Tonzunge schwingt im Lichtfeld

Nach Sanierung und Erweiterung erwartet das Klingenthaler Dr. Giers-Haus ab heute wieder Besucher. Was es an Neuem zu sehen gibt.

Klingenthal.

Besucher im Klingenthaler Musik- und Wintersportmuseum Dr. Giers-Haus können sich beim Rundgang an einem Lichtmodell ein Bild machen, wie die Tonzunge in einem Akkordeon schwingt, denn die Bewegung selbst ist für das menschliche Auge nicht zu erfassen. Und wer nach dem Rundgang Lust hat, kann selbst ein Akkordeon ausprobieren.

"Die Erweiterung war eine Herausforderung, die Spaß gemacht hat", sagte Mitarbeiterin Xenia Brunner. Um rund 100 Quadratmeter konnte die Ausstellungsfläche erweitert werden. Sie ist vor allem der Entwicklung der Akkordeonindustrie in der DDR und der aktuellen Produktion der Mundharmonika-Manufaktur C.A. Seydel Söhne gewidmet. Bis Jahresende soll auch der frühere Pferdestall zugänglich sein. Dort wird Technik gezeigt, die für die Harmonika-Industrie entwickelt wurde, erläuterte Brigitte Förster, Sachgebietsleiterin Kultur/Tourismus.

Rund 160.000 Euro flossen in die energetische Sanierung und Erweiterung des Museums, zeigte Bürgermeister Thomas Hennig (CDU) auf. Rund 100.000 Euro kamen als Fördermittel mit Blick auf das Jahr der Industriekultur 2020 in Sachsen, die Eigenmittel nahm die Stadt aus dem Erbe von Malermeister Heinz Kern. Der Stadtrat hatte dem zugestimmt. Zum Eröffnungsrundgang waren deshalb auch Stadträte und sachkundige Bürger aus den Ausschüssen gekommen.

Neben der Erweiterung wurde auch die bestehende Ausstellung neu gestaltet - angefangen vom Geigenbau. Im Januar 2017 war das 300-jährige Gründungsjubiläum der Geigenmacher-Innung" begangen worden. "Dabei gab es zahlreiche interessante Anregungen, einige konnten wir bereits mit verarbeiten", zeigte Xenia Brunner auf.

Neben Exponaten aus der Weltmeister-Akkordeon-Manufaktur fanden auch die historischen Möbel des ehemaligen Zwotaer Rathauses in der Ausstellung Verwendung, einschließlich Hennigs einstigem Schreibtisch und der Standuhr. Selbst Dielenbretter aus der zum Abriss vorgesehen Buschhaus-Ruine wurden in der Ausstellung verarbeitet. Stadtrat Peter Vodel (Freie Wähler), selbst begeisterter Philatelist, unterbreitete mit Blick auf die ausgestellte historische Firmen-Korrespondenz die Idee, auch die Geschichte der Poststellen im Klingenthaler Raum aufzuarbeiten. Diese waren eine wichtige Voraussetzung für den Instrumentenhandel.

Für das Museums-Archiv konnte Xenia Brunner eine Titelseite einer Wochenendbeilage der "Freien Presse" vom Dezember 1994 in Empfang nehmen - mit einem Bericht über die damals erfolgte Wiederaufnahme der Ausbildung von Akkordeonbauern in Klingenthal.

Geöffnet ist das Museum Dr. Giers-Haus heute und morgen jeweils von 13 bis 17 Uhr.

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