here comes the sun". Dazu Sprüche à la "Ein Narr ist ein Mensch mit durchschnittlicher Intelligenz", "Homer ist, wenn man trotzdem lacht", "Ein Mann ist wie Tee: Man muss ihn ziehen lassen" oder "Dummheit ist auch eine Gabe Gottes". Und dass Quasimodo die "Rotationseuropäerin" Esmeralda rettet und ihr im Glockenturm Asyl gewährt, war auch mehr als ein deutlicher Fingerzeig.

"Der Glöckner von Notre Dame" war ein glanzvoller Schlusspunkt unter die weitestgehend vom Regen verschont gebliebene Saison im Naturtheater. Insgesamt wurden rund 8000 Besucher gezählt.

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