Überlebenskünstler erzählt fesselnde Geschichten

Rüdiger Nehberg kämpft für Schwache auf dieser Welt. Er nahm die Zuschauer im König- Albert-Theater mit auf eine außergewöhnliche Lebensreise.

Bad Elster.

Spannend, abenteuerlich und auch schockierend war der "Querschnitt durch ein aufregendes Leben" des rastlosen Abenteurers, der auch "Sir Vival" genannt wird. Wahrlich kann man den 1935 in Bielefeld geborenen Wagemutigen als einen echten Überlebenskünstler bezeichnen - seine atemberaubenden Erlebnisse präsentierte er in Bad Elster in einer interessanten Foto-Reportage.

Rüdiger Nehberg ist eigentlich gelernter Bäcker und Konditor. "Ein krisenfester Beruf, bei dem ich mich auf die Anfertigung von figürlichen Karikaturen aus Marzipan spezialisiert habe", berichtet er. Doch schon als Kind zog es ihn immer in die Ferne und aus dem Reisen als Hobby wurde schon bald der Traum von der großen Einsamkeit auf dieser Welt und dem Survival - der Kunst des Überlebens in scheinbar ausweglosen Situationen. Nehberg schilderte humorvoll seine ersten Selbstversuche, die mit einer Kletterwand in der Backstube begannen, später auf tausend Kilometer langen Märschen ohne Nahrung und Ausrüstung durch Deutschland zu einer echten Bewährungsprobe wurden und ihm schließlich auf der Fahrt über den Blauen Nil oder dem Weg durch den Dschungel und die Danakil-Wüste in Äthiopien das Leben retten. "Ich lernte, dass 1000 Kilometer Marsch kein Drama sind und man nach drei Tagen keinen Hunger mehr spürt", berichtete er ebenso, wie auch von den Würmern und Insekten in der Wildnis oder den Fliegenlarven aus den Wunden an seinem Körper, von denen er sich ernährte. Deshalb war er 40 Jahre lang in Deutschland als Würmerfresser verschrien, bevor die Nation ihn rehabilitierte und er seine Erfahrungen in zahlreichen Büchern schilderte, die zu Bestellern wurden.

Fast 50 Jahre alt sind die Bilder, die Eindrücke von seiner halsbrecherischen Reise auf einem Floß aus Baumstämmen im Nil, beim Kampf mit Krokodilen oder bei seinen 18 Jahre währenden Begegnungen mit den Yanomami-Indianern vermitteln. Als Nehberg 1980 Augenzeuge des drohenden Völkermordes an dem Indianervolk in Brasilien wurde, krempelte das sein Leben um. "Ich verkaufte die Konditorei in Hamburg und versuchte mit wechselnden Kampfgefährten und immer neuen spektakulären Aktionen, die internationale Lobby für die Indianer stark zu machen" berichtet er. Die Yanomami-Indianer in Brasilien galten als das letzte große frei lebende Volk im brasilianischen Regenwald. "Angeblich werden sie durch das Militär geschützt. Doch brasilianische Menschenrechtler behaupten das Gegenteil", erfuhr Nehberg. In Wirklichkeit drohte den Indianern, durch eine Armee von Goldsuchern ausgerottet zu werden. Gemeinsam mit der Menschenrechtsaktivistin Christina Haverkamp erreichte er im Jahr 2000 einen akzeptablen Frieden und ein geschütztes Reservat für die Yanomami. "Unerwartet waren meine Reisen kein reiner Selbstzweck mehr, sondern auch ein Engagement für Bedrohte", zog Nehberg Resümee. Fortan setzte er sich mit seiner Frau Annette zunehmend für Menschenrechte ein. Der 81-Jährige erhält einen enthusiastischen Beifall und Standing Ovation aus den Reihen der Zuschauer.

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