Unterm Fußbodenbelag liegt des Rätsels Lösung

Die Forscher zur Geschichte der Mundharmonika freuen sich über zwei Funde aus dem oberen Vogtland. Auch Raritäten kamen dabei zum Vorschein.

Klingenthal.

Als Martin Häffner und Lars Lindenmüller vom Deutschen Harmonikamuseum in Trossingen vor mehr als 20 Jahren das Buch "Hohner, Seydel, Köstler, Koch - und die vielen anderen noch" über die Mundharmonika-Hersteller im deutschsprachigen Raum veröffentlichen, gehörte die Klingenthaler Firma Otto Rudolf Meinel (Bergmeinel) zu den zahlreichen Unternehmen, über die kaum noch etwas bekannt ist.

Einzig das Jahr 1866 steht für Bergmeinel als Beginn der Fertigung von Mundharmonikas uns Zithern. Das Ende der Firma wurde mit der Zeit um etwa 1926 angegeben. Bei gut 60 Betriebsjahren kann man durchaus von einem Traditionsunternehmen sprechen. Wo aber suchen, wenn vom Ende der Firma weder Umstände noch Zeitpunkt bekannt sind?

Wie so oft, spielte der Zufall mit. Beim Ausräumen einer Wohnung in Zwota fanden sich unter dem Fußbodenbelag etliche Ausgaben der "Klingenthaler Zeitung". Beim Durchsehen der vergilbten Seiten fiel eine Anzeige ins Auge: "Konkurs Bergmeinel". Der Konkursverwalter der Firma, ein Dr. Witte, hatte sie am 4. März 1926 veröffentlichen lassen. Interessenten, die aus der Konkursmasse Maschinen, Holzer, Bleche und Futterale kaufen wollten, waren zur Besichtigung nach Vereinbarung eingeladen.

Wo Bergmeinel sein Domizil hatte, geht aber aus der Anzeige nicht hervor. Für eine Neuausgabe des Buches über die Mundharmonika-Hersteller, an der Martin Häffner arbeitet, kann zumindest das Ende der Firma exakt benannt werden.

Nicht weniger groß war die Freude über eine Anzahl Mundharmonikas, die ebenfalls über Jahrzehnte in einem Zwotaer Keller lagen, und ebenfalls per Zufall vom Müll gerettet wurden.

Mehrere der Instrumente wurden in der 1886 gegründeten Firma A. A. Schlott gefertigt, deren einstige Werksgebäude an der Oberen Marktstraße in Klingenthal schon seit Jahren aus dem Stadtbild verschwunden sind. Zwei Mundharmonikas tragen Schutzmarken, die selbst in der umfangreichen Sammlung des Deutschen Harmonikamuseums nicht zu finden sind.

Eine besondere Rarität ist eine völlig in Holz gehaltene Mundharmonika der Firma Thie aus Wien, deren Alter Martin Häffner per Ferndiagnose auf etwa 120 Jahre schätzt. Thie hatte seine Glanzzeit in den 1880-er Jahren und war bekannt für den Bau von Luxusinstrumenten. Die Maschinen der um 1914 still gelegten Fabrik kaufte der Graslitzer Mundharmonika-Hersteller Köstler.

Völlig unbekannt ist ein weiteres Instrument, das entfernt an eine Mundharmonika erinnert, über fünf Töne verfügt, wahrscheinlich mit Akkordeon-Stimmplatten versehen ist und etwa wie ein Kontrabass klingt. Ob es sich dabei um ein Versuchsmodell handelt oder ob es zumindest in einer Kleinserie gefertigt wurde, war noch nicht in Erfahren zu bringen.

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